Bolzen mit dem Skateboard

Die Strasse von der Wolzenalp nach Krummenau bietet den Downhill-Skateboardern eine ideale Strecke für schnelle und technisch schwierige Abfahrten. Am 4./5. Oktober sind dort rund 100 Skateboarder am «WolzenBolzen» anzutreffen.

Christiana Sutter
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Die kurvenreiche Strecke vom Rietbach hinunter nach Krummenau bereitet dem Downhill-Skateboarder Philipp Ammann Spass und gibt ihm den nötigen Adrenalinkick. (Bild: pd)

Die kurvenreiche Strecke vom Rietbach hinunter nach Krummenau bereitet dem Downhill-Skateboarder Philipp Ammann Spass und gibt ihm den nötigen Adrenalinkick. (Bild: pd)

KRUMMENAU. «Mit viel Geschwindigkeit durch die Kurve fahren, das ist die Faszination beim Skateboarden und gibt mir den Adrenalinschub, den ich suche, es ist wie Schweben», sagt der 29jährige Philipp Ammann. Zuvor war die Passion des Frauenfelders das Wellenreiten, «aber in der Schweiz gibt es keine Wellen». Die vordere Hand am ein Meter langen Brett, die hintere Hand auf dem Boden, das Gewicht auf den hinteren Fuss verlagert durch die Kurve rutschen, die Spur halten, das Brett kontrollieren, «das macht das Downhill-Skateboarden aus».

«Rüstbrettli» zur Verstärkung

Am 4. und 5. Oktober treffen sich rund 100 Downhill-Skateboarder aus der Schweiz sowie dem näheren Ausland in Krummenau zum ersten «Downhill Skateboard Freeride»-Anlass – dem «WolzenBolzen». «Die Ostschweiz hat viele kleine Strassen mit ausgezeichnetem Strassenbelag», sagt der 29jährige Frauenfelder Philipp Ammann. Nicht nur Tempobolzen ist auf diesen Strässchen angesagt, «sie sind technisch anspruchsvoll und daher ideal für das Rutschen durch die Kurven».

Dabei kommt es auch auf das Material an. Das Brett ist härter als die kürzeren Fun-Skateboards. Wichtige Bestandteile sind die Räder. Die Griffigkeit (Grip) der Räder ist abhängig vom Strassenbelag, «für einen grobkörnigen Teer sind weiche Räder von Vorteil, diese haften besser». Nicht zu vergessen die Handschuhe. Handfläche und Finger sind verstärkt, oft mit passend zugeschnittenen «Rüstbrettli» aus der Küche, «zum Schutz beim Bodenkontakt». Das Neuste aus der Downhill-Skateboard-Szene ist das Rutschen ohne Einsatz der Hände, «die Quad-slides», sagt Ammann. Dabei wird durch Gewichtsverlagerung auf dem Brett auf allen vier Rollen durch die Kurve gerutscht.

Die Schweizer Downhill-Skateboard-Szene umfasst aktuell rund 200 Fahrer. «Tendenz steigend», sagt der Downhill-Skater. Die meisten kommen aus den Regionen Bern und Zürich.

Beim Boarden im Toggenburg ist Philipp Ammann auf die Strecke in Krummenau gestossen. Mit dem Sessellift der Wolzenalpbahnen hat er ein Transportmittel gefunden, mit dem er unabhängig von einer Person seiner Leidenschaft nachgehen kann.

Innert zwei Minuten ausverkauft

Die Vision eines «Downhill-Skateboard-Freeride»-Anlasses – der übrigens kein Wettkampf ist – hatte der Frauenfelder schon lange. Vor Jahren hatte er die Strecke Hemberg–St. Peterzell ins Auge gefasst, «auf der Bergrennen-Strecke». Es gab jedoch keine Erlaubnis. Bei den Verantwortlichen der Sportbahn Krummenau Wolzenalp stiess Ammann auf offene Ohren. «Denn auch für die Wolzenalpbahn und den Tourismus im Toggenburg kann dies ein wertvoller Anlass werden.» Er und sein Kollege Christian Schürch erhalten von den Angestellten der Bahn auch materielle Unterstützung. «Zur Sicherung der Strecke bekommen wir unter anderem auch Matten, die im Winter auf der Skipiste eingesetzt werden.» Angekündigt wurde der Anlass auf Facebook. Dort wurde auf die Homepage hingewiesen, über welche auch die Anmeldungen liefen. «Innert zwei Minuten waren die 80 Startplätze ausverkauft», sagt Ammann, «wir stockten dann auf 100 Plätze auf.»

17 Minuten hinauf – 8 hinunter

Philipp Ammann besuchte die Anwohnern der Rietbachstrasse und informierte sie über den Anlass von kommendem Wochenende. «Wir sind nirgends auf Ablehnung gestossen.» Bei der Gemeinde und der Strassenkorporation holten sie eine Bewilligung zur Benützung der Strasse ein. «Bei denjenigen, die nicht anwesend waren, haben wir einen Brief mit Informationen und unseren Kontakten deponiert.» Ammann sagt, dass sie persönlich nicht kontaktiert wurden. Den beiden Organisatoren gilt der Anlass als Testlauf für die Zukunft. Wenn alles klappt, wird es im Toggenburg auch in Zukunft Downhill-Skateboarder geben, die sich mit dem Zweier-Sessellift hinauf auf die Wolzenalp fahren lassen: «17 Minuten hinauf und acht Minuten hinunter», bringt es Ammann auf den Punkt.

www.wolzenbolzen.ch

Die 5,5 Kilometer lange Strecke ist am Samstag und Sonntag von 8.30 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr gesperrt. Währenddessen können die Autos auf die dafür vorgesehenen Ausstellplätze (rosa) abgestellt werden.

Die 5,5 Kilometer lange Strecke ist am Samstag und Sonntag von 8.30 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr gesperrt. Währenddessen können die Autos auf die dafür vorgesehenen Ausstellplätze (rosa) abgestellt werden.