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BUCHS: «Erwachsenwerden wie in einer Nussschale»

Jaap Achterberg brachte «Pferde stehlen» nach dem gleichnamigen Roman von Per Petterson am letzten Samstag in Buchs als Erzähltheater auf die Fabriggli-Bühne. Ein eindrückliches Erlebnis.
Jaap Achterberg zeigte sich im Kleintheater Fabriggli als ein Meister des Erzähltheaters. (Bild: Bernhard Fuchs)

Jaap Achterberg zeigte sich im Kleintheater Fabriggli als ein Meister des Erzähltheaters. (Bild: Bernhard Fuchs)

Es ist Anfang November, irgendwo in Norwegen. Eine einsame Blockhütte am See. Um sie herum nichts als Wald. Das ganze Leben hat er sich nach so einem Ort gesehnt. Nach dem Unfalltod seiner Frau, ist der 67-jährige Trond an diesen Ort gekommen, um zu bleiben. Aus seinem Fenster sieht er in der Ferne eine andere Hütte, die Lars mit seinem Hund Poker bewohnt. Nach einer nächtlichen Begegnung mit Lars, der sich als tragische Gestalt aus Tronds Vergangenheit entpuppt, kommt die Erinnerung an die Ereignisse des Sommers vor 50 Jahren, wieder in ihm hoch. Ein Schicksalssommer, den der damals 15-jährige Trond mit seinem Vater in einer Hütte auf dem Land verbringt: Bäume fällen. Stämme flössen. Pferde stehlen. Im Regen tanzen. In einer Rückblende erzählt Achterberg die Geschehnisse des Sommers 1948. Wie zunächst alles perfekt schien und durch ein tragisches Unglück einer nach dem anderen, der für ihn wichtig war, aus Tronds Leben verschwand.

Erzähltheater muss auch Kopfkino sein

Ein Sommer, der für Trond Zeit der Heimsuchung und des ­Erwachsenwerdens zugleich war. Er erzählt von den grossen Themen des Lebens: von Liebe und Verlust, Vertrauen und Enttäuschung, Freundschaft und Trauer, Krieg und Lebenslust. «Schliesslich entscheiden wir selbst, wann es wehtut», so der Ratschlag von Tronds Vater, der zugleich das Ende des Stücks markiert. Erzähltheater ist Kopfkino. Jaap Achterberg ist ein ­wahrer Könner des Geschichtenerzählens. Mit offenem Blick, dezent reduzierter Mimik und unübertriebener, aber wirkungsvoller Gestik gelingt es ihm, die verschiedenen Charaktere in der Vorstellung des Zuhörers lebendig werden zu lassen und das ­Publikum in die Geschichte hineinzuziehen. Er erzählt ohne zu werten, aus der Distanz.

Dramatische Wetterszenen als Stilmittel

Bedeutungsschwere Wetter­umschwünge, Lichtwechsel, aufkommender Wind, das Prasseln des Regens unterstreichen die spannungsvolle Atmosphäre der Geschichte. Durch vage Andeutungen erzeugt Achterberg Spannung und offene Fragen. Bewusste Pausen und Szenenwechsel ­geben dem Zuhörer Zeit zum Nachdenken.

Was Jaap Achterberg selbst an der Geschichte «Pferde stehlen» fasziniert? «Im Grunde ist es eine Geschichte über das Erwachsenwerden», erzählt er nach der Vorstellung. Der Sommer 1948 hat den Protagonisten zum Mann gemacht. Abschied, Tod, Liebe, Verrat, Trauer, aber auch Lebenslust: Das ist «Erwachsenwerden wie in einer Nussschale».

Ursula Wegstein

ursula.wegstein@wundo.ch

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