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BREGENZER FESTSPIELE: Die Geschichte einer Aussenseiterin

Mit Bizets «Carmen» bringt Intendantin Elisabeth Sobotka am 19. Juli einen Kassenmagneten auf die Seebühne; im Festspielhaus wartet sie mit einer Rarität auf. Bis zum 20. August folgen zahlreiche weitere Produktionen.
Rolf App
Im Spiel glaubt Carmen ihren baldigen Tod zu erkennen. Karten und zwei riesige Hände dominieren das Bühnenbild von Es Devlin für Bizets Oper auf der Seebühne. (Bild: Andrea Breitler/Bregenzer Festspiele)

Im Spiel glaubt Carmen ihren baldigen Tod zu erkennen. Karten und zwei riesige Hände dominieren das Bühnenbild von Es Devlin für Bizets Oper auf der Seebühne. (Bild: Andrea Breitler/Bregenzer Festspiele)

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rolf.app

@tagblatt.ch

Die Bregenzer Seebühne ist Verlockung und Herausforderung zugleich. Verlockung: Weil selten ein Regisseur und eine Bühnenbildnerin die Chance bekommen, ihre Ideen vor derart eindrucksvoller Naturkulisse umzusetzen. Und Herausforderung, weil sie es trotzdem schaffen müssen, eine Geschichte so zu erzählen, dass sie auch auf Distanz ihre Wirkung entfalten kann. «Kasper Holten, der Regisseur, und die Bühnenbildnerin Es Devlin haben sich Georges Bizets ‹Carmen› gewünscht», erzählt Elisabeth Sobotka, seit 2015 Intendantin der Festspiele. Was sich Es Devlin hat einfallen lassen, ragt bereits in Gestalt zweier Hände und ­fliegender Spielkarten tonnenschwer aus dem See.

Das Team muss an den Ort und an das Stück glauben

Kasper Holtens Arbeit indes wird erst am 19. Juli sichtbar werden, wenn Premiere ist. Immerhin, im Festivalheft verspricht er eine Carmen «mit einer wirklichen Seele, einer Vergangenheit, mit Träumen und Ängsten». Und die Geschichte einer Aussenseiterin.

Wenn sie sich Gedanken macht über das Programm der Festspiele, geht Elisabeth Sobotka immer von jenen Regieteams aus, mit denen sie in Kontakt steht. «Sie müssen sowohl an den Ort wie an das Stück glauben», sagt sie. Das gilt für die Seebühne, die ein zugkräftiges Stück braucht – auch als ökonomischen Motor. Das gilt aber auch für das Festspielhaus, wo am 20. Juli ein unbekanntes Stück eines sehr bekannten Komponisten das Licht der Öffentlichkeit erblicken wird. «Mit ‹Moses in Ägypten› hat Gioachino Rossini eine seiner besten und schönsten Opern geschaffen», sagt Elisabeth Sobotka. «Leider werden von ihm im deutschsprachigen Raum nur die heiteren Stücke gespielt.»

Im Fall des «Moses», für den Lotte de Beer (Regie) und Christof Hetzer (Bühne und Kostüme) die Verantwortung tragen, kommt ein zweites Problem hinzu: Wie stellt man die biblischen Plagen und den Durchzug durchs Rote Meer dar, «ohne so zu tun, als wäre man ein Film», bringt Elisabeth Sobotka das Dilemma auf den Punkt. «Auf der Suche nach einer Lösung sind wir zum Theaterkollektiv Hotel Modern nach Rotterdam gereist, das in einem seiner Projekte mit Puppen beispielsweise den Ersten Weltkrieg auf sehr eindringliche Weise hat lebendig werden lassen.» Hotel Modern war perfekt vorbereitet und wird in per Video übertragenen Puppenspielszenen das Grosse mithilfe des Kleinen darstellen. «Wie wir Puppen und Opernsänger zusammen- bringen, das wird dann spannend werden», sagt die Intendantin.

Elisabeth Sobotka hat sich bei Hotel Modern umgeschaut. Und seltsame Insekten angetroffen. «Was ist denn das?», hat sie ­gefragt. «Ach, das ist der Ring in 90 Minuten», hat man ihr ge- sagt: Hotel Modern verwandelt Richard Wagners monumenta- les Werk zum Miniaturtheater in der Insektenwelt. Es erstaunt wenig, dass Elisabeth Sobotka auch diese Pro­duktion nach Bregenz holt (am 29./30. Juli) – zumal sie perfekt mit dem harmoniert, was der Dirigent Philippe Jordan angeregt hat. «Er hat sich gewünscht, mit den Wiener Symphonikern Wagner zu spielen.»

Und so ist denn am 30. Juli nach dem Siegfried-Idyll der erste Aufzug von Wagners «Walküre› im zweiten Orchesterkonzert zu hören: mit Martina Serafin als Sieglinde, Andreas Schager als Siegmund und Kwangchul Youn als Hunding.

Auch Theater wird wieder gespielt in Bregenz

Das Schöne an Bregenz sind die kleinen Produktionen und die Konzerte, die sich wie Perlen um die Oper am See legen. In einem längeren, öffentlichen Prozess hat der Komponist Zesses Seglias «To the Lighthouse» nach Virginia Woolf geschaffen. Die Kammeroper hat am 16.August Premiere, zwei Tage nach Mozarts «Die Hochzeit des Figaro», einer Produktion des Opernstudios mit jungen Sängerinnen und Sängern.

Auch Theater wird wieder gespielt in Bregenz. Und zwar politisch brisantes. Yael Ronen vom Gorki-Theater Berlin reist mit «The Situation» an, dem Stück über einen Deutschkurs im Viertel Neukölln, in dem Menschen aus Syrien, Israel und Palästina aufeinandertreffen. Die deutsche Grammatik ist da das kleinste Problem. In einer turbulenten Inszenierung werden vielmehr die Geister der Vergangenheit lebendig.

www.bregenzerfestspiele.com

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