BENDERN: «Alles ein sehr unwürdiges Schauspiel»

Die jüngsten Ereignisse und Aussagen rund um das Landesspital lassen die Ärzte der Privatklinik Medicnova in Bendern nicht unberührt. Für Rainer de Meijer, Gefässchirurg an der Privatklinik, sind die Vorwürfe der Politik und des Landesspitals äusserst unfair.

Patrik Schädler
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Rainer de Meijer (Bild: PD)

Rainer de Meijer (Bild: PD)

Patrik Schädler

pschaedler@medienhaus.li

Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini beantragt beim Landtag zusätzliche Finanzmittel für das Landesspital. Die Fallzahlen im Landes­spital sind wesentlich tiefer als geplant. Der haupt­sächliche Grund sei die ­Privatklinik Medicnova. Was sagen Sie dazu?

Dass wir nun die Hauptschuldigen sein sollen, wenn das Landesspital offensichtlich völlig falsch kalkuliert hat und jetzt einen derart hohen Nachtragskredit braucht, ist viel zu kurz gegriffen. Und es ist vor allem äusserst unfair. Anders als es jetzt dargestellt wird, waren nicht wir es, die dem ­Landesspital die sprichwörtliche Türe vor der Nase zugeschlagen haben. Es war genau umgekehrt. Ausserdem entscheidet grundsätzlich der Patient, wo er sich behandeln lassen will – offensichtlich ist das Behandlungsangebot in der Medicnova attraktiv.

In der politischen Diskussion ist die Privatklinik in der Vergangenheit schon oft als Sündenbock abgestempelt worden. Perlt dies an Ihnen und Ihren Kollegen ab oder wurmt Sie das?

Das perlt sicher nicht ab. Denn Fakt ist: Wir haben über Jahre versucht, im Sinne der Patientinnen und Patienten eine gemeinsame Lösung mit dem LLS zu finden. Das wollten die Verantwortlichen des Landesspitals zum damaligen Zeitpunkt aber leider nicht. Dass wir nun als die Bösen dargestellt werden, ist mehr als ungerecht. Das alles ist ein sehr unwürdiges Schauspiel – und es schadet nicht nur dem Gesundheitsstandort, sondern dem ganzen Land. Bislang haben wir dazu geschwiegen, weil wir eigentlich lieber in Ruhe arbeiten wollen, als Schmutz­wäsche zu waschen – die jüngsten Aussagen von Herrn Ritter sind aber derart haarsträubend, dass es an der Zeit ist, einige Dinge klarzu­stellen.

Michael Ritter, Stiftungsratspräsident des Landesspitals, hat im Interview in der ­gestrigen «Vaterland»-­Ausgabe ausgeführt, dass der Vertrag zwischen der Medicnova und dem Spital Grabs überraschend kam. Warum sind Sie keine ­Vereinbarung mit dem ­Landesspital Vaduz einge­gangen?

Warum Herr Ritter so etwas sagt, ist mir ein Rätsel. Tatsache ist: Wir, die involvierten Belegärzte, sind immer wieder auf die Verantwortlichen des Landesspitals zugegangen, bevor Grabs ins Spiel kam. Aber wir wurden nur hingehalten, und es wurden ­Forderungen gestellt, die wir nicht erfüllen konnten. So hätten wir zum Beispiel aufgrund der ­bestehenden Verträge mit dem Landesspital nicht einmal unsere eigenen Patienten in der Medicnova operieren dürfen. Da die Verantwortlichen nicht bereit waren, unsere Verträge ent­sprechend anzupassen, blieb uns nichts anderes übrig, als zu kündigen. Ausserdem wurde uns klar zu verstehen gegeben, dass man an einer weiteren Zusammenarbeit wenig interessiert sei. Und hier zitiere ich auszugsweise aus einem Brief von Herrn Ritter an uns Belegärzte von Februar 2016, wo es heisst: «Die Vorteile einer Weiterführung des Engagements als Belegärzte sind für das Landesspital derzeit noch nicht klar ­ersichtlich.» Nun zeigt sich, dass das offensichtlich eine Fehl­einschätzung war.

Welche Gründe gaben für die Privatklinik Medicnova den Ausschlag, dem Spital Grabs den Vorzug zu geben?

Nachdem es mit dem Landes­spital zu keiner Lösung gekommen ist, waren wir gezwungen, im Sinne der Patientensicherheit einen leistungsfähigen Partner zu suchen. Den haben wir in der ­Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland gefunden. Übrigens sind wir damit einem alten Wunsch der Liechtensteiner Bevölkerung und der Politik gefolgt, die sich im Rahmen der Ab­stimmung zum Landesspital im Jahr 2011 für eine Zusammenarbeit mit Grabs ausgesprochen haben. Anders als das Landes­spital hat die Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland das Potenzial einer Zusammenarbeit mit uns gleich erkannt.

Was müsste denn aus Ihrer Sicht das Landesspital tun, damit man aus dem aktuellen Dilemma herauskommt?

Es wäre vermessen, den Verantwortlichen Ratschläge zu geben. Wir wollen einfach gute Medizin machen und würden in Ergänzung zum Landesspital in bestimmten Bereichen – etwa in der Kardiologie und der Gefäss­medizin – gerne auch zur Grundversorgung der Liechtensteiner Patienten beitragen. Leider ist unser diesbezüglicher OKP-Antrag bislang von der Regierung unbeantwortet geblieben. Es ist für uns unverständlich, dass dieses Angebot den allgemein versicherten Patienten vorenthalten wird. Aber wir Belegärzte der Medicnova werden uns – im Sinne einer optimalen Patientenversorgung – weiterhin für konstruktive Lö­sungen am Gesundheitsstandort Liechtenstein einsetzen.