Bis zu 14 Einsätze in 24 Stunden

Der am 12. Mai eingeweihte Rettungsstützpunkt Buchs ist die neue Zentrale der Rettungsregion Süd, die das Gebiet der Spitalregion Werdenberg Sarganserland Rheintal abdeckt. Der W&O hat sich im neuen Stützpunkt umgesehen.

Katharina Rutz
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Fabian Pizzitola, Leiter Region Süd (links), und Günter Bildstein, Leiter Rettung St. Gallen, zeigen «ihre» fahrbare «Intensivstation». (Bild: Katharina Rutz)

Fabian Pizzitola, Leiter Region Süd (links), und Günter Bildstein, Leiter Rettung St. Gallen, zeigen «ihre» fahrbare «Intensivstation». (Bild: Katharina Rutz)

BUCHS. Zwar gibt es einen Fernseher im Aufenthaltsraum des Rettungsstützpunktes in Buchs, doch Zeit, ihn zu nutzen, bleibt den Rettungssanitätern wenig. Vom Stützpunkt Buchs werden durchschnittlich vier Einsätze in 24 Stunden gefahren. «Das Maximum waren 14 Einsätze in 24 Stunden. Das heisst, die Rettungssanitäter fahren durch», weiss Fabian Pizzitola, Leiter der Region Süd. Und mit der blossen Rettung des Patienten ist es nicht getan. Ein Rettungssanitäter hat viel zu tun, um dann für den nächsten Notfall gerüstet zu sein. Gross geschrieben wird beispielsweise die Weiterbildung. «Wir können nicht rasten, müssen immer auf dem neusten Stand sein», so Fabian Pizzitola.

Nicht Beruf, sondern Berufung

Neben der körperlichen Anstrengung – ein Rettungssanitäter trägt einiges an Gewicht von Material und Patienten – ist auch die psychische Belastung bei schweren Notfällen nicht ausser Acht zu lassen. Der Schichtbetrieb kann zwar als Vorteil gesehen werden, wirkt sich aber unweigerlich auf das Privatleben aus. Spätestens jetzt wird klar: «Rettungssanitäter ist nicht nur Beruf, sondern Berufung», sagt Fabian Pizzitola. Eine Berufung, die viel Abwechslung bietet, einen Einblick in viele soziale Schichten ermöglicht und die in den allermeisten Fällen einen unmittelbaren Erfolg bietet. «Wir retten Bedürftige genauso wie Millionäre», sagt Pizzitola. «Und wir erreichen mit wenigen Mitteln einen grossen Erfolg», ergänzt Günter Bildstein, Leiter Rettung St. Gallen. Und dies nicht nur, wenn ein Mensch erfolgreich reanimiert werden kann, sondern auch, wenn durch die Gabe von Schmerzmitteln die Situation der Patienten rasch verbessert wird.

Seit Mai sind die Rettungsfahrzeuge vom Spital Grabs auf den neuen Stützpunkt in der Buchser Industrie verschoben worden (siehe Front). Der Notarztwagen ist am Spital Grabs verblieben. «Denn der Notarzt nimmt ausserhalb von seinen Einsätzen Aufgaben im Spitalbetrieb wahr», erklärt Günter Bildstein. Neben den Standorten Grabs und Buchs gehören die Stützpunkte am Spital Altstätten und in Sargans dazu. 40 Rettungssanitäterinnen und -Sanitäter inklusive sieben Auszubildende decken den Notfalldienst rund um die Uhr ab.

Lange Schichten

Der Arbeitstag eines Rettungssanitäters ist lang. Seine Schicht dauert 12 Stunden und beginnt mit der Dienstübergabe. Es wird besprochen, was in der Nacht passiert ist und welche Sonderaufgaben warten. Dann wird das Auto kontrolliert. «Ist genug Sauerstoff da, ist der Tank gefüllt?», erläutert Fabian Pizzitola, der das Rettungsfahrzeug als kleine Intensivstation beschreibt. Das Material muss desinfiziert werden und ist dann immer noch kein Einsatz zu fahren, bleibt Zeit für die Ausbildung der Studierenden oder die eigene Fortbildung. Sehr wichtig während und nach einem Notfall ist die Dokumentation. Während des Einsatzes wird mittels Zahlencode fortlaufend an die Notrufzentrale übermittelt, dass die Rettungssanitäter den Notfall übernommen haben, ob sie am Notfallort angekommen sind, dass sie den Patienten aufgenommen und ob sie ihn im Spital abgeliefert haben. So wissen die Einsatzdisponenten der Notrufzentrale sofort, ab wann sie das Rettungsfahrzeug wieder einsetzen können. Bei einem Notfallpatienten gehe es meist darum, ihn zu stabilisieren, seine Schmerzen zu bekämpfen und ihn transportfähig zu machen, so Pizzitola. Auch über eine Ausbildung in Reanimation verfügt ein Rettungssanitäter. Für die weitere Therapie eines reanimierten Patienten ist dann aber ein Notarzt nötig. Genauso, wenn es um Notfälle mit Kindern geht, da dann beispielsweise Medikamente anders dosiert werden müssen. Obwohl bereits bei der Übergabe des Patienten im Spital ein Rapport an das Spitalpersonal abgegeben wird, muss der Notfall von den Rettungssanitätern auch auf dem Stützpunkt nochmals protokolliert werden. Und schliesslich darf auch die Nachbesprechung nicht fehlen. «So kann die psychische Belastung minimiert und der Fall losgelassen werden», so Pizzitola.

Genügend Bewerbungen

Nachwuchssorgen kennt man bei Rettung St. Gallen bisher nicht. «Wir haben immer genug Bewerbungen für die Ausbildung zum Rettungssanitäter», sagt Günter Bildstein. Das Auswahlverfahren ist allerdings streng. Voraussetzung ist eine Matura oder abgeschlossene Berufsausbildung und danach gilt es vier Stufen zu durchlaufen: ein Multichecktest, ein zweitägiges Eignungspraktikum, eine erfolgreiche Bewerbung bei einem der Rettungsdienste und ein Aufnahmegespräch an einer der Höheren Fachschulen für Rettungsberufe.

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