BUCHS: «Die Malediven wären ein Albtraum»

Ihre Ferien verbringen Anja Kutzer-Sommer und Herrmann Kutzer am allerliebsten in Lenzerheide. Dort werde es nie langweilig. Viele gemeinsame Erlebnisse in der Bergwelt sind unvergesslich für die beiden.

Mengia Albertin
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Im Sommer ist das Paar auf den Wanderwegen seines Lieblingsortes unterwegs.

Im Sommer ist das Paar auf den Wanderwegen seines Lieblingsortes unterwegs.

Mengia Albertin

mengia.albertin@wundo.ch

Freude, Trauer, Glück, Liebe, Ruhe, Feste, Arbeit und Entspannung: Das alles verbinden Anja Sommer Kutzer und Herrmann Kutzer mit ihrem liebsten Ferienort, der Lenzerheide. Das erste Mal war das Paar aus Buchs 2005 in den Skiferien in der Lenzerheide. Seit diesem Zeitpunkt fahren Anja Kutzer-Sommer und Herrmann Kutzer im Winter jedes Wochenende in die Bergwelt. Und auch im Sommer verbringen die beiden etliche Stunden und Wochen dort. Ferien auf den Malediven wäre für sie der absolute Albtraum.

Im Sommer geht das Paar rodeln, biken oder wandern. Dann sind auch ihre zwei Hunde dabei und geniessen die Natur bei den sommerlichen Aktivitäten ihrer Besitzer. Im Sommer helfen die Kutzers auch beim Mountain-Bike-Weltcup aus. Die drei oder vier Tage nehmen sie sich von der Arbeit frei und sorgen für einen reibungslosen Ablauf des Rennens. «Jeder ist dann zuständig für einen Streckenteil, und wir schauen im Training und beim Wettkampf, dass keine Probleme auftauchen». Dabei müssen sie besonders während des Rennens darauf achtgeben, dass keiner der 20000 Zuschauer auf der Strecke steht.

Beim Ski-Weltcup im Winter setzen sie den Kurs und bereiten die Pisten vor. Auch hier sind sie als Helfer für die Sicherheit der Fahrer zuständig. «An solchen Tagen kann es dann auch mal sein, dass man beim Znüni einen Skifahrer beim Kaffee trifft. Aber hauptsächlich sind wir am Arbeiten». Die Arbeit als Helfer in Lenzerheide gäbe ihnen besonders viel, weil sich im Team der Helfer mit der Zeit wertvolle Freundschaften entwickelt haben. Erinnerungen die sich einbrennen seien die Sonnenaufgänge, wenn man um 6 Uhr am Morgen bereits auf der Piste ist. Sei es beim Ski-Weltcup als Helfer oder bei einem Early Bird.

Hochzeit bei Vollmond und minus 16 Grad Celsius

Das schönste Erlebnis der beiden sei die Hochzeit auf dem Rothorngipfel in Lenzerheide ­gewesen. Sie haben bei minus 16 Grad Celsius bei Vollmond auf der Dachterrasse des Gipfelrestaurants geheiratet. 60 Gäste waren zum Anlass eingeladen.

Auch den Heiratsantrag werden die zwei nicht vergessen. Dieser hat selbstverständlich ebenfalls in ihrer liebsten Feriendestination stattgefunden.«Als Vorwand sagte ich, dass die Bergbahnen ein neues Logo hätten», erzählt Herrmann Kutzer. Dass es so emotional werden würde, habe er nicht gedacht.

Kutzer klebte ein Plakat auf eine der Gondeln mit der Aufschrift «Anja, willst du mich heiraten?». Nach einer Abfahrt bei der Gondelstation angekommen, hat er den Vorschlag gemacht, das neue Logo auf den Gondeln zu begutachten. «Ich musste aber so dringend zur Toilette, dass ich zum Bleiben gezwungen werden musste», erzählt Anja Kutzer-Sommer. Als die Gondel an den beiden vorbeifuhr und Anwesende zu klatschen begannen, war sie baff. «Ich habe Anja noch nie so gesehen. Sie war einfach ruhig und hat nichts gesagt. Aber die Hälfte ihrer Skibrille war von Tränen geflutet».

Anja Kutzer-Sommer geht bereits seit ihrer Kindheit regelmässig in die Lenzerheide. Seit 1971 hatten ihre Eltern einen Wohnwagen auf einem Campingplatz. Die Familie verbrachte die Wochenenden und die Ferien dort. «Seit ich denken kann, ist die Lenzerheide mein zweites Zuhause», sagt die 37-Jährige. Seit dem frühen Tod ihres Vaters ist die Bindung zum Ort noch stärker geworden, denn die Asche des verstorbenen Familienmitglieds ist in der Lenzerheide verstreut worden.

«Ja, wir waren natürlich auch schon an anderen Orte in den Ferien», sagen die Kutzers. «Aber wir sind wie ein langweiliges, aber glückliches 90-jähriges Ehepaar und gehen zusammen eigentlich am liebsten an den gleichen Ort». Weil beide viel arbeiten und mit ihren Hobbys beschäftigt sind, sehen sie sich wenig und haben mit diesen Ferien die Möglichkeit, die Zeit zusammen zu geniessen. «Wir können am Abend über die Erlebnisse reden und haben Zeit. Das ist einfach schön und tut gut.» In Lenzerheide kommen sie zur Ruhe, sind aufmerksamer und beobachten mehr. Die körperlich anstrengende Arbeit bei den Rennen sei ein super Ausgleich zu ihrem sonst so kopflastigen Alltag.

In den bald 14 gemeinsamen Jahren seien sie lediglich zweimal zusammen mit dem Flugzeug in die Ferien zum Golfen geflogen. Beide Male nach Irland. Als sie vor sieben Jahren einen Flug nach Spanien zum Golfspielen gebucht hatten, ist der isländische Vulkan Eyjafjallajökull ausgebrochen, und der Flug konnte nicht stattfinden. «Das war doch ein eindeutiges Zeichen», lacht Hermann Kutzer. Für beide steht fest: Die Ferien in Lenzerheide kann nichts schlagen.