Bauern müssen «online» sein

Kürzlich hat die jährliche Strukturdatenerhebung der Landwirtschaftsbetriebe stattgefunden. Seit 2014 wird diese übers Internet abgewickelt. Betreuer unterstützen Bauern mit wenig Computerkenntnissen.

Corinne Hanselmann
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Seit der Einführung der neuen Agrarpolitik müssen die Landwirte Flächen- und Tierzahlen online erfassen. (Bild: Reto Martin)

Seit der Einführung der neuen Agrarpolitik müssen die Landwirte Flächen- und Tierzahlen online erfassen. (Bild: Reto Martin)

HAAG. Rund zwanzig Berufskollegen aus der Umgebung hat Landwirt Markus Kramer aus Haag im vergangenen Jahr betreut. Der Delegierte des St. Galler Bauernverbandes mag neue Herausforderungen und hat sich deshalb bereit erklärt, die Handhabung des neuen Online-Erfassungssystems zu lernen und Landwirten ohne Computer oder mit zu wenig Kenntnissen beim Ausfüllen der Dokumente behilflich zu sein. Denn manch einer, dessen Handwerk eben die Landwirtschaft und nicht ein Bürojob ist, bekundete Mühe damit.

Hemmschwelle überschreiten

Auf Anfang 2014 hat der Bundesrat die neue Agrarpolitik (AP 2014–17) eingeführt. Das Kernelement ist das weiterentwickelte Direktzahlungssystem. Damit wird die Wirksamkeit der eingesetzten finanziellen Mittel (für 2014 bis 2017 sind 13,67 Milliarden Franken vorgesehen) verbessert. Mit dem neuen Direktzahlungssystem kam auf die Bauern zusätzlicher administrativer Aufwand zu. So zum Beispiel die obligatorische Online-Erfassung der Strukturdaten und der Beitragsgesuche.

«Viele hatten eine Art Hemmschwelle, weil einerseits die Erfassung übers Internet, aber gleichzeitig auch einige Begriffe und Programme neu waren. Weil noch nicht alles geläufig war, nahmen sie im Frühling 2014 gerne die Hilfe von Betreuern in Anspruch», sagt Kramer. Ein knappes Jahr später, bei der Erfassung im Februar 2015, waren es bereits rund ein Drittel weniger Landwirte, die sich von Kramer betreuen liessen. «Zum Teil können sie es nun selber ausfüllen», ergänzt er.

Individuelle Betreuung möglich

Das Landwirtschaftliche Zentrum des Kantons St. Gallen in Salez bot, insbesondere bei der Einführung der AP 2014 –17 Anfang letzten Jahres, Kurse zu verschiedenen Teilbereichen an, zum Beispiel über «Direktzahlungsbeiträge für Biodiversitätsförderflächen im Sömmerungsgebiet». Da die Fragestellungen bezüglich Online-Erfassung der Strukturdaten und Beitragsgesuche je nach Betrieb sehr unterschiedlich und spezifisch sind, sind allgemeine Kurse über die Online-Erfassung nicht sinnvoll. Die nebenamtlichen Betreuer des St. Galler Bauernverbandes bieten somit eine ideale Ergänzung und können individuell auf den einzelnen Landwirtschaftsbetrieb eingehen.

Termin auf Februar verschoben

In der ersten Jahreshälfte müssen die Schweizer Bauern die landwirtschaftlichen Strukturdaten erfassen: Angabe von Anzahl Tieren, wie viel Boden, wie viele Bäume, wie die Flächen genutzt werden, zum Beispiel als Öko- oder Magerwiese oder als Ackerland. Neu seit diesem Jahr liegt dieser Termin im Februar (früher April/Mai), weil sich dieser Zeitpunkt für die Bauern besser eignet. Im August müssen Direktzahlungsgesuche für das kommende Jahr eingereicht werden, um Beiträge zu beantragen. Dies geschieht ebenfalls online. «Der Umfang ist jedoch bedeutend kleiner als im Frühjahr. Es zeigte sich, dass deshalb die Nachfrage nach Betreuern deutlich geringer ist. Wir werden deshalb im August keine Betreuung durch regionale Personen mehr anbieten. Die Anfragen können durch das Landwirtschaftsamt und unsere Geschäftsstelle bewältigt werden», sagt Lukas Kessler vom St. Galler Bauernverband. Den nächsten Einsatz als regionaler Betreuer hat Kramer also im Februar 2016.