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BUCHS: Erinnerung an ein Ärgernis

Noch vor 50 Jahren herrschten unhaltbare Zustände am SBB-Niveauübergang beim Bahnhof. Die vielfach geschlossene Barriere – der Übergang gehörte zu den meistgeschlossenen der ganzen Schweiz – war für Autos und Fussgänger ein Hindernis.
Hansruedi Rohrer
Der Niveauübergang beim Grenzbahnhof Buchs 1967. (Bilder: Archiv Hansruedi Rohrer)

Der Niveauübergang beim Grenzbahnhof Buchs 1967. (Bilder: Archiv Hansruedi Rohrer)

Hansruedi Rohrer

redaktion@wundo.ch

Nach langem Hin und Her wurde vom Regierungsrat St. Gallen erst im Jahre 1967 ein Projekt für ein Überführungsbauwerk anstelle des allgemein unbeliebten Bahnübergangs am Anfang der Rheinstrasse bewilligt. Die Eröffnung der neuen, heutigen SBB-Strassenüberführung erfolgte dann bereits im September 1969. Auch die Personenunterführung gereichte dem Publikum zur Freude. Denn bis dahin musste die Bevölkerung sowie unzählige automobilisierte Strassenbenützer beim Bahnhof immer wieder warten, wenn sich die Barrieren senkten. Und das war an bis zu einem Drittel des Tages der Fall. Damit war auch die Hauptstrasse nach dem Fürstentum Liechtenstein gesperrt. Dieser SBB-Übergang galt sogar als einer der meistgeschlossenen in der Schweiz. Dies war wegen der grossen Dichte der ein- und ausfahrenden Züge, aber auch infolge der vielen Rangierfahrten der Fall. Im Laufe der Zeit wurde allgemein der Verkehr auf Schiene und Strasse grösser, im Jahre 1901 senkten sich diese Barrieren wohl noch nicht viele Male im Tag. Während damals der Schrankenwärter in seinem Häuschen seine Arbeit verrichtete, versahen vor 50 Jahren automatisch funktionierende Barrieren samt dazugehörendem Rotlicht ihren Dienst.

Ab und zu gab es auch ungemütliche Situationen. Wenn sich zum Beispiel Fussgänger mitten auf dem Übergang befanden, und die Schranken begannen sich zu senken. Dann hiess es, entweder einen Spurt hinzulegen oder dann ohne Hast auf das «rettende» Bahnhofperron eins auszuweichen. Das hat auch der Schreibende wohl mehr als nur einmal erfahren müssen, als er 1966 von seinem einstigen Lehrort an der Industriestrasse von der Firma geschickt wurde, um Waren von der Bahnhof-Güterexpedition abzuholen. Das geschah mit einem grossen Handwagen, auf dem die Güter Platz hatten. Mit dem leeren Wagen war es ja noch ein Leichtes, sich im Notfall auf das Perron zu «retten». Doch was war mit vollbeladenem Handwagen auf der Retourfahrt? Auch da habe ich auf der anderen Seite ohne Perron bald einen möglichen Ausweg herausgefunden.

Zwischen den Schranken gefangen wie eine dem Tod geweihte Maus

Einen viel aufregenderen Vorfall gab es einmal im März 1962, welche die Insassen eines Vorarlberger Personenwagens erlebten. Der damalige Gemeindechronist Hermann Saxer hat als Augenzeuge dieses Spiel erlebt und notiert: «Von der Rheinstrasse her anrollend, schenkte die Lenkerin des Autos aus unbekannten Gründen dem Stopplicht an der Barriere keine Beachtung. Sie fuhr vielmehr bei schon niedergehenden Schranken vor den Augen der erschrockenen Zuschauer auf die Geleise und sah sich dort denn auch regelrecht gefangen, gleich der dem Tod geweihten Maus in der Falle. Höchst verzweifelte Hup­signale ertönten, verhallten jedoch ungehört; denn zum ersten kann die Automation auf Hilferufe nicht reagieren, und zweitens war das nahe Wärterhäuschen im kritischen Augenblick nicht bemannt. Was geschah nun in dieser verzweifelten, lebensgefährlichen Situation? Plötzlich führte die also bedrängte Führerin des mit ihren Kindern besetzten Autos die notwendigen Manöver aus, um hart vor der dorfseitigen Schranke vorbei auf den Perron einzuschwenken (was dort glücklicherweise möglich war) und der drohenden Gefahr zu entrinnen. Dass der warnende Pfiff des von Räfis her in den Bahnhof einrollenden Zuges nicht gerade lieblich in ihren Ohren ertönte, kann man sich leicht vorstellen. Ohne Schaden, ja ohne die geringste Schramme brachte die Autolenkerin das Fahrzeug mit den höchst aufgeregten Kindern an den sicheren Port, wo sie aber prompt von der Polizei geschnappt wurde. Verehrte unbekannte Dame: Sie haben sich in der höchst kritischen Situation über gute Nerven ausgewiesen und das zu ihrem Heil und dem der Kinder einzig Richtige vorgekehrt. Wir gratulieren Ihnen. – Die geistesgegenwärtige Autolenkerin aus ennetrheinischem Land aber wird ihr Buchser Erlebnis zeit ihres Lebens nicht mehr vergessen und roten Stopplichtern wohl in alle Zukunft die gebührende Beachtung schenken.»

Den Beginn der Bauarbeiten im Jahr 1968 am technisch herausfordernden Brückenbau über die SBB-Geleise beim Bahnhof haben wohl tausende von Automobilisten mit Erleichterung quittiert.

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