BALZERS/SARGANS: Weiteres Kapitel im Fall Marija

Die 18-jährige Marija Milunovic ist aus Liechtenstein ausgereist. Eigentlich wäre mit einer Au-pair-Stelle ihr Aufenthalt geregelt gewesen. Wieder scheiterten Marijas Pläne aber an Formalitäten.

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Bis vor einigen Monaten wohnte die 18-jährige Marija Milunovic noch in Sargans, besuchte die Schule, hatte eine Lehrstelle in Aussicht und war bestens integriert. Im Februar wurde sie wegen einer fehlenden Aufenthaltsgenehmigung nach Serbien ausgeschafft. Im April schien dann mit einer Au-pair-Stelle in Liechtenstein die Lösung für die junge Frau perfekt. Nun hat sich aber auch dies zerschlagen: Marija befindet sich nicht mehr in Liechtenstein, wie ihr ehemaliger Fussballtrainer Armin Kekic auf Anfrage ausführte. Bereits in den vergangenen Tagen hatten diverse Medien berichtet, dass es für Marija mit der Au-pair-Stelle in Balzers nicht klappe. Aus demselben Grund wie schon bei der ­ersten Ausschaffung aus der Schweiz: Dokumente seien nicht fristgerecht eingereicht worden.

Über die erneute Ausschaffung ist Kekic überrascht. Er sei davon ausgegangen, dass Marija und die Au-pair-Familie die Dokumente fristgerecht an den Anwalt weiterleiten. Dies sei offenbar nicht geschehen. Kekic spricht von Missverständnissen, von Kommunikationsproblemen. Auf Anfrage will Marijas Anwalt, Urs Bertschinger aus Buchs, zum Fall keine Auskunft geben. Das liechtensteinische Ausländer- und Passamt dagegen war zu ­erreichen. Wer eine Au-pair-Stelle in Liechtenstein beantrage, habe grundsätzlich einige Un­terlagen einzureichen. «Eine Ausreise­garantie, eine Passkopie, einen Arbeitsvertrag, einen Krankenkassennachweis und einen Sprachkursnachweis», zählt Amtsleiter Mario Konzett auf.

Bekommt das Amt die Dokumente nicht fristgerecht, stellt es eine Wegweisungsverfügung aus. Die betroffene Person wird aufgefordert, das Land zu verlassen. Geschieht dies nicht, wird sie zwangsausgeschafft. Wie sich ihm der Fall Marija konkret präsentiert hat, darf Konzett aufgrund des Amtsgeheimnisses aber nicht preisgeben.

Marijas Mutter sagte auf Anfrage, sie habe ihre Tochter am Freitag abgeholt und nach Serbien gebracht. Sie sagt auch, dass ihre Tochter ihren Teil der Unterlagen eingereicht habe. Die Au-pair-Familie habe ihr versichert, dies ebenfalls zu erledigen: «Die Behörden haben aber nichts bekommen», so Marijas Mutter. Die Au-pair-Familie möchte gemäss Kekic gegenüber den Medien nichts dazu sagen. Als klar schien, dass Marija einen Platz in Balzers bekommt, benannte Kekic die Facebook-Seite «Save Marija» in «Save Humanity» um. Damit wollten er und andere Helfer sich für Menschen einsetzen, welchen Ähnliches widerfährt wie Marija.

«Wir haben das nötige Know-how», sagt Armin Kekic. Und obwohl er sich ausgenutzt fühlt, ist ihm bewusst, dass er etwas bewegt hat: «Der ganze Aufwand war eine Message an andere Kinder.» Der Fall Milunovic ist für ihn abgeschlossen.

Patricia Hobi

redaktion@wundo.ch

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