BUCHS: Eine Nische mit Erfolg gefüllt

Der letztes Jahr gegründete Ostschweizer Jugendbuchverlag da bux bringt seine zweite Edition auf den Markt. Mit vier neuen Büchern greift man die Aktualitäten und Themen Jugendlicher auf.

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Das Trio des Buchser Verlags da bux: Stephan Sigg, Alice Gabathuler und Tom Zai (von links). (Bild: PD)

Das Trio des Buchser Verlags da bux: Stephan Sigg, Alice Gabathuler und Tom Zai (von links). (Bild: PD)

In Tobis Land haben junge Menschen keine Zukunft. «Hau ab, Bruderherz!», sagt sein Bruder Willi zu ihm. Aber das ist nicht einfach. Denn alle werden überwacht und Tobi muss seine Familie zurücklassen. So beginnt eines der vier Jugendbücher, mit denen der Verlag da bux aus Buchs Jugendlichen in diesem Herbst aktuelle gesellschaftliche Themen näher bringt.

«Wir wollen mit unseren Büchern aktuelle Themen aufgreifen, aber auf möglichst unkonventionelle Weise. Die Geschichten sollen die jungen Leserinnen und Leser überraschen», sagt Tom Zai aus Walenstadt, einer der drei Verleger. Eines der Themen, die Jugendliche aktuell beschäftigen: Flucht und Migration. Die Geschichte «Hau ab, Bruderherz!» des preisgekrönten Solothurner Autors Franco Supino ­ermöglicht den Perspektivenwechsel. «Sie erzählt nicht von Flüchtlingen, die in die Schweiz geflohen sind, sondern dreht die Thematik um», führt Tom Zai aus. Die jugendlichen Leserinnen und Leser werden mit der Frage konfrontiert, wie es wäre, selber in ihrer Heimat keine Perspektive mehr zu haben und flüchten zu müssen und das trotz Verbot der Regierung.

Die komplette erste Edition wurde nachgedruckt

Seit September 2016 ist der Verlag da bux mit dem Ziel präsent, Bücher für leseschwache Jugendliche zu publizieren. Die Verleger Alice Gabathuler (Werdenberg), Stephan Sigg (St. Gallen) und Tom Zai haben schon einiges ausgelöst: «Wir konnten tatsächlich eine Nische füllen. Alle vier Bücher unserer ersten Edition mussten nachgedruckt werden», freut sich Alice Gabathuler, die selbst seit Jahren mit Erfolg Bücher und Geschichten für Jugendliche verfasst und auch schon Literaturauszeichnungen gewonnen hat. «Dass es so schnell geht, hätten wir nie erwartet.»

Die verschiedenen Autorinnen und Autoren des Buchser Jugendbuchverlags präsentierten an vielen Schullesungen ihre Bücher und stellten sich den Fragen der Schülerinnen und Schüler. Auch das Verlagsteam wurde engagiert. «Wir wurden zu verschiedenen Workshops für Lehrpersonen und Bibliotheken eingeladen, um Inputs zum Thema Leseförderung zu vermitteln», so Alice Gabathuler weiter. Auch die Arbeitsblätter, die das dreiköpfige Team für jedes Buch kostenlos zur Verfügung stellt, kamen bereits rege im Unterricht zum Einsatz.

Positive Feedbacks zu jugendgerechter Sprache

Neben Alice Gabathuler und Tom Zai konnten für die Edition 2 die Thurgauer Autorin Andrea Gerster und der Autor Franco Supino aus Solothurn gewonnen werden. Beide haben sich bereits sowohl in der Erwachsenen- als auch in der Jugendliteratur einen Namen gemacht. Das Ostschweizer Verlagstrio hat sich für Edition 2 etwas Besonderes einfallen lassen: Als Premiere gibt es auch ein Buch für Schülerinnen und Schüler an heilpädagogischen Schulen. Alice Gabathuler dazu: «Feedbacks von Lehrpersonen haben uns gezeigt, dass gerade auch für Jugendliche im heil­pädagogischen Bereich und für Jugendliche, die Deutsch als Fremdsprache lernen, packende, jugendgerechte Geschichte in einer einfachen Sprache fehlen. Mit Ponyhof-Geschichten kann man diese nicht motivieren.» Alice Gabathuler hat sich der Herausforderung gestellt und für diese Zielgruppe das Buch «voll Risiko» geschrieben. In allen drei Geschichten in diesem Buch geht es ums Jugendliche, die ein Risiko eingehen. Da ist zum Beispiel Nino, der oft die Wörter nicht findet. Vor allem, wenn Emma vor ihm steht. Dann wird ihm heiss, obwohl es Winter ist, und er bleibt stumm. Um sich zu beweisen, dass er doch etwas kann, hat Nino eine gefährliche Idee.

Das Verlagsteam wird zusammen mit seinen Autoren die vier neuen Bücher in den kommenden Wochen bei mehreren Veranstaltungen vorstellen, Vernissagen finden statt am 13. September in der Kantonsbibliothek Frauenfeld und am 20. September bei Bibliomedia in Solothurn. Danach macht die Lesetour Stationen an verschiedenen Orten der Schweiz. (wo)