Bilder in den Köpfen verändern

Bei der Integrationstagung der Stiftung Mintegra ging es um Chancengleichheit und Diskriminierungsschutz. Dabei wurde deutlich, dass die Bilder in den Köpfen verändert werden müssen.

Adi Lippuner
Merken
Drucken
Teilen
Gestalteten als Referenten, Podiumsteilnehmer oder Organisatoren die Tagung: Hans Schlegel, Leiter Sozialamt Buchs; Petra Jordan, Hilti Human Resources; Tarek Naguib, Rechtssoziologe; Moderatorin Luzia Tschirky; Barbara Peyer, Kompetenzzentrum interkulturelle Konflikte; Markus Büchel, Leiter Kompetenzzentrum Jugend; Mintegra-Stiftungsratspräsidentin Ursi Dommer und Jakokb Gähwiler, Leiter regionale Fachstelle Integration (von links). (Bild: Adi Lippuner)

Gestalteten als Referenten, Podiumsteilnehmer oder Organisatoren die Tagung: Hans Schlegel, Leiter Sozialamt Buchs; Petra Jordan, Hilti Human Resources; Tarek Naguib, Rechtssoziologe; Moderatorin Luzia Tschirky; Barbara Peyer, Kompetenzzentrum interkulturelle Konflikte; Markus Büchel, Leiter Kompetenzzentrum Jugend; Mintegra-Stiftungsratspräsidentin Ursi Dommer und Jakokb Gähwiler, Leiter regionale Fachstelle Integration (von links). (Bild: Adi Lippuner)

BUCHS. Ursi Dommer, Präsidentin des Mintegra-Stiftungsrats, konnte am Samstagvormittag eine stattliche Anzahl Teilnehmende aus Politik, Schulwesen, dem Beratungs- und Gesundheitsbereich, aber auch dem Personalwesen an der 14. Integrationstagung begrüssen. «Gemäss Bundesverfassung besteht Chancengleichheit für alle Menschen, egal welcher Herkunft, Hautfarbe oder Sprache. Deshalb dürfte es die Forderung nach Chancengleichheit und Diskriminierungsschutz nicht geben, denn dies sollte selbstverständlich sein,» so Ursi Dommer.

Referate und Podium

Der Alltag zeige oft ein anderes Gesicht, wie Jakob Gähwiler Leiter der Regionalen Fachstelle Integration betonte. «Diskriminierungsschutz bedeutet, dass wir die eigene Komfortzone verlassen müssen. Es bedeutet, sich und sein Verhalten zu hinterfragen und vor allem, die Bilder in den Köpfen zu verändern, auch wenn diese Aufgabe noch über Generationen hinweg andauern wird.» Als Referenten konnten Barbara Peyer, Projektleiterin am Kompetenzzentrum für interkulturelle Konflikte, und Tarek Naguib, Juristischer Berater und Rechtssoziologe, gewonnen werden. An der Podiumsdiskussion unter der Leitung der Journalistin Luzia Tschirky nahmen Petra Jordan, Vizepräsidentin der Hilti Human Resources, Hans Schlegel, Leiter Sozialamt der Stadt Buchs, Markus Büchel, Leiter Kompetenzzentrum Jugend der Sozialen Dienste Werdenberg und der Referent Tarek Naguib teil.

Konsequenzen

Naguib erläuterte den rechtlichen Rahmen rund um persönliche Diskriminierung sowie Rassendiskriminierung. Am Beispiel unterschiedlicher Prämien für Autoversicherungen wurde gezeigt, welche Konsequenz die Herkunft für die zu bezahlende Prämie hat. Aber auch eine Stellenausschreibung, bei der eine Altersbeschränkung auf 25 bis 35 Jahre veröffentlicht wird, könne – sofern diese Einschränkung nicht sachlich gerechtfertigt sei – als Diskriminierung verstanden werden.

Barbara Peyer ging auf einen Konflikt, wie ihn eine zugewanderte Familie in der Nachbarschaft und mit der Schulbehörde erlebte, ein. Dabei ging es um die Befindlichkeit der Familie, aber auch die Haltung der Schulbehörde. Erst nachdem das Ganze eskalierte, konnten Lösungen gefunden werden. «Zwar fühlten sich zum Schluss alle Beteiligten ernst genommen, die Familie wollte aber trotzdem wegziehen, um an einem anderen Ort die Chance auf einen Neuanfang zu haben.» Wie stark Diskriminierung im Alltag präsent ist, zeigte die Podiumsdiskussion.

«Blinde Flecken» aufzeigen

«Wir müssen uns täglich bemühen, allfällige <blinde Flecken> aufzuzeigen und unsere Arbeit zu hinterfragen», waren sich Hans Schlegel und Markus Büchel einig. Tarek Naguib ermunterte alle, ihre Teams vielfältig zu gestalten. «Vor allem Menschen mit Diskriminierungserfahrung müssen einbezogen werden. Sie sind es, welche auf <blinde Flecken> im Verhalten aufmerksam machen.»

Petra Jordan erklärte auf die Frage nach der Chancengleichheit im international tägigen Hilti-Konzern: «Wir sind in 120 Ländern aktiv, allein in den Niederlassungen Schaan, Bendern und Buchs arbeiten Menschen aus 62 Nationen. Die Schwierigkeit besteht nicht darin, die Leute zu uns zu holen, sondern: Das ist historisch bedingt, es gibt weniger Maschinenbau-Ingenieurinnen, aber wir haben die Zusammensetzung der Teams bei den Bewerbungsgesprächen verändert, damit gut qualifizierte Frauen bei uns eine Chance erhalten.»