Brücken schlagen für St. Galler Psychiatrie

Der Verwaltungsrat der zwei kantonalen Psychiatrieverbunde hat die Weichen für eine noch engere Kooperation beider Unternehmen gestellt. Beim «Taminabogen» zwischen Pfäfers und Valens festigte er sinngemäss den Brückenschlag zwischen Nord und Süd.

Reinhold Meier
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Gefahren mindern: Der Verwaltungsrat der St. Galler Psychiatrieverbunde hat neben strategischen Planungen auch über Suizidvorbeugung gesprochen. (Bild: Reinhold Meier)

Gefahren mindern: Der Verwaltungsrat der St. Galler Psychiatrieverbunde hat neben strategischen Planungen auch über Suizidvorbeugung gesprochen. (Bild: Reinhold Meier)

TRÜBBACH/PFÄFERS. Namentlich im Bereich der Personalförderung und Mitarbeiterentwicklung will man künftig noch enger zusammenarbeiten, wie Regierungsrätin Heidi Hanselmann erklärte. So sollen Synergien zwischen den Standorten der beiden Kliniken in Wil und Pfäfers sowie den dazu gehörenden Ambulatorien in Rorschach, Wattwil und St. Gallen sowie Trübbach, Uznach und Heerbrugg noch besser genutzt werden. Aus- und Weiterbildung dürften künftig über einen gemeinsamen Stellenpool gesteuert werden.

«Dabei geht es auch darum, Mitarbeitende im Kanton St. Gallen zu halten», betonte Hanselmann. Man wolle mit guten Karrierechancen und Bildungsangeboten für Menschen in Gesundheitsberufen attraktiv bleiben. Insgesamt arbeiten momentan 1234 Personen in den beiden Psychiatrieverbunden. Sie behandelten im vergangenen Jahr insgesamt über 10 700 Patienten ambulant und über 3600 Patienten stationär, dies bei einer durchschnittlichen Bettenbelegungsquote von enormen 101,2 Prozent.

Brücken haben Anziehungskraft

Der Verwaltungsrat wirkt zudem darauf hin, Abläufe in den beiden Verbunden zu harmonisieren, einen Ideenpool zur Projektentwicklung aufzugleisen und das Fehlermanagement zu vereinheitlichen, hiess es am Rande der Tagung. Das Fernziel liege im Brückenschlag und dem Zusammenwachsen zwischen Nord und Süd, hob Hanselmann hervor: «Ein Verbund mit zwei Standorten». Der sieben Mitglieder starke Verwaltungsrat tagt rund sechsmal im Jahr, jeweils reihum an einem der Psychiatriestandorte. Dabei kommt es auch zu Begegnungen mit Mitarbeitenden, zudem findet ein Fachreferat statt, um den Bezug zur Materie zu vertiefen.

Bei der jüngsten Sitzung in Pfäfers erläuterte der Leitende Arzt, Dr. Michael Kammer-Spohn, die Notwendigkeit der Suizidvorsorge, nicht zuletzt im Blick auf den im Bau befindlichen Taminabogen, die höchste Bogenbrücke der Schweiz. «Erfahrungen zeigen, dass die Brücke das Potenzial hat, ein so genannter Hot Spot zu werden», hielt der Mediziner nüchtern fest. «Berühmte Brücken haben eine Anziehungskraft». Von einem Hot Spot spreche man dann, wenn an einem Ort mehr als fünf Suizide während zehn Jahren begangen würden. Die wesentlich kleinere und abgelegenere Salginatobel-Brücke im Prättigau verzeichne demnach acht Suizide pro Jahrzehnt.

«Schutz ist möglich»

Umso wichtiger sei Vorbeugung, hielt Kammer-Spohn fest. Dies für Betroffene, die oft aus seelischer Krankheit und somit eingeschränkter Willensfreiheit heraus handelten, aber auch für Passanten im Tal, um Traumatisierungen zu verhüten. Darum sei die Gruppe Suizidprävention der Psychiatrie früh in die Planungen einbezogen worden. «Erwiesen ist, dass Menschen, die von einem Sprung abgehalten wurden, nicht auf andere Suizidarten ausweichen», erklärte der Experte. Lediglich zehn Prozent töteten sich später in ihrem Leben. Zudem hätten Studien an Überlebenden bewiesen, dass ein Todessprung oft aus einem spontanen Impuls in einem Trancezustand erfolge und mehr als zwei Drittel der Springenden bereits während des Falls «aufwachten» und ihr Handeln bereuten.

Als wirkungsvoll erwiesen sich Netze unter der Brücke oder unübersteigbare Aufbauten. Wenig Erfolg brächten hingegen Teilsicherungen oder Hinweistafeln auf Hilfstelefone. Die Taminabrücke wird darum mit einer Mischung aus beiden Techniken gesichert. So soll eine flexible Gitterkonstruktion Menschen effektiv schützen. Wenn man versucht, daran hochzuklettern, gibt sie wie ein Netz nach und man gerät zurück auf die Fahrbahn.