BUCHS: Buntspecht-Tok-Tok und Nikon-Tak-Tak

Fredy Buchmann ist Vogelfotograf mit Leib und Seele. Er hat im Rheintal, im Vorarlberg und am Bodensee Hotspots, an denen er die Vogelwelt ablichtet. Am häufigsten ist er aber im Buchser Steinbruch. Der W&O begleitete ihn dorthin.

Heini Schwendener
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Vogelfotografie braucht viel Geduld und auch viel Können.

Vogelfotografie braucht viel Geduld und auch viel Können.

Heini Schwendener

heini.schwendener@wundo.ch

Was für ein Duell – Natur gegen Hightech! Tok, Tok, Tok-Tok – irgendwo draussen im Wald trommelt ein Specht mit horrendem Tempo mit seinem Schnabel in einen Baumstamm. Tak, Tak, Tak, Tak – hinter einer Tarnwand rattert eine Nikon D850. Sie «schiesst» neun Bilder pro Sekunde. Fredy Buchmann mag die Natur. Und er mag seine Hightech-Kamera mit dem Vollformatsensor, mit der er im Steinbruch Buchserberg fotografiert.

Das Fotografieren hat Buchmann von der Pike auf gelernt. Bis 2011 führte er sein Fotofachgeschäft in Buchs. Nachdem er jahrelang Wildtiere auf Safaris abgelichtet hatte, ist er vor rund zehn Jahren sozusagen auf den Vogel gekommen. Seither sind 95 Prozent seiner Motive Vögel. Fast alle hat er inzwischen fotografiert, von A wie Amsel bis Z wie Zilp Zalp. Abertausende von Bildern, nicht nur aus der Schweiz. Dieser Tage reist er nach Mallorca, wegen des Vogelzugs. Seine Vorfreude auf den Naturpark mit 300 Vogelarten ist gross.

Zufrieden mit einem guten Bild pro Tag

Hinter seiner Tarnwand im Buchser Steinbruch hat sich Buchmann gut eingerichtet. Ein Stuhl macht ihm die Warterei komfortabler. Ein Fernglas ist immer griffbereit und die Kamera steht einsatzbereit auf einem massiven Stativ. Das Tak, Tak, Tak, Tak seiner Nikon ist verstummt, Buchmann nimmt das Auge vom Sucher und «blättert» sich durch die 50 Bilder seines kurzen «Seriefeuers». Was den Hobbyfotografen staunen lässt, stimmt der Pensionär weit weniger euphorisch. Nüchtern meint er: «Ich hoffe, eines der Gimpelbilder ist brauchbar.»

Wie bitte? Hunderte von Bildern macht er jeweils während Stunden an seinen Vogel-Hotspots. Da wird doch wohl etwas Brauchbares dabei sein! Aber Buchmanns Qualitätsansprüche sind hoch. So hoch, dass er sagt: «Ich bin zufrieden, wenn ich pro Tag ein gutes Foto nach Hause bringe.» Fredy Buchmann ist eben Fotograf, nicht Vogelkundler. Letztere gehen durch die Natur, sie konzentrieren sich auf Vogelstimmen, und wenn sie die Tiere dann auch noch zu sehen bekommen, sind sie glücklich und gehen weiter.

Fotograf Buchmann kennt sich in der Vogelwelt aus wie ein Ornithologe. Er erkennt Vögel an ihrem Gesang, er kennt ihre Habitate und vor allem ihre Verhaltensweisen und Eigenarten. Soviel ornithologisches Wissen muss sein. Damit hat er aber noch keinen Vogel –und schon gar keinen der scheuen und seltenen– auf seiner Chipkarte.

Was es weiter braucht für tolle Bilder, demonstriert der Buchser Bilderjäger bei seinem «Ansitz» im Steinbruch. Er streut Futter aus und verschwindet hinter seinem Tarnvorhang. Den Futterplatz hat er mit Ästen präpariert, auf denen die Vögel kurz Halt machen, bevor sie zum Futter fliegen. Das ist dann seine kurze Chance für Fotos mit ganz wenig Tiefenschärfe. Denn an Bildern vom «Futtertrog» ist Buchmann nicht interessiert, da stört viel zu viel Drumherum die Bildkomposition. Wichtig ist auch, dass auf den Fotos die Eigenheiten der Vogelarten gut erkennbar sind, vor allem natürlich deren Gefieder. Darum sind Bilder von vorn meist unbrauchbar. Aber keine Regel ohne Ausnahme. «Drei Stunden habe ich einmal eine schlafende Waldohreule beobachtet. Doch mit geschlossenen Augen ist ein Bild nichts wert. Dann endlich hat mir die Eule frontal ins Objektiv geblickt», erzählt Buchmann stolz.

Das Warten auf die Heckenbraunelle

Mit dem Fernglas sucht der Fotograf die Umgebung seines Futterplatzes im Steinbruch ab. «Wart?s ab, die Heckenbraunelle kommt schon noch», frohlockt er. Der Pensionär hat alle Zeit der Welt. Auf einen Sperber wartete er einmal wochenlang, bis er ihn endlich «im Kasten» hatte. «Vogelfotografie braucht Zeit und sehr viel Geduld», sagt der Profi. Und Vogelfotografie, die höchsten Ansprüchen genügt, braucht auch professionelles Equipment. Ein Eichelhäher naht. Tak, Tak, Tak, Tak, Tak – Buchmanns Nikon arbeitet wieder im «Kalaschnikov-Modus». Der teure 45-Megapixel-Kamerabody kostet allerdings nur einen Bruchteil des Sahnestücks, das in seinem Bajonett steckt: ein fünf Kilogramm schweres 600er Tele mit Lichtstärke 4 –in der Preisklasse eines guten Kleinwagens.

Der guten Ausrüstung, Buchmanns Gespür und ornithologischem Wissen und aller Zeit und Geduld zum Trotz: Die Heckenbraunelle kommt heute nicht.