Blutsauger und Virenschleudern

Wenn sich Varroamilben auf Westlichen Honigbienen festsaugen, ist es für die Imker Zeit, zu handeln. Denn die Bienen tragen die Milben von einem Volk zum anderen und infizieren sich so gegenseitig mit dem gefährlichen Spinnentier.

Saskia Bühler
Drucken
Teilen
Hat kein Glück gehabt: Diese Bienenlarve ist von drei Varroamilben befallen. (Bild: Hanspeter Hagmann)

Hat kein Glück gehabt: Diese Bienenlarve ist von drei Varroamilben befallen. (Bild: Hanspeter Hagmann)

REGION. Die Varroamilbe bevölkert seit wenigen Jahrzehnten die heimischen Bienenstöcke. Auch nach bald 30 Jahren Vorkommen ausserhalb Asiens haben Forscher bisher keine Möglichkeit gefunden, die Milben für die Westliche Honigbiene unschädlich zu machen oder die Biene zu immunisieren. Die Östliche Honigbiene, die vor allem in Asien vorkommt, hat keine Probleme mit den Varroamilben. Für sie seien es bloss harmlose Mitbewohner, wie Lorenz Huber, Bieneninspektor und Vizepräsident des Bienenzüchtervereins Werdenberg, erklärt.

Dass eine Immunisierung gegen die Milben möglich wäre, zeigen Bienen im südlichen Afrika. Diese Bienen sind nach dem Erstbefall durch Varroamilben fast ausgestorben. Doch die wenigen Exemplare, die den Befall überlebten, regenerierten den Bestand innerhalb von nur vier Jahren ohne fremdes Zutun.

Milben saugen Blut der Bienen

Doch bei der Westlichen Honigbiene sei das nicht so einfach. Lorenz Huber erklärt: «Unser Dilemma ist, dass wir auf die Bienen angewiesen sind. Wir können nicht einfach ein paar Jahre auf einen Grossteil von ihnen verzichten.» Deshalb sind Forscher auf der Suche nach einer wirksamen Methode, um den Parasiten unschädlich zu machen. Bisher ist laut Huber noch keine der Methoden praxisreif.

Die Milben richten ihren Schaden an, indem weibliche Tiere auf Bienen klettern und sich an ihnen festsaugen. Dadurch schwächen sie die Insekten stark. Ausserdem übertragen sie so gefährliche Viren, die der Hauptgrund sind, warum eine Biene am Befall der Varroamilbe stirbt. Wenn die Brutzeit der Bienen gekommen ist, klettern die Varroamilben in die Brutwaben der Bienen. Sobald diese gedeckelt sind, legen die Milben ihre Eier ab. Die geschlüpften Varroamilben saugen sich wiederum an der Bienenlarve fest und schwächen diese schon bevor sie schlüpft.

Bei Schwächung Stock verlassen

Laut Huber kann man einen Befall an verkrüppelten Flügeln und einem verkürzten Unterleib der Bienen erkennen. Diese seien häufig flugunfähig und mit einem Befall werde das ganze Volk geschwächt. Oft würden die Bienen bei einer erheblichen Schwächung des Volks den Stock verlassen und in einen anderen fliegen. Wenn sie Varroamilben auf sich tragen, werden diese so weiter verbreitet.

Eine Varroamilbe lebt etwa 100 Tage. Diese Angabe hilft Imkern dabei, die Befallsstärke ihrer Völker abzuschätzen. Am Boden der Bienenstöcke werden dazu feine Netze angebracht, durch welche die toten Milben fallen, jedoch für die Bienen dicht sind. Wenn die Imker nach einer Woche die abgefallenen Milben zählen, können sie so ausrechnen, wie viele Milben etwa in ihrem Bienenvolk sind und ob eine Behandlung nötig ist.

Ab 2000 Varroamilben stirbt ein Volk, unabhängig von der Befallsdauer, erklärt Huber. Wenn nämlich so eine grosse Anzahl an Schädlingen im Stock lebt, würden viele Bienen den Stock verlassen und die restlichen seien zu schwach, um das Volk am Leben zu halten.

Oxal- oder Ameisensäure

Eine Behandlung von Varroamilben findet bei Befall eines Bienenvolks mittels organischen Säuren statt. Ende Juli, Anfang August werden die Bienen mit Ameisensäure behandelt. Dazu wird ein Verdunster im Stock aufgestellt mit einer Menge der Säure, die den Bienen nicht schadet, die Milben aber tötet. Eine Behandlung mit Oxalsäure kann erst im November wirksam durchgeführt werden, weil erst dann der Bienenstock brutfrei ist und diese Säure bei gedeckelter Brut zu wenig wirksam wäre.

In den Brutwaben der Honigbiene legt die Varroamilbe ihre Eier ab. (Bild: Urs Bucher)

In den Brutwaben der Honigbiene legt die Varroamilbe ihre Eier ab. (Bild: Urs Bucher)