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BUCHS: «Einsiedler» und Weltenbummler

James «Jim» Fanell ist pensionierter Nachrichtenoffizier der US-Navy und Spezialist für China. Noch heute ist er ein gefragter Experte und Referent und reist dafür von der Werdenberger Stadt in alle Welt.
Hanspeter Thurnherr
James «Jim» Fanell ist noch immer ein weltweit gefragter Referent. (Bild: PD)

James «Jim» Fanell ist noch immer ein weltweit gefragter Referent. (Bild: PD)

Hanspeter Thurnherr

hanspeter.thurnherr@wundo.ch

Es war Amor, der 1987 schon fast clichéhaft mit Pfeil und Bogen mitten in zwei Herzen traf. Ausgerechnet in Rota in der Nähe von Sevilla. Dort verbrachte die Buchserin Cornelia Gmünder ihre ­Ferien. Die Anwesenheit von James «Jim» Fanell in der andalusischen Kleinstadt am Meer ist etwas komplizierter zu erklären. Fanell war als Nachrichtenoffizier der US-Navy im nordwestlichen Bundesstaat Washington stationiert, als er unplanmässig auf den Flugzeugträger USS Coral Sea versetzt wurde, der auf dem Weg nach Spanien war. Also musste Jim Fanell per Flugzeug nach­reisen. Die Wartezeit bis zur Ankunft des Riesenschiffes hatte es dann in sich …

Erster Besuch in Buchs

Nach zwei Monaten auf dem Schiff reiste er im November 1987 erstmals zu Cornelia nach Buchs mit der Absicht, ihr einen Heiratsantrag zu machen. Zwei Tage vor diesem Besuch musste Jim aber zum Arzttermin. Dabei wurde beim 25-Jährigen Krebs diagnostiziert. Zurück in Amerika, folgten zwei Operationen und dazwischen eine Chemotherapie. Cornelia kündigte ihre Stelle als Lehrerin und zog in die USA, um den damals haarlosen Jim zu heiraten. Damit begann für das Paar aber auch eine fast 28-jährige «Nomadenzeit», 24 Jahre in den USA und 4 Jahre in Japan. «16-mal zogen wir in dieser Zeit um. Ich folgte den Arbeitsstellen meines Mannes bei der Navy», sagt Cornelia. Vor zweieinhalb Jahren, als Jim pensioniert wurde, drehte er den Spiess um: «Jetzt folgte ich meiner Frau nach Buchs.»

Doch Jim Fanell ist alles andere als ein däumchendrehender Pensionist. «Die heutigen technologischen Mittel wie Internet und Smartphone ermöglichen mir, auch jetzt noch mit meinem beruflichen Netzwerk – es war und ist ‹mein Leben› – in Verbindung zu bleiben. In den 1980er-Jahren wäre dies noch nicht möglich ­gewesen. Die Welt ist klein geworden.» Und dieses Netzwerk arbeitet weltweit zusammen. Denn Jim war als Direktor im Rang eines Captains verantwortlich für die Nachrichtenübermittlung der gesamten US-Pazifikflotte. «Wenn Kim Jong Un eine Rakete abfeuerte, erhielt ich auch mitten in der Nacht sofort einen Anruf.»

Er war und ist teilweise heute noch Mitarbeiter in verschiedenen Denkfabriken wie etwa im Hoover Institut in Stanford (Kalifornien) oder im Geneva Center of Security Policy. Fanell ist weltweit ein gefragter Referent. Dies zeigen die Länder und Orte, in denen er auftrat, seit er in Buchs lebt: USA, Neuseeland, Australien, Malaysia – und demnächst Hamburg. Dazu ist er auch Publizist in renommierten Zeitungen wie Wall Street Journal, Hoover Digest oder auch in der Schweizer Military Power Review.

Seit vielen Jahren China im Blickfeld

Eingeladen wird er, weil er über China fundiertes Wissen vermitteln kann. Denn das asiatische Riesenreich ist seit Jahrzehnten sein Spezialgebiet. 2005 gründete er auch das Asien-Sicherheits-­Forum «Red Star Rising» («Der Aufstieg des roten Sterns»). Als er damals seinen ersten Artikel schrieb, war für ihn schon längst klar: «China wird Japan herausfordern. Zeigen wird sich dies an den unbewohnten Senkaku-­Inseln im Ostchinesischen Meer.» Als er in Japan wohnte und arbeitete, sah er, was sich dort alles abspielte. China wolle zu alter Grösse zurückkehren. Aber nicht nur, wie im 17. Jahrhundert asienweit, sondern im 21. Jahrhundert weltweit. Nicht nur als Landmacht, sondern auch als Seemacht. Nicht nur militärisch, sondern auch in den Bereichen Diplomatie, Information und Ökonomie. Kurz: ­China wolle seinen Einfluss überall verstärken.

Und wie hat er sich in Buchs eingelebt? «Die Medaille hat zwei Seiten. Dank der neuen Kommunikationsmittel bin ich noch immer mit meinen Leuten von der Navy in Hawaii verbunden. Dafür habe ich wenig Kontakt zu den Menschen im Werdenberg.»

Er sieht dafür zwei Gründe. Zum ­einen wendet er täglich rund vier Stunden auf, um sich mit Hilfe englischsprachiger chinesischer Zeitungen über China auf dem Laufenden zu halten. Zum anderen spricht er kaum Deutsch. «Ich lebe hier ein wenig wie ein Einsiedler.» Deutsch lernen wird deshalb wohl eines seiner nächsten Projekte sein.

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