Bremst der Datenschutz die Seelsorge im Spital aus?

REGION. Ein Pfarrer verkündete es in der Kirche, der CEO des Spitalverbundes Rheintal Werdenberg Sarganserland (SR RWS) bestätigt den Sachverhalt: Die Seelsorger der jeweiligen Wohngemeinde im Spitalverbund sollen aus Datenschutzgründen die Adresse von Patienten nicht mehr erhalten.

Hanspeter Thurnherr
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REGION. Ein Pfarrer verkündete es in der Kirche, der CEO des Spitalverbundes Rheintal Werdenberg Sarganserland (SR RWS) bestätigt den Sachverhalt: Die Seelsorger der jeweiligen Wohngemeinde im Spitalverbund sollen aus Datenschutzgründen die Adresse von Patienten nicht mehr erhalten.

Bisher «Gnade vor Recht»

Dass die Patientendaten nicht einfach so weitergegeben werden dürfen, ist nicht neu. «Die Patientenadministration im Spitalverbund entdeckte jedoch, dass die Ortsseelsorger zu Patientenlisten kamen, was dem Datenschutz widerspricht», erläutert Stefan Lichtensteiger, CEO der SR RWS. Nach Rücksprache mit dem Rechtsdienst des Kantons habe die Geschäftsleitung entschieden: So geht es nicht.

Dass die Daten eigentlich nicht weitergegeben werden dürfen, weiss auch Martin Schmidt, Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen: «Bisher hat man Gnade vor Recht ergehen lassen. Denn die Spitalseelsorger alleine können nicht alle Patienten besuchen und sind auf Unterstützung anderer Seelsorger angewiesen.»

Gespräch geplant

Letzteres ist auch Stefan Lichtensteiger bewusst. Deshalb ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Nächste Woche soll in einem Gespräch – bei dem nebst Lichtensteiger, einem Vertreter der Patientenadministration sowie Schmidt auch Franz Kreissl, Leiter Pastoralamt im Bistum St. Gallen teilnehmen – eine Lösung gefunden werden.

Ein Dilemma

«Wir sind von dieser Weisung überrascht worden, haben die beiden Landeskirchen und der Kanton doch erst kürzlich eine neue Vereinbarung über die Spitalseelsorge in guter Verhandlungsatmosphäre abgeschlossen», sagt Franz Kreissl. In letzter Konsequenz gehe es darum, was im Spital in der Seelsorge möglich sei. «Wir müssen eine Lösung finden, welche es dem Ortsseelsorger ermöglicht, Patienten zu besuchen, die seinen Besuch wünschen.»

Das Dilemma: Es gibt Menschen, welche den Besuch erwarten und andere, welche es nicht wollen. Da gelte es, zwischen den beiden Interessen abzuwägen.

Lösung für alle Regionen?

Für Martin Schmidt heisst deshalb die Frage: «Wie kommen die Ortsseelsorger unter Berücksichtigung des Datenschutzes an die nötigen Daten?» Er habe ein gutes Gefühl, dass man eine Lösung finde. «Denn Stefan Lichtensteiger schätzt die Arbeit der Seelsorger bei den Patienten in den Spitälern.»

Stefan Lichtensteiger selber sagt: «Wir wollen die Situation nutzen, um möglichst eine Lösung zu finden, die alle Spitalregionen im Kanton übernehmen können.» Denn heute gibt es in jeder Spitalregion eine eigene Lösung.