Bettenportal ärgert Hotellerie

Das Bettenportal AirBnb boomt: Allein in der Region St. Gallen gibt es Hunderte Angebote für günstiges Übernachten. Keine Freude daran hat die Hotellerie: Die tiefen Preise der AirBnb-Anbieter machten das Geschäft kaputt, wird kritisiert.

Janique Weder
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«Einzigartige Unterkünfte» verspricht das Schweizer AirBnb-Portal. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

«Einzigartige Unterkünfte» verspricht das Schweizer AirBnb-Portal. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

ST. GALLEN. Ein Zimmer mit Aussicht auf die Kathedrale für 39 Franken pro Nacht. Übernachten in einer Villa mit Park für 64 Franken. Oder gleich eine ganze Maisonette-Wohnung mit privater Dachterrasse für 98 Franken: Über 600 Treffer listet das Bettenportal AirBnb für die Region St. Gallen auf. Oft sind die Angebote günstiger als gewöhnliche Hotelzimmer.

Ein knallhartes Geschäft

Das Bettenportal AirBnb wurde 2008 im kalifornischen Silicon Valley gegründet. Anfangs wurde es hauptsächlich von Studenten genutzt. Das Online-Portal verhalf ihnen zu günstigen Übernachtungsmöglichkeiten in der ganzen Welt – und wenn es nur eine Luftmatratze im Wohnzimmer eines Wildfremden war.

Heute werden auf AirBnb auch Penthouses und Villen mit Pool vermietet, für eine Nacht, eine Woche, einen Monat. Aus der Bettenvermittlung ist ein knallhartes Geschäft geworden, das AirBnb-Portal umfasst inzwischen laut eigenen Angaben weltweit über eine Million Inserate.

Das hat Folgen. Auf der ganzen Welt beklagt die Hotelindustrie die Kommerzialisierung des Bettenportals. Die Vorwürfe sind überall dieselben: AirBnb ignoriere die branchenüblichen Vorschriften für Brandschutz, Hygiene und Steuern.

Zustupf für die Miete

«Ich bin mir bewusst, dass ich eine Konkurrenz für Hotels bin», sagt Simon*. Er vermietet ein Zimmer in seiner St. Galler Wohnung. Er mache das, weil er die Miete seiner Wohnung alleine nicht oder nur mit Müh und Not bezahlen könne. Dank AirBnb komme er über die Runden. Und tut seiner Meinung nach etwas Gutes: «Viele Leute sind nicht mehr bereit, 100 Franken pro Nacht für ein Hotelzimmer auszugeben», sagt Simon. Die Schweiz sei für Touristen zu teuer geworden, AirBnb daher «eine willkommene Alternative».

Die Hotelbranche fordert derweil gleich lange Spiesse. «AirBnb ist uns ein Dorn im Auge», sagt Sina Nikolussi, Präsidentin ad interim des Vereins Hotels St. Gallen-Bodensee. «Die tiefen Preise der Anbieter machen unser Geschäft kaputt.»

«Das ist nicht fair»

Oft müssten Hotels wegen der strikten Sicherheits- oder Hygienevorschriften hohe Investitionen tätigen. «Das drückt unsere Preise nach oben», sagt Nikolussi. Gleichzeitig müssten sich AirBnb-Vermieter nicht an diese Gesetzgebungen halten. «Das ist nicht fair.» Noch sei das Problem in der Ostschweiz nicht so gross, sagt Nikolussi. Westschweizer und Zürcher Kollegen beklagten sich aber bereits über ausbleibende Buchungen.

Der Bundesrat hat im März einen Bericht in Auftrag gegeben, der die Situation mit AirBnb in der Schweiz analysieren soll. Unklar ist auch die rechtliche Lage (siehe Zweittext).

Welche Folgen der AirBnb- Trend haben kann, zeigt sich in New York: Die Stadt geht derzeit massiv gegen das Bettenportal vor, weil ihr seinetwegen Millionenbeträge an Hotelsteuern entgangen sein sollen.

«Regeln müssen für alle gelten»

In der St. Galler Innenstadt vermietet Bettina* exklusive Studios. Und sie bietet einen hotelähnlichen Service: So wechselt sie für sie die Bettwäsche, putzt das Apartment, schreibt Restaurants und Ausgehtips auf für die Gäste.

Eine Kurtaxe müssen diese trotzdem nicht bezahlen. Dabei hätte Bettina nichts gegen die Einführung einer solchen Steuer, «wenn die Regeln dann auch für alle gelten». Sie kann den Unmut der Hotellerie verstehen und schlägt deshalb eine Obergrenze an Zimmern vor, die Professionelle auf AirBnB vermieten dürfen.

*Name geändert

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