Bergbahnen unter Beobachtung

Das Aus für die gemeinsame Sommerkarte im Obertoggenburg führt zu negativen Reaktionen. Zudem schauen die Verantwortlichen des Volkswirtschaftsdepartements genau, wie es mit der Zusammenarbeit weitergeht.

Adi Lippuner
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Das neue Chäserrugg-Sommer-Abo ist für Wanderer nur noch in Unterwasser und Alt St. Johann nutzbar, aber gleich teuer wie das Abo für alle Obertoggenburger Bahnen (inklusive Wildhaus und Gamplüt) im Vorjahr. (Bild: Heini Schwendener)

Das neue Chäserrugg-Sommer-Abo ist für Wanderer nur noch in Unterwasser und Alt St. Johann nutzbar, aber gleich teuer wie das Abo für alle Obertoggenburger Bahnen (inklusive Wildhaus und Gamplüt) im Vorjahr. (Bild: Heini Schwendener)

OBERTOGGENBURG. Während der Sommersaison können Einheimische und Gäste nicht mehr von der bisher gepflegten Zusammenarbeit zwischen den Bergbahnen in Wildhaus, Unterwasser und Alt St. Johann profitieren (siehe Ausgabe vom vergangenen Montag). Die Sommerkarte für 210 Franken gilt nur noch für die Bahnen Alt St. Johann–Sellamatt und Unterwasser–Iltios–Chäserrugg, also die Toggenburg Bergbahnen (TBB). Die Bergbahnen Wildhaus und Gamplüt wurden – und zwar von Seiten der TBB – kurz vor Beginn der Sommersaison über das Vorhaben informiert.

Kritik am Vorgehen

Die Reaktionen auf dieses Vorgehen war Unverständnis, aber auch Kritik. Ein Zweitwohnungsbesitzer aus Winterthur hat seinen Unmut in einem E-Mail an alle Bergbahnen und Toggenburg Tourismus geäussert und den Medien eine Kopie zukommen lassen: «Am Auffahrtstag haben wir mit grosser Freude das Sommer-Abo erneuert. Zu unserem Entsetzen mussten wir kurz danach feststellen, dass wir kein Sommer-Abo, sondern ein Chäserrugg-Sommer-Abo erhalten hatten; dies ohne einen Hinweis durch die Person an der Kasse. «Die Bahnen von Wildhaus und Gamplüt können somit mit dem Chäserrugg Sommer-Abo nicht mehr benutzt werden.»

Noch keine Antwort erhalten

Und in einem weiteren Abschnitt ist festgehalten: «Der Preis ist mit 210 Franken jedoch der gleiche geblieben. Was soll das? Sie möchten das obere Toggenburg den Gästen als eine Einheit mit einem tollen Angebot präsentieren. Wo bleibt hier das verbindende Angebot? Nun zum Preis: Das Abo ist nur noch bei den Toggenburg Bergbahnen gültig, kostet aber gleichwohl 210 Franken. Sie bauen in der Leistung rein rechnerisch jedoch um volle 46 Prozent ab, und dies klammheimlich.»

Der Zweitwohnungsbesitzer wünschte von der TBB eine Stellungnahme. Bis Donnerstagmittag wurde sein elektronisch übermitteltes Schreiben nicht beantwortet, wie eine Anfrage beim Verfasser ergab.

IH- und NRP-Gelder

Ein Blick auf die Vergangenheit der Bergbahnen im obersten Toggenburg zeigt, dass IH-Darlehen (Investitionshilfe-Gelder) in die Region geflossen sind. Im Jahr 2003 wurde von alt Regierungsrat Joe Keller, Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements noch verlangt, dass die Bahnen zu einer Gesellschaft fusionieren. Nachdem zwei der drei Bahnen fusionierten und eine engere Zusammenarbeit aufgegleist wurde, gaben sich die Verantwortlichen in St. Gallen mit diesem Vorgehen vorerst zufrieden.

IH-Darlehen bedeuten, dass ein Unternehmen im Berggebiet, in diesem Fall eine Bergbahn, zinslose Darlehen erhält, die innert einer vorgegebenen Frist zurückzuzahlen sind. Eine Anfrage beim Amt für Wirtschaft und Arbeit ergab, dass die alten Darlehen vom Entscheid, die bisher gepflegte Zusammenarbeit bei der Sommerkarte nicht weiterzuführen, nicht tangiert werden. Neu seien die IH-Darlehen durch die NRP-Darlehen (Neue Regionalpolitik) abgelöst worden. Peter Kuratli, Leiter Amt für Wirtschaft und Arbeit, dazu: «Für die laufende NRP-Periode 2012 bis 2015 verfügt der Kanton keine neuen Darlehen. Im Rahmen des künftigen Umsetzungsprogramms zur NRP (2016–2019) wird der Kanton Mittel für neue NRP-Darlehen beim Bund beantragen. Wir wissen, dass Projekte in Vorbereitung sind, haben aber noch keine Gesuche auf dem Tisch.»

Gemeinsame Strategie verlangt

Und zu allfälligen NRP-Gesuchen aus dem obersten Toggenburg sagte Peter Kuratli: «Von unserer Seite werden wir die Zusammenarbeit der Bahnen genau beobachten.» Bisher haben sich diese, gemäss den seinerzeit getätigten Versprechen weiterentwickelt und es werde erwartet, dass dies auch in Zukunft im Rahmen einer Gesamtbetrachtung der Fall sein wird. Der Kanton verlange eine gemeinsame Bergbahn-Strategie.