«Bevölkerung will endlich Fakten»

Die Podiumsdiskussion «Erneuerung der Spitalinfrastruktur» im Spital Grabs war ein emotionaler Schlagabtausch. Die beiden Befürworter eines Neubaus in Rüthi standen allein da. Das Publikum sprach sich für den Regierungsvorschlag aus.

Adi Lippuner
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Verbaler Schlagabtausch: Herbert Huser, SVP-Kantonsrat, Altstätten, Hausarzt Roman Würth, Widnau, Rudolf Lippuner, Gemeindepräsident Grabs, Martha Storchenegger, Präsidentin SBK SG und CVP Kantonsrätin, sowie Willi Haag, Vorsteher Baudepartement (von links). (Bild: Adi Lippuner)

Verbaler Schlagabtausch: Herbert Huser, SVP-Kantonsrat, Altstätten, Hausarzt Roman Würth, Widnau, Rudolf Lippuner, Gemeindepräsident Grabs, Martha Storchenegger, Präsidentin SBK SG und CVP Kantonsrätin, sowie Willi Haag, Vorsteher Baudepartement (von links). (Bild: Adi Lippuner)

GRABS. Der Schweizer Berufsverband der Pflegefachpersonen (SBK SG) führte am Donnerstag die Mitgliederversammlung im Spital durch. Als zweiter Teil stand ein öffentlicher Anlass zur «Erneuerung der Spitalinfrastruktur» auf dem Programm. Heidi Hanselmann erhielt als Vorsteherin des Gesundheitsdepartements Gelegenheit, die Vorlage zu präsentieren.

Zurück an den Start?

Ihr Gegenspieler, Herbert Huser, SVP-Kantonsrat, Altstätten, von Gesprächsleiter Silvan Lüchinger, stellvertretender Chefredaktor St. Galler Tagblatt als «personifizierter Widerstand gegen die Vorlage bezeichnet», legte seinen Standpunkt dar. Vor allem Regierungsrat Willi Haag als Bauchef des Kantons St. Gallen legte sich mächtig ins Zeug. Seine Kernaussage: «Die Bevölkerung will endlich Fakten, es soll gebaut und nicht ständig geplant oder gar Visionen präsentiert werden.»

Doch worüber wurde eigentlich gestritten? Es ging um das Gesamtkonzept der Spitalsanierungen im Kanton im Allgemeinen und um die Um- und Neubauten in Grabs und Altstätten im Besonderen. Dem gegenüber steht die Idee von Herbert Huser, auf der «grünen Wiese» in Rüthi einen Spitalneubau zu erstellen (der W&O berichtete).

Fest steht, die Regierung möchte, nach einem 15 Jahre dauernden Spitalbau-Moratorium, nun endlich vorwärts machen. Insgesamt sollen 930 Millionen Franken – Silvan Lüchinger sprach gar von einer Milliarde – verbaut werden. «Unsere Vorlage ist fertig geplant und nun kommt eine Vision auf den Tisch, die uns wieder an den Anfang zurückwerfen würde», so Willi Haag an die Adresse von Herbert Huser.

Rheintaler zieht's nach St. Gallen

Unterstützung erhielt der Altstätter Kantonsrat vom praktischen Arzt Dr. Roman Würth, Widnau. «Alle medizinischen Probleme werden von Politikern gelöst und das ist schlecht, deshalb engagiere ich mich für die Variante Neubau in Rüthi.»

Begründet wurde dieser Standpunkt mit der Situation in der Region Rheintal: «Unsere Patienten wollen nicht ins Spital Grabs, obwohl die Versorgung hervorragend ist. Sie wollen nach St. Gallen und dem sollte mit einem Standort in Rüthi Gegensteuer gegeben werden.»

Der Idee eines Spitalneubaus in Rüthi konnten weder die Präsidentin des SBK SG und CVP-Kantonsrätin Martha Storchenegger noch der Grabser Gemeindepräsident Rudolf Lippuner, etwas abgewinnen. Für Martha Storchenegger geht es um die demographische Entwicklung bei der Bevölkerung. «Die Menschen wollen eine wohnortnahe Versorgung.» Und Rudolf Lippuner meinte: «Das Spital Grabs hat sich zu einer Marke entwickelt und das wollen wir nicht aufs Spiel setzten.»

«Rüthi: Katastrophale Lage»

Von den Anwesenden wollten möglichst viele zu Wort kommen und alle kritisierten die Idee von Herbert Huser. «Das in Rüthi zur Diskussion stehende Land befindet sich an katastrophaler Lage, direkt an der Autobahn und erst noch unterhalb von Starkstromleitungen. An so einem Ort würden sich die Patienten ganz bestimmt nicht wohl fühlen», so eines der Voten.

Stimmbürger entscheiden

Da nütze es wenig, dass Herbert Huser ruhig und mit seinen erarbeiteten Zahlen und Fakten argumentierte. Kaum jemand glaubte, dass ein Neubau weniger kosten würde, als die geplante Sanierung. Und auch seine Aussage, dass es doch nicht im Interesse von Patienten und Mitarbeitenden sein könne, während Jahren auf einer Baustelle zu arbeiten, wurde zerpflückt.

Entscheiden wird die St. Galler Stimmbürgerschaft am 25. November über die Spitalvorlage, und zwar über jedes Bauvorhaben einzeln.

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