Billigster oder günstiger Lieferant?

Die Elektrizitätsversorgung Wartau kauft im kommenden Jahr die elektrische Energie für die Dorf- und Elektrokorporationen auf Gemeindegebiet neu bei den Liechtensteinischen Kraftwerken ein – als billigstem Anbieter.

Thomas Schwizer
Drucken
Teilen
«Im freien Markt ist es normal, dass Kunden gewonnen und verloren werden», schreibt die SAK. Sie bzw. die von ihr geführte Energieplattform haben die EV Wartau an die Liechtensteinischen Kraftwerke verloren. (Bild: Urs Jaudas)

«Im freien Markt ist es normal, dass Kunden gewonnen und verloren werden», schreibt die SAK. Sie bzw. die von ihr geführte Energieplattform haben die EV Wartau an die Liechtensteinischen Kraftwerke verloren. (Bild: Urs Jaudas)

WARTAU. Eine kurze Mitteilung der Gemeinde Wartau lässt aufhorchen. Der Verwaltungsrat der EV Wartau (Elektrizitätsversorgung) habe «aus Preisgründen beschlossen, die Gemeinde Wartau ab 2015 mit Energie der Liechtensteinischen Kraftwerke (LKW) zu versorgen und nicht mehr von der SAK (St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG)».

Die LKW liefere den Strom 7 Prozent günstiger als die bisherige Lieferantin, hält EV-Präsident Louis Moser auf Anfrage des W&O fest. Um Grossabnehmer aus der Industrie als Kunden der kommunalen Versorger zu behalten, sei der Preis ein gewichtiges Argument. Und dieser dürfte laut Moser für Industriekunden dank dem günstigeren Einkauf auf 2015 leicht sinken.

LKW: «Akquirieren nicht aktiv»

Machen die LKW der SAK aktiv Konkurrenz? Die LKW beliefern laut Gerald Marxer, Vorsitzender der Geschäftsleitung, aktuell einzelne Elektrizitätsversorger und einige Industriekunden in der Schweiz mit Energie. Die Strategie der LKW sehe aber keine aktive Akquisition von Neukunden in der Schweiz vor. Auf Anfrage werde offeriert, «wenn wir zum Schluss kommen, dass der Kunde ins Portfolio der LKW passt».

Warum können die LKW die Energie günstiger verkaufen als die SAK? Der Strommarkt in der Schweiz ist erst seit 2009 teilweise liberalisiert (für Grossverbraucher). In Liechtenstein sei der Markt bereits seit 2004 voll liberalisiert, so Marxer, und die LKW sei seither am freien Strommarkt tätig. Seit Jahren beschaffe man strukturiert Energie bei verschiedenen Lieferanten in der Schweiz und Europa, so Marxer – stark an der Strombörse in Leipzig orientiert.

«Der sehr hohe Anteil an sehr preissensitiven industriellen Kunden in Liechtenstein zwingt die LKW seit Jahren effizient und effektiv zu beschaffen.» Entsprechend seien ihre Strukturen schlank und schlagkräftig aufgebaut.

Buchs: SAK «am günstigsten»

Die SAK kauft seit diesem Jahr über die Energieplattform AG (EP), an der sich weitere Energieversorgungsunternehmen (EVU) aus den Kantonen St. Gallen und beiden Appenzell beteiligen können, die Energie «bedürfnisgerecht» bei unterschiedlichen Anbietern auf dem Handelsmarkt – und verkauft diesen. Die EP bietet den EVU zusätzlich auch weitere Produkte und Leistungen an, «damit sich diese im Wettbewerb nachhaltig positionieren können», wie die SAK auf ihrer Homepage betonen. «Markt und Beratung», «Energie- und Netzwirtschaft» sowie «Vertriebssupport» werden namentlich erwähnt.

Solche Leistungen waren ausschlaggebend, dass das Elektrizitätswerk Buchs bei seiner Ausschreibung für den Stromlieferanten letztlich der SAK treu geblieben ist. Zwar hat die SAK-Energieplattform nicht das billigste Angebot gemacht, wie Hanspeter Lippuner, Leiter Energiewirtschaft, auf Anfrage feststellt. Doch wenn man alle Leistungen und Unterstützungen einbeziehe, sei die EP «am günstigsten und am besten für uns».

Der Vertrag der EV Wartau mit den LKW beschränkt sich bisher auf die Lieferung von elektrischer Energie. Aufgrund der geographischen Nähe zu Liechtenstein sei es aber grundsätzlich möglich, dass die LKW bei Interesse weitere Leistungen für ihre Kundin erbringe, schreibt Gerald Marxer. Diesbezüglich seien aber noch keine Gespräche geführt worden.

SAK: «Es herrscht Markt»

Wie beurteilt die SAK den Verlust der EV Wartau als Kundin? «Es herrscht Markt, und dabei ist es ganz normal, dass Kunden auf allen Verbrauchsebenen gewonnen und verloren werden», so die Medienstelle. Ab voraussichtlich 2018 dürfen in der Schweiz auch Privatkunden ihren Stromlieferanten frei wählen.

Müssen die kommunalen Stromversorger befürchten, dass die SAK ihnen vermehrt Grosskunden aus der Industrie abwirbt? Die SAK konzentriere sich auf die Belieferung der Grosskunden «in ihrem direkt versorgten Gebiet», antwortet die Medienstelle. Die Teilliberalisierung des schweizerischen Strommarktes sei eine Realität, und danach würden sich alle Anbieter richten. • DIE DRITTE

Aktuelle Nachrichten