BUCHS: Alte Uhr zu neuem Leben erweckt

Einen nicht ganz alltäglichen «Patienten» beherbergte dieser Tage das Uhrenfachgeschäft Letta. Es galt, die alte Turmuhr der Landwirtschaftlichen Schule Plantahof in Landquart komplett zu restaurieren.

Hansruedi Rohrer
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Uhrmacher Mario Scarpatetti (links) und Andri Letta zeigen die im Buchser Atelier restaurierte alte Turmuhr aus dem Plantahof. (Bild: Hansruedi Rohrer)

Uhrmacher Mario Scarpatetti (links) und Andri Letta zeigen die im Buchser Atelier restaurierte alte Turmuhr aus dem Plantahof. (Bild: Hansruedi Rohrer)

Hansruedi Rohrer

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Mario Scarpatetti, der Uhrmacher in Lettas Atelier, ist nicht nur ein begeisterter Könner, wenn es um moderne Zeitmesser geht, sondern auch – der Ausdruck sei erlaubt – bei «uralten». Das freut natürlich auch seinen Chef Andri Letta. Und so war es nicht verwunderlich, als kürzlich eine Anfrage der Landwirtschaftlichen Schule Plantahof aus Landquart eintraf. Die Turmuhr mit Schlagwerk aus dem Hauptgebäude musste repariert und restauriert werden.

Die Uhr befindet sich an der Fassade oberhalb des Haupteingangs. Im Türmchen schlägt jeweils eine von der Uhr gesteuerte Glocke die Zeit im Viertelstundentakt. Das Viertelschlagwerk wird dabei elektronisch von der Uhr übermittelt. Früher musste es von Hand aufgezogen werden. Das Uhrwerk jedoch ist klassisch, wie seit jeher. In diesem Fall heisst das, schätzungsweise aus den Jahren 1880 bis 1890 kommend. Mario Scarpatetti präzisiert, dass der Aufbau dieser Turmuhr der sogenannten Comtoise-Uhr ganz ähnlich sei. Jene Uhrwerke aus dem französischen Jura würden nämlich ebenfalls Stahlplatinen – wie die Plantahof-Uhr – auf beiden Seiten besitzen. Ansonsten hätten Turmuhren aus jener Zeit Platinen aus Guss.

«Das Reparieren einer Turmuhr macht Freude»

Der Uhrmacher schwärmt aber von dieser Instandstellungsarbeit: «Ich bin speziell eben auch an Turmuhren interessiert.» Da seien die grosse Mechanik, die Zahnräder und die weiteren Teile ein bisschen anders angeordnet. Er betont auch die schöne Bedeutung einer Turmuhr, welche vielen Menschen die Zeit und die Stunde bekannt gibt. «Das Reparieren und Instandstellen dieser Turmuhr machte mir Freude», sagt Mario Scarpatetti.

Als Problem wurde bei der Turmuhr vom Plantahof das fehlende Höhenspiel festgestellt. Das heisst, die Zahnräder klemmten. Aber auch die Verzahnung an sich klemmte an gewissen Stellen. Die Uhr musste komplett zerlegt werden. «Der Zahnräder-Verschleiss wurde in Ordnung gebracht, und es erfolgte ein Ersatz der Lagerungen, indem diese von Hand ausgebohrt und mit neuem, angepasstem Zapfendurchmesser wieder neu gesetzt wurden», erklärt Mario Scarpatetti weiter. Im Weiteren mussten zwei Zahnräder abgewälzt werden. Auch dieser Fachausdruck sei kurz erklärt: die Zähne dieser Räder wurden nachgefräst. Selbstverständlich gehörte zur Revision das Reinigen, Fetten und Ölen dazu. Nach dem Zusammenbau aller Teile und dem Einstellen der Schlagwerke erfolgte eine Überprüfung auf «Herz und Nieren» sowie ein Testlauf. Die Plantahof-Turm­uhr hat nun wieder genügend Schwung und Kraft, um Zeit und Stunde zuverlässig anzuzeigen. Und sie hat noch etwas, was vorher fehlerbehaftet war: eine ­höhere Amplitude. Die Schwingungen des Pendels sind also grösser geworden. Das hat aber keinen Einfluss auf die Ganggenauigkeit.

Nun wird die Turmuhr wieder eingebaut

Im Juni wird Mario Scarpatetti zusammen mit Cornelius Mosberger (Azmoos) die Turmuhr im Plantahof wieder einbauen. Alte Turmuhren seien wirklich selten in der Werkstatt, sagt Mario Scarpatetti, viel eher würden Stubenuhren, ältere Taschenuhren und die neueren Erzeugnisse das Tagesgeschäft des Uhrmachers bereichern. «Aber für uns ist doch jede Uhr interessant, um sie zu flicken oder zu restaurieren.»