BRANDFALL: «Wir hatten ein Riesenglück»

Nach dem Brand in der Zwinglipasshütte vom vergangenen Samstag zieht der ehrenamtliche Hüttenwart eine erste, emotionale Bilanz: Er spricht von einer ganzen Reihe «glücklicher Umstände».

Serge Hediger
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Zeitweise stand ein Drittel der neuen Holzfassade im Vollbrand. (Bild: PD)

Zeitweise stand ein Drittel der neuen Holzfassade im Vollbrand. (Bild: PD)

Serge Hediger

serge.hediger@toggenburgmedien.ch

Es ist kurz vor 18.50 Uhr, als Gäste der SAC-Hütte einen Brand der frisch geschindelten Fassade am Neubau entdecken. Der Hüttenwart weilt zufällig unter den sieben Gästen, die hier auf 2000 Metern über Meer die Nacht verbringen wollen. Er alarmiert die Feuerwehr, die rund eine halbe Stunde später mit dem ersten Helikopter eintrifft; noch zahlreiche sollten folgen.

Dass er überhaupt anwesend war, zählt für den Hüttenwart Hans Egli zu jenen «glücklichen Umständen», die es ausmachten, dass man so glimpflich davongekommen und die Hütte nicht komplett abgebrannt sei. Er nämlich, der den ganzen Sommer über die Umbauarbeiten begleitet, wusste, wo das Wasser für die Löscharbeiten zu holen war. Gar nicht so einfach, nachdem kürzlich erst im Zuge des aktuellen Umbaus drei neue Tanks mit je 4000 Litern Fassungsvermögen installiert wurden. Nach den starken Regenfällen der vergangenen Woche standen den Feuerwehrleuten rund 8000 Liter Wasser zur Verfügung; mit den zwei alten, 2000-Liter-Tanks wären wohl bloss 2000 Liter für Löscharbeiten bereitgestanden – auch das ein glücklicher Umstand.

Ein, zwei Wochen keine Übernachtungen

Weitere kommen hinzu: Rein zufällig nur hatten Älpler bei der Zwinglipasshütte eine Wasserpumpe eingelagert, die sie im Sommer auf der Kreialp genutzt haben. Dank ihr konnten die mit den Löscharbeiten der Fassade betrauten Männer Wasser in die Höhe pumpen. Und dass das Baugerüst noch stand, vereinfachte die Arbeiten zusätzlich: Mit Kettensäge, Axt und Pickel mussten die brennenden Fassadenteile entfernt werden; zeitweise stand ein Drittel der neuen Holzschindelung im Vollbrand.

Die Wasserschäden in der Hütte wiederum sind nicht allzu gross, so dass in der Zwinglipasshütte im Säntismassiv nur für ein, zwei Wochen keine Übernachtungen möglich sind. «Tagesgäste bedienen wir weiterhin gerne», sagt Hüttenwart Egli, der es ebenfalls den «glücklichen Umständen» zurechnet, dass die Helikopter überhaupt aufsteigen konnten. Und das Wetter! Ein paar Stunden zuvor hätte es keinen Flugbetrieb im Gebirge erlaubt. Die Bauarbeiten konnten übrigens unverzüglich wieder aufgenommen werden.

«Hüttenteam hat umsichtig reagiert»

Nach wie vor ist die Brandursache nicht ermittelt, fest steht allein, dass das Feuer im Umkreis des Kamindurchbruchs ausgebrochen war. Auch die Schadensumme lässt sich noch nicht beziffern; zwei Drittel des Schindelschirms müssen erneuert werden. «Die Feuerwehrleute haben einen fantastischen Job gemacht. Die Führungscrew hatte die Situation jederzeit im Griff und konnte die Mannschaft motivieren», sagt Hüttenwart Hans Egli. Auch dem Hüttenteam macht er Komplimente: «Es hat umsichtig und engagiert reagiert.»

Auch das ein Glied in der Kette all jener «glücklichen Umstände», die die einzige SAC-Hütte des Toggenburgs und ihre Gäste vor Schlimmerem bewahrten.

Die von Anfang Mai bis Ende Oktober ehrenamtlich bewartete SAC-Hütte auf dem Zwinglipass bietet seit 1969 Berggängern Schutz und ist gerade bei Wanderern und Familien sehr beliebt. Allein 2015 verzeichnete die SAC-Region Toggenburg 1720 Übernachtungen; 300 mehr als im Vorjahr.

Mehr Schlafplätze, eine grössere Stube, mehr Stauraum: Seit Anfang Juni wird die Zwinglipasshütte umgebaut. Die SAC-Sektion Toggenburg rechnet mit Kosten von mehr als einer Million Franken; die Einweihung des Anbaus ist für 2018 vorgesehen. Finanziert werden die Arbeiten, die teilweise als Frondienst ausgeführt werden, zu einem Teil mit Eigenkapital, dazu kommen Spendenbeiträge von Mitgliedern und Gönnern.

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