BALZERS: Biber bibbert um sein Leben

Eine Biberfalle im Naturschutzgebiet Äulehäg lässt die Diskussion um den Umgang mit dem geschützten Nagetier in Liechtenstein hochgehen.

Hanspeter Thurnherr
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Der Biber bewegt zurzeit in Liechtenstein die Gemüter. (Bild: Rainer Kühnis)

Der Biber bewegt zurzeit in Liechtenstein die Gemüter. (Bild: Rainer Kühnis)

Hanspeter Thurnherr

hanspeter.thurnherr@wundo.ch

Wie soll man mit dem Biber umgehen, wenn er möglicherweise den Hochwasserschutz gefährdet? Diese Frage wird zurzeit in Liechtenstein heftig diskutiert. Denn bereits wurden letztes und dieses Jahr neun Biber «amtlich» getötet – und zwei zwischen Balzers und Triesen überfahren, wie Helmut Kindle, Leiter des Amtes für Naturschutz, gegenüber Medien bestätigte. Das Amt für ­Umweltschutz hat kürzlich mitgeteilt, dass auch der Biber im Schlossbach in Balzers «entfernt» werden soll.

Inzwischen entdeckte Monika Gstöhl, die Geschäftsführerin der Lichtensteinischen Gesellschaft für Umweltschutz (LGU), eine Biberfalle im Naturschutzgebiet Äulehäg in Balzers, wie das «Liechtensteiner Vaterland» berichtet. Doch im Naturschutz­gebiet wäre gemäss der Schutzverordnung die Jagd verboten, dürfen frei lebende Tiere nicht gestört, gefangen, getötet und ihre Bauten beschädigt oder zerstört werden. Der Ornithologische Verein Balzers, zuständig für die Aufsicht im Naturschutzgebiet Äulehäg, hat beim Amt für Umwelt interveniert. Denn der Verein sei nicht über die Fallen informiert worden. Wie Helmut Kindle erklärte, wurde die Falle bisher nicht scharfgestellt, da es praktisch keine Hinweise auf eine Biberpräsenz gegeben habe.

Biber gefährdet Hochwasserschutz

Generell geniesst der Biber durch die Berner Konvention (internationales Übereinkommen von bedrohten Arten) auch in Liechtenstein einen gewissen Schutz. Durch das revidierte Naturschutzgesetz von Liechtenstein ist der Biberschutz allerdings seit dem 1. März gelockert, damit er von Hochwasserschutzanlagen ferngehalten werden kann. Und genau da liegt der «Biber begraben». In Triesen, der Nachbargemeinde von Balzers, befindet sich das Gebiet Hälos, eine der wichtigsten Hochwasserschutzanlagen Liechtensteins. Um den ­Zuwanderungsdruck in diese Anlage zu verringern, soll der Biber in Balzers getötet werden.

Umweltschützer und Leserbriefschreiber sprechen sich aus mehreren Gründen dagegen aus. Da der Biber noch keine Jungen hat, werde es sicher noch zwei Jahre dauern, bis allenfalls Jungtiere aus Balzers nach Triesen auswandern – wenn überhaupt. Zudem könnten auch andere Biber – als gute Schwimmer auch aus dem Werdenberg über den Rhein – in Triesen einwandern, argumentieren die Umweltschützer. Also gäbe es nur eine sichere Lösung für die Hochwasserschutzanlagen: diese so zu bauen oder umzugestalten, dass es nicht als Biberrevier tauge. Zudem brauche es ein Biberkonzept, das den Umgang mit diesen Tieren regle. Die Gemeinde Triesen sieht einen solchen Umbau allerdings kritisch und fordert, die Priorität auf den Hochwasserschutz zu legen, wie es in einem Protokoll des Gemeinderates heisst.

Eine Umgestaltung der Seenlandschaft Hälos komme momentan deshalb und auch aus ­finanziellen Gründen nicht in Frage, erklärte Helmut Kindle gegenüber den Medien und ergänzt: «Auch herrscht kein Konsens darüber, ob andere technische Massnahmen zielführend sein könnten. Deshalb musste ein kurzfristiger Entscheid gefällt werden.» Das Amt für Umwelt habe sich für die Entnahme der Biber entschieden. Das sei jedoch keine langfristige Lösung.