BUCHS: Bücher als Bildungsbrücke

Die Bibliothek der Stadt hat ein Angebot für Asylsuchende geschaffen: Sie können Bücher und andere Medien ausleihen. Das soll zur Integration beitragen.

Armando Bianco
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Armando Bianco

armando.bianco@wundo.ch

Seit einiger Zeit besitzt die Bibliothek Buchs ein sprachförderndes Angebot für Asylsuchende. Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden Sachbücher, Belle­tristik, Bilderbücher, Deutsch-Lehrbücher, einfache Erstlese­bücher, Comics, Zeitschriften, DVD, CD, Musik und Hörbücher angeboten. Auch stehen fremdsprachige oder mehrsprachige Bücher in den Muttersprachen der Herkunftsländer (Eritrea, Afghanistan, Syrien etc.) von Asylsuchenden im Regal. Darüber hin­aus umfasst die Auswahl auch Klasseneinführungen und weitere Dienstleistungen, die allen Kundinnen und Kunden der Bi­bliothek sowieso zur Verfügung stehen.

Das Angebot ist noch ausbaufähig, hat aber bereits eine gewisse Breite, wie ein Augenschein zeigt. Viele der Publikationen haben typischen «Schul-Charakter». Um das Angebot zu nutzen, zahlen Asylsuchende einen Jahresbeitrag von zehn Franken, was dem Tarif für Studenten und Lehrlinge entspricht.

Die Bereitstellung von Büchern fördert die Sprache

«Dank diesem Angebot können sie ihre Muttersprache weiter pflegen, ebenso lernen sie schneller und besser Deutsch, welches wichtig ist für die Integration», so Barbara Lenherr von der Bibliothek Buchs. Die warmherzige Gamserin hat das Projekt initiiert. Schon während ihrer Ausbildung zur Bibliothekarin realisierte sie zusammen mit vier anderen Frauen im Transitzentrum Trimmis das Projekt «Willkommen! Ihre Bibliothek». Dieses war zugleich die Abschlussarbeit der Ausbildung im vergangenen Frühjahr.

Wichtige Unterstützung war der Bibliothek Buchs von der öffentlichen Stiftung Bibliomedia Schweiz und dem Verein Bücherboxen für Flüchtlinge gewiss. Die Organisationen stellen passende Medienkollektionen und sogenannte Bücherboxen zur Verfügung und setzen sich für die Entwicklung von Angeboten und der Förderung des Lesens ein. Das Projekt «Willkommen! Ihre Bi­bliothek» ermöglicht Asylsuchenden ein Stück weit den Zugang zu Bildung und Kultur und stellt Publikationen in vielen Fremdsprachen zur Verfügung. Auch andernorts in der Schweiz waren oder sind Bibliotheken damit beschäftigt, ein (kleines) Angebot für Flüchtlinge zu schaffen.

«Es benötigt viele kleine Schritte»

Viele Asylsuchende wissen nicht, was eine Bibliothek ist, und durften in ihren Herkunftsländern die Schule nicht besuchen. Damit das Angebot auch wahrgenommen, idealerweise sogar rege genutzt wird, sucht man den Kontakt mit Asylsuchenden in den Werdenberger Gemeinden. Eine Bibliothek zu besuchen, ist aber für viele eine Hemmschwelle, weiss Barbara Lenherr aus ihrem Alltag. Einige können nicht oder nur schlecht lesen, andere kennen die Tradition des Bücherlesens oder Geschichtenerzählens aus ihrer Heimat gar nicht. In ihrer Arbeit hat Barbara Lenherr festgestellt, dass weit mehr als die Hälfte der befragten Asylsuchenden eigentlich gar keine Bücher liest. Und rund 40 Prozenten wussten nicht, was eine Bi­bliothek ist.

Das Feedback und die Ausleihquote sind deshalb noch eher bescheiden und ausbaufähig. Wenn ein interkulturelles Projekt in einer Bibliothek eingeführt werden will, reicht es nicht, nur das Angebot zu haben. Man muss Werbung machen, es vorstellen und erklären. Ebenso wichtig ist es, auf die Asylsuchenden direkt oder über ihre Betreuer zuzugehen und sie zum Besuch der Bi­bliothek zu ermuntern.

«Persönliche Beziehungen und Engagement tragen zu einem guten Gelingen bei. Es benötigt viele kleine Schritte in Richtung Toleranz, Empathie und Verständnis. Nur mit gegenseitigem Respekt kann ein friedliches Zusammenleben funktionieren», so Barbara Lenherr weiter.