BUCHS: Digitaler Tsunami rollt auf uns zu

«Wirtschaft Buchs» lud zur Feierabendveranstaltung ins Forum BZB ein, um über die Veränderung der beruflichen Ausbildung im kaufmännischen Bereich zu diskutieren. In Zukunft wird wohl die Grundausbildung nicht mehr ausreichen.

Heidy Beyeler
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Ausbildner und Lehrpersonen diskutierten über anstehende Veränderungen aufgrund des Offshorings und der Digitalisierung. (Bild: Heidy Beyeler)

Ausbildner und Lehrpersonen diskutierten über anstehende Veränderungen aufgrund des Offshorings und der Digitalisierung. (Bild: Heidy Beyeler)

Heidy Beyeler

redaktion@wundo.ch

Die digitale Arbeitswelt schreitet ungebremst voran und ist wirtschaftspolitisch eines der gegenwärtigen Top-Themen – mit unterschiedlichen Szenarien. Dass in diesem Zusammenhang auch immer häufiger die Bezeichnung Offshoring (Auslandsverlagerung) genannt wird, hat damit zu tun, dass gewisse Dienstleistungen gerade in der fortgeschrittenen digitalisierten Welt zunimmt und künftig weiter zunehmen wird. Dadurch wird es auch zu Ver­änderungen in den Bereichen ­Administration kommen. Wie sich das Berufsbild der kaufmännischen Angestellten verändern wird, war das Hauptthema am Dienstagabend.

Grundausbildung wird in Zukunft nicht mehr genügen

In seinem Vortrag versuchte Felix Bischofberger, Präsident des Kaufmännischen Verbands Ostschweiz, zu erläutern, welche Auswirkungen die Digitalisierung und das Offshoring auf den kaufmän­nischen Beruf haben können und werden. Gleich zu Beginn nannte er die vom Verband im vergangenen Jahr in Auftrag gegebenen Studie zum Thema «Offshoring im Wandel der Berufsbilder». Schon am WEF 2016 sei zum Ausdruck gekommen, dass rund 200 000 KV-Stellen in der Schweiz von der Digitalisierung betroffen seien. Es werde eine massive Veränderung auf die Branche zukommen.

Anhand der Ausführungen von Felix Bischofberger muss wohl angenommen werden, dass die kaufmännische Lehre künftig auf den administrativen Bereich «heruntertemperiert» werden wird. Er versicherte jedoch, dass vom Kaufmännischen Verband weiterhin Leute ausgebildet werden und für die Zukunft fit gemacht werden. Auf die Frage aus dem Publikum, ob beispielsweise die zweijährige Bürolehre verschwinden wird, wurde nicht schlüssig geantwortet.

Klar ist aber, dass die Grundausbildung für einen erfolg­reichen beruflichen Werdegang im kaufmännischen Beruf in Zukunft nicht mehr genügt. Generalisten mit Spezialisierungen und Branchenkenntnissen sind gefragt.

Die Berufsbilder werden sich verändern

Die mehrfach genannten Studien helfen wenig, um die Auswirkungen von Offshoring und Digitalisierung auf die Ausbildung und Berufsbilder im kaufmännischen Bereich aufzuzeigen, wenn Lösungen zur Umsetzungen erst noch in Workshops mit Experten und anderen Gruppen erarbeitet werden müssen. «Inzwischen werden bereits jetzt schon Hunderte Jobs von der Schweiz ins Ausland ausgelagert», wie der Referent feststellte. Laut der erwähnten Offshoring-Studie besteht für 30 000 bis 100 000 kaufmännische Stellen das Risiko, dass ihre Arbeitsplätze ins Ausland ausgelagert werden. «Die Studie hat zum Ausdruck gebracht, dass lediglich jene, die über eine Grundausbildung verfügen, stärker von dieser Situation betroffen sind, als jene mit einer höheren Berufsbildung», betonte Felix Bischofberger. «Es wird weniger Festangestellte geben.» Eines ist sicher: Die Berufsbilder im kaufmännischen Bereich werden sich laut Bischofberger verändern. In der Schweiz werden beispielsweise Fachkräfte zunehmend strategische und analytische Tätigkeiten ausführen müssen.

«Wie die Umsetzung zu den veränderten Berufsbildern vonstatten gehen soll, wird durch eine rollende Planung erarbeitet. Das kann man nicht einfach durch ein Lehrbuch machen. Man sieht ja, dass Handlungsbedarf da ist und sich etwas verändert.»