BUCHS: Der leidenschaftliche Bildermacher

Unternehmer, Filmemacher, Extrembergsteiger. Und Künstler. Denn: Nach einem schweren Bergunfall entschied sich Willy Dinner aus Buchs, seine Abenteuerlust einzudämmen, und begann zu malen.

Doris Büchel
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Willy Dinner auf Matug, rund 800 Meter über Azmoos. «Ich male immer hier in meinem Atelier, sonst bin ich zu abgelenkt.» (Bild: Willy Dinner)

Willy Dinner auf Matug, rund 800 Meter über Azmoos. «Ich male immer hier in meinem Atelier, sonst bin ich zu abgelenkt.» (Bild: Willy Dinner)

Doris Büchel

Willy Dinner in 3000 Zeichen zu beschreiben ist wie den Himalaya in Stöckelschuhen zu besteigen. Wo fängt man an? Wo hört man auf? Beim Extrem-Bergsteigen vielleicht? Das hat der heute 73-Jährige viele Jahre lang exzessiv betrieben. Unzählige Male ist er dem Himmel entgegengeklettert. Manchmal ist er in die Tiefe gestürzt. Beim Filmemachen vielleicht? Da hat er – nebst vielem anderem – einen Dokumentarfilm über die Arbeit der Strahler gedreht und wurde dafür preisgekrönt. Beim erfolgreichen Geschäftsmann vielleicht? Hat er sich doch 35 Jahre lang intensiv für ein internationales Unternehmen engagiert und dabei von Buchs aus die Welt bereist, bevor er sich als Consultant selbständig machte.

Wie auch immer: Zu kurz die Zeit, zu knapp der Platz, diesen Lebemensch in seiner Fülle zu erfassen. Knapp war auch die Zeit für Willy Dinner, alles unter einen Hut zu bringen. «Es musste immer alles schnell gehen», erzählt der Abenteurer aus Buchs in seinem ebenso beeindruckenden wie aussergewöhnlichen Atelier auf Matug, rund 800 Meter oberhalb von Azmoos.

Leidenschaft für Landschaft und Akt

Schnell musste es auch gehen, als er 1990, nach einem schweren Bergunfall, eine Wette einging. «Ich suche mir jetzt etwas weniger Gefährliches», sagte er zu einem Freund, «ich fange an zu malen.» Und Willy Dinner malt, leidenschaftlich und grossflächig. Vor allem Landschaftsbilder, die sich vom reinen Abbild abheben, aber auch Aktbilder, frech aus dem Leben gegriffen. Seine expressionistischen Werke zeigt der Autodidakt in seiner kommenden Ausstellung.

Der vielseitige Künstler, der sich lieber Bildermacher nennt, lädt alle Interessierten ein, seine Werke in Ruhe zu betrachten, ohne Druck und ohne Kaufzwang. «Ich freue mich, wenn die Gäste verweilen, ihre eigenen Reaktionen beobachten.» Zu entdecken gibt es einiges. Die Motive sprechen eine klare Sprache und provozieren zum Hinsehen, zeigen, was gerne im Verborgenen bleibt.

Die Erlebnisse mitteilen

Und was sagt der Bildermacher? Er wolle das Flüchtige erfassen und zu etwas Dauerhaftem machen; durch den bewussten Reflex der Malerei etwas schaffen, das sich der Sprache entziehe; imaginäre Erinnerungen schaffen; Voyeurismus in einem durchsichtigen Spiegel sehen.

Es sprudelt aus ihm heraus, Geschichten überschlagen sich, nie aufdringlich, immer leidenschaftlich. So ist sein Leben, so ist seine Bildsprache: konsequent. Willy Dinner ist getrieben von der Sehnsucht nach Sinnlichkeit, Erotik, Schönheit, der Natur in all ihren Facetten, die sich in seinen expressionistischen Bildern zeigt. Er inszeniert, provoziert zuweilen, urteilt nie. Viel lieber möchte er seine Erlebnisse mitteilen und den Betrachter mitnehmen in eine Welt, die er selber nicht in der Lage ist zu erleben. Das ist sein Anspruch und für sein Schaffen grösster Wunsch.

Die Ausstellung in der Galerie L33 an der Staatsstrasse 3 in Werdenberg findet statt vom 3. bis 31. März 2017. Vernissage wird gefeiert am 3. März um 19 Uhr. Der Künstler ist anwesend. Öffnungszeiten unter www.galerie-L33.com.