BUCHS: Die Zukunft steht in den Geräten

Beim Vortrag zum Zukunftstrend «Internet der Dinge» im Rahmen des Werdenberger Lernfestivals gab es rege Diskussionen.

Mengia Albertin
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Referent Thomas Kohler hatte zur Veranschaulichung des komplexen Themas allerhand Material dabei. (Bild: Mengia Albertin)

Referent Thomas Kohler hatte zur Veranschaulichung des komplexen Themas allerhand Material dabei. (Bild: Mengia Albertin)

Mengia Albertin

redaktion@wundo.ch

«Die vierte industrielle Revolution», eine Welt voll von intelligenten Geräten mit Sensoren, Prozessoren und Netztechnik. Diese kennen unsere Umgebung bis ins Detail und planen entsprechend. So sehen einige Experten unsere Zukunft. Ein Beispiel: Der Wecker läutet pünktlich, er kennt die Zeit und die Agenda. Frühstücksvorlieben sind bekannt, ebenso Medikamente oder Diäten, entsprechend ist alles vorhanden. Weil am Vorabend die Zahnpasta ausging, wurde kurzerhand eine neue geliefert. Zur Arbeit fährt das Auto selbstständig. Bei der abendlichen Rückkehr ist bereits ein Bad eingelassen und die Heizung eingestellt worden.

Dieser Zukunftstrend wird «Internet of Things» (IOT) genannt. Dabei sollen Mensch wie Geräte miteinander vernetzt sein, Daten werden laufend gesammelt und verwertet. Sie sollen zum Einsatz kommen, um das Leben zu erleichtern.

Zum Thema fand am Dienstagabend im Rahmen des Lernfestivals Werdenberg eine Informationsveranstaltung in Buchs statt. Sie sollte zeigen, «dass es im Alltag keinen Grund für Berührungsängste mit der neuen Thematik gibt». Zwar waren wenige Besucher anwesend, dafür waren diese umso interessierter und es wurde diskutiert. Referent war Thomas Kohler, Geschäftsführer der Enio AG in Einsiedeln. Statt mit komplizierten Fachausdrücken um sich zu werfen, erklärte er den komplexen Sachverhalt einfach und verständlich.

«Internet of Things ist bereits Realität»

Im Jahr 2020 sollen vier Milliarden Menschen vernetzt sein. Es soll 50 Billionen Gigabyte Daten, 25 Milliarden integrierte und intelligente Systeme und 25 Millionen Apps geben. Dabei bestehe die Möglichkeit für geschätzte vier Billionen Dollar Umsatz.

Thomas Kohler stellte Möglichkeiten für den Einsatz von IOT im Alltag dar. Ein klassisches Beispiel sind selbstfahrende Autos. Er erzählte ausserdem, wo die künstliche Intelligenz bereits genutzt wird. Zum Beispiel bei personalisierter Werbung im Internet oder Fitnessarmbändern. Selbststeuernde logistische Systeme werden in der Logistik eingesetzt. Ziel des IOT sei es, intelligente Dinge sicher zu entwickeln, zu vernetzen und integrieren zu können. So würden unter anderem Innovationen schneller auf den Markt gebracht. Denn was die Gesellschaft möchte, wird erfasst und kann direkt umgesetzt werden.

Auch der medizinische Bereich werde sich verändern. Im Krankenhaus kann beispielsweise die körperliche Verfassung stets gemessen werden und das Personal müsse nicht für eine regelmässige Kontrolle da sein. «Pfleger würden eher zu Datenanalysten», meint Kohler sogar.

Beim Zuhören der Ausführungen könnte man meinen, der ewige Wunsch nach Kontrolle über das Leben scheine sich in die Praxis umsetzen zu lassen. Menschliche Empathie und Zuwendung könne man aber nicht ersetzen, sagte ein Teilnehmer. «In Japan und Spanien erfreuen sich Bordelle mit Robotern grosser Beliebtheit», wurde ihm darauf von einem anderen Teilnehmer entgegnet. Und schon wurde rege über Nutzen, Schaden und ethische Hintergründe diskutiert.

Gesammelte Daten können gehackt werden

Vergessen geht zum Beispiel, dass alle gesammelten Daten jederzeit zugänglich sind. Besonders medizinische Daten seien anfällig für Missbrauch. Ebenfalls wichtig ist zu bedenken, dass die Geräte auch von Hackern gesteuert und Daten somit verändert werden können. Die vermeintliche Kontrolle geht somit auf einen Schlag verloren. Auch wurde der Punkt diskutiert, dass ein solch vernetztes Leben vorhersehbar und monoton wäre. Weil alles durch die Vernetzung und Intelligenz der Maschinen gesteuert wird, würde dem Mensch Autonomie und Entscheidungsfreiheit entzogen.

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