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Bibliotheken droht Ausleihgebühr

Der Bundesrat will auf den heutigen kostenlosen Ausleihen der Bibliotheken eine Verleihsteuer – die sogenannte Bibliotheks-Tantième – einführen. Dagegen wehren sich die Bibliotheken, auch diejenigen in Buchs und Nesslau.
Katharina Rutz
Lesestoff für die Öffentlichkeit: Die Bibliotheken der Region wehren sich gegen eine vom Bund verordnete Verleihsteuer. (Bild: fotolia.de)

Lesestoff für die Öffentlichkeit: Die Bibliotheken der Region wehren sich gegen eine vom Bund verordnete Verleihsteuer. (Bild: fotolia.de)

BUCHS/NESSLAU. Die Bibliotheken Nesslau und Buchs haben sich aktiv an der Vernehmlassung zum neuen Urheberrechtsgesetz des Bundes beteiligt und Stellung bezogen. Der Bundesrat will das Urheberrecht modernisieren. Unter anderem soll Internet-Piraterie besser bekämpft werden, ohne dass dabei aber die Nutzer solcher Angebote kriminalisiert werden, heisst es in einer Medienmitteilung des Bundes vom letzten Dezember. Die Vorlage sieht unter anderem zudem vor, dass Bibliotheken den Kulturschaffenden künftig für das Verleihen von Büchern usw. eine Vergütung zahlen. Bis heute war die kostenlose Ausleihe durch Bibliotheken urheberrechtlich gebührenfrei.

35 Prozent Mehrkosten

Die Bibliothek Buchs hat im Jahr 2015 90 000 Bücher und Medien ausgeliehen. «Diese Zahl ist sehr hoch, wenn man das kleine Einzugsgebiet berücksichtigt: Buchs, Grabs, Sevelen, Gams und Sennwald», sagt Alois Bischof, Präsident der Bibliothek Buchs. «Bei einem Budget von rund 250 000 Franken sind die Kosten pro Ausleihe von Fr. 2.80 vergleichsweise niedrig.»

Würde die geplante neue Steuer beispielsweise ein Franken pro Ausleihe betragen, dann stiegen die Kosten der Bibliothek Buchs um 35 Prozent auf 340 000 Franken. «Wie soll das funktionieren?», fragt sich Alois Bischof. «Soll das Geld dafür von den Gemeinden und vom Bund selbst kommen, um über einen Beamtenapparat reduziert zu werden und über diesen Umweg wieder in die Kulturförderung zu fliessen? Absurd!»

Das Budget der Bibliothek Nesslau ist klein. Mit einem Beitrag von 50 Franken pro Jahr sei sie die teuerste Bibliothek im Toggenburg, sagt Katrin Frei, Leiterin der Bibliothek. Würde sich die Bibliotheks-Tantième durchsetzen, müsste die Bibliothek entweder den Beitrag erhöhen, oder bei der Neuanschaffung von Büchern sparen. «Unsere Kunden hätten jedoch grosse Mühe mit einem Preisaufschlag beim Bibliotheksbeitrag und weniger Neuanschaffungen würde unsere Bibliothek unattraktiv machen», ist Katrin Frei überzeugt. Eine Möglichkeit, die Kosten tiefer zu halten, wäre die Anzahl an ausgeliehenen Büchern pro Person zu beschränken. «Mit der Tantième müssten wir aus finanziellen Gründen schauen, dass die Kunden möglichst wenige Medien ausleihen, was dem Sinn und Zweck einer Bibliothek vollkommen widerspricht», sagt Frei.

Förderer des Lesens

Für Alois Bischof geht es aber nicht nur ums Geld. «Die Bibliotheken sind die grössten Förderer des Lesens und der Literatur. Auch die Bibliothek Buchs macht mehr als nur Bücher in die Gestelle zu stellen. Sie weckt die Begeisterung fürs Lesen.»

Sowohl die Bibliothek Buchs als auch jene in Nesslau werden durch eine Trägerschaft von Gemeinden, Gönnern und aus den Mitgliederbeiträgen finanziert. Auf diese wertvolle Unterstützung sei man angewiesen, so Alois Bischof.

Unklar, wer betroffen ist

Der Verband Autoren und Autorinnen Schweiz (AdS) steht hinter dem Gesetz. Wer allerdings für die Ausleihgebühren aufkommen müsse, sei eine Frage, die die Politik beantworten müsse, so Nicole Pfister Fetz, Geschäftsführerin des Verbandes AdS. Der Ankaufsetat der Bibliotheken dürfe allerdings keinesfalls gekürzt werden, sagt Pfister Fetz weiter. Unklar sei auch noch, welche Bibliotheken überhaupt betroffen sein werden.

Die Vernehmlassungsfrist dauert noch bis zum 31. März. Es werden viele Antworten erwartet. Wann der Gesetzesentwurf in den eidgenössischen Räten behandelt wird, ist noch offen.

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