BUCHS: Banales gewinnt an Bedeutung

Am Liedermacherfestival «Liederlich» im Fabriggli kam das Publikum in den Genuss von scheinbar banalen Geschichten, die schliesslich in tiefgründigen Realitäten enden.

Heidy Beyeler
Drucken
Teilen
Ein Dream-Team, das es fürs Publikum abwechslungsreich und kurzweilig macht. (Bild: Heidy Beyeler)

Ein Dream-Team, das es fürs Publikum abwechslungsreich und kurzweilig macht. (Bild: Heidy Beyeler)

Heidy Beyeler

redaktion@wundo.ch

Das Programm des Liederfestivals «Liederlich» am Montagabend – gestaltet von vier hervorragenden Künstlern der Kleinkunstszene – war geprägt von Satire, Ironie und banalen Geschichten, die durch Einfachheit, geistreiche Pointen und Spitzfindigkeiten die Besucher auf hohem Niveau erheiterten. Liederfestival klingt wie ein Grossanlass, ist aber ein feiner Anlass, bei dem anspruchsvolle Gäste von verschiedenen Künstlercharakteren überzeugt werden.

Durch den Abend führte Reto Zeller, Liedermacher, Kabarettist und Gastgeber des Liedermacherfestivals «Liederlich». Mit einem eher melancholisch anmutenden Lied – das war nur der Anfang – leitete er über zu einem angenehmen, unterhaltsamen und erfreulichen Abend. In seinen Liedern finden sich unverhofft diskrete Anmerkungen, die den aufmerksamen Zuhörer erkennen lassen, welche Botschaft – gesellschaftlicher, sozialer oder politischer Art – der Künstler verströmt. Mit ihm auf der Fabriggli-Bühne standen Uta Köbernick aus Berlin, der St. Galler Manuel Stahlberger und der in Deutschland wohnhafte Österreicher Stefan Waghubinger. Reto Zeller hat ein gutes Händchen, wenn es darum geht, für ein paar wenige Auftritte zusätzlich drei passende Künstler zu gewinnen, mit denen gemeinsam ein eigenwilliges, spannendes, geistreiches und amüsantes Programm entsteht. Das macht das Liedermacherfestival frisch und abwechslungsreich.

Die Lieder waren keineswegs liederlich

Auch wenn das Programm mit der Bezeichnung «liederlich» angekündigt wurde, so waren die Auftritte der vier Künstler keineswegs liederlich – im Gegenteil. Jeder der vier Künstler beobachtet im Alltag akkurat das Umfeld, die Gesellschaft, einzelne Menschen, und zieht daraus seine eigenen Schlüsse. Häufig entdecken Zuhörer und Zuschauer anhand von Pointen oder Schlussfolgerungen ihr eigenes Verhalten und ihre «Mödeli», um nicht zu sagen ihr eigenes Ego. Dabei spielt die Musik ebenso eine wichtige Rolle, genauso wie die Sprache. Die vier Persönlichkeiten mischen Kabarett und Musik in der Art zusammen, dass in der Kombination der Unterschiedlichkeit ein fesselndes Programm mit vielerlei Facetten und Genres entsteht.

Reto Zeller besingt einfache Situationen, die unspektakulär erscheinen und unverhofft schier existenzielle Krisen hervorrufen. Mit diesen Kontrastpunkten erzeugt Zeller gekonnt und sanftmütig die gewünschte Pointe.

Bei Manuel Stahlbergers Auftritt amüsiert man sich ob der Schilderung über die Familienferien in Schweden, die geradezu in einer Katastrophe endet. Die Geschichte erzählt er lakonisch, um nicht zu sagen lapidar – in äusserst spitzigem St. Galler Dialekt. Allein letzterer führt zu Lachern aus dem Publikum.

Stefan Waghubinger brachte Publikum erneut zum Lachen

Frisch und frech kommt die selbstbewusste Liedermacherin Uta Köbernick daher und sinniert: «Wenn man aus Schaden klug wird: Warum dann Bildungspolitik?» oder «Ich soll mir ein Beispiel nehmen? Gut. Aber fehlt das dann nicht irgendwo?» Uta Köbernick ist ein Unikum, das man gerne häufig geniessen möchte.

Und der gute Stefan Waghubinger brachte das Publikum immer wieder zu heiterem Lachen, wenn er mit naiv erscheinender Stimmlage die knalligsten Pointen in den Raum schmiss. Das hat er schon vor zweieinhalb Wochen im Fabbriggli geschafft – mit seiner «Steuererklärung».