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BALZERS: Bea Lippuner macht Kunstwerke aus Zucker

Vor Jahren startete Bea Lippuner mit dem Backen und Verzieren von Motivkuchen und Torten. Heute beliefert sie Hochzeiten und Geburtstage.
Bea Lippuner kreiert die süssen Kunstwerke, ihr Mann Remo, ein Grabser, liefert die Torten auf Wunsch aus. Er ist aber auch der grösste Kritiker, wofür ihm die Balznerin sehr dankbar ist. (Bild: Mareycke Frehner)

Bea Lippuner kreiert die süssen Kunstwerke, ihr Mann Remo, ein Grabser, liefert die Torten auf Wunsch aus. Er ist aber auch der grösste Kritiker, wofür ihm die Balznerin sehr dankbar ist. (Bild: Mareycke Frehner)

Andrea Müntener-Zehnder

Zu Hause bei Familie Lippuner in Balzers werden die Besucher von einem einladend dekorierten, antiken Militärvelo – das an einer alten Holztüre lehnt – empfangen. An besagter Holztüre baumelt eine schwarze Kreide­tafel. «BE-A-CAKE» steht mit schwungvollen Grossbuchstaben in Form einer Torte geschrieben.

Hinter diesem Namen steht Bea Lippuner, die lebensfrohe und unkomplizierte Balznerin. Sofort bietet sie das Du an: «Ich bin Bea Lippuner, eigentlich einfach nur Bea, wenn es recht ist. So handhabe ich es mit all meinen Kunden auch. Es macht es um einiges einfacher und zugleich persönlicher.» Also gut, nur noch Bea. Und Lippuner? Das tönt doch nicht nach Balzers? «Lippuner habe ich durch die Heirat mit meinem Mann Remo erhalten. Er ist ein Grabser, und seine ganze Verwandtschaft ist mehr oder weniger im Werdenberg verteilt. Daher sind wir auch sehr oft auf der andern Seite des Rheins anzutreffen», klärt die 47-Jährige in breitem Balzner Dialekt auf.

Nicht nur ihre grosse Liebe Remo hat sie vor rund 30 Jahren im Werdenberg kennen gelernt, auch ihre Lehre absolvierte sie dort. Sie erlernte in der Töpferei von Hans Schwendener in Buchs den Beruf der Keramikmalerin. «Das Kreative und Musische war schon immer ein Teil von mir. Leider ist mein erlernter Beruf in dieser Form heute kaum mehr gefragt.» Nach der Ausbildung zog es sie zurück ins Ländle, wo sie fortan als Küchenhilfe im Seniorenheim arbeitete. Diesem Beruf blieb sie bis vor wenigen Wochen treu. Neu ist sie in Teilzeit als Kurierfahrerin tätig.

Durch Zufall entstanden

«Das Torten-Verzieren hat eigentlich nichts mit meinem Beruf zu tun. Das Ganze entstand eher durch Zufall», erinnert sich die quirlige Frau an ihre Anfänge zurück. Bea Lippuner hat zehn Nichten und Neffen. Als einer davon vor elf Jahren seinen ersten Geburtstag feierte, kreierte ihm Tante Bea einen Geburtstagskuchen in Form eines Zuges. «Eigentlich war es nichts Grosses, lediglich ein Zügli, modelliert aus einem Schoggikuchen. Dieser wird in jedem zweiten Haushalt an Kindergeburtstagen serviert», schmunzelt die Hobbybäckerin. Und doch fand der Kuchen bei Gross und Klein grossen Anklang. «I will o so an», tönte es unisono bei den Geburtstagsgästen.

So entstand am nächsten Geburtstag innerhalb der Familie eine Torte, geformt als Schminkkoffer, passend zum erwachsenen Geburtstagskind. «Aus heutiger Sicht miserabel, ich muss mir wirklich das Lachen verkneifen, wenn ich ein Bild davon sehe», beurteilt Bea Lippuner ihre eher rustikalen Arbeiten von damals. «Aber irgendwie hatten alle Gäste Gefallen am essbaren Schminkkoffer, nicht nur optisch, auch auf der Zunge. Und so machte ich bestärkt weiter.»

Auf den Schminkkoffer folgte ein Feuerwehrauto. Damals noch vollflächig dekoriert und verziert mit Marzipan. «Heute macht das kaum noch jemand, nur auf expliziten Kundenwunsch. Das Marzipan wurde grösstenteils durch Fondant – eine pastöse Zuckermasse – ersetzt.» Immer mehr Zeit investierte Bea Lippuner in ihr Hobby – immer anschaulicher wurden ihre Ergebnisse. Plötzlich kamen ­Anfragen für Geburtstagstorten von ausserhalb der Familie und des Freundeskreises. Konkret hiess das für Bea, dass sie ihre Torten nicht mehr verschenkte, sondern dass sie dafür Geld verlangen konnte. «Meine Güte, war ich stolz, als ich meine erste Torte ausliefern durfte. Gleichzeitig kamen aber auch Bedenken. Schmeckt die Torte den Fremden genauso gut wie meiner Familie?» Doch die Bedenken zerstreuten sich so schnell, der Erfolg gab ihr recht.

Der Grundstein in die Eigenständigkeit wurde mit dem Verkauf der ersten Torte gelegt. Im Keller von Bea und Remo Lippuner wurde ein kleiner, funktioneller Raum hergerichtet, welcher durch den Lebensmittelkontrolleur abgenommen wurde. Sie legte gar die Wirteprüfung ab, damit ihr keine bürokratischen Stolpersteine den Weg versperrten.

Mittlerweile erstellt die Tortenfrau zusätzlich zu ihrem Teilzeitjob im 50-Prozent-Pensum wöchentlich Torten, Kuchen oder Muffins im Kundenauftrag. Ihr Steckenpferd sind heute ganz klar die individuellen Hochzeitstorten. Bereits beim Kennenlernen der Brautpaare und der darauf folgenden Verköstigung zur Probe – dem Tasting, wie es im Fachjargon genannt wird – wird den Brautpaaren bewusst, dass sie die Herstellung ihrer Hochzeitstorte einem Profi in die Hände legen.

«Wenn Brautpaare zu mir kommen, weil ich ihnen von Bekannten mit der Begründung empfohlen wurde, du musst die Torte bei BE-A-CAKE bestellen, da ist das Probeessen bereits lustig, dann weiss ich, dass die Chemie stimmt.» Dass die Chemie stimmen muss, ist für die detailliebende Frau ein wesentlicher Punkt. Denn eine Hochzeitstorte soll nicht irgend etwas sein, es soll perfekt aufs Brautpaar abgestimmt sein, ist ihre Devise. So hat sie nebst den klassischen weissen Torten, dekoriert mit filigranen Rosenblüten, auch witzige Motivtorten aus Legosteinen oder eine verspielte Vogelkäfig-Torte im Vintage-Stil für die Brautpaare auf Wunsch ­gemacht.

Nicht nur das Äussere muss stimmen. Selbstredend, dass die Torten vor allem auch munden müssen. Und dass sie dies tun, zeigen die vielen Dankeskarten der begeisterten Brautpaare, welche eine Wand im Hause Lippuner zieren. «Über die liebevollen und dankenden Worte zu meinen Torten freue ich mich jeweils ungemein», sagt Bea Lippuner sichtlich berührt.

Schritt für Schritt

Zwei Tage vor dem Hochzeitstermin beginnt Bea Lippuner mit den ersten Arbeiten. Viele kleine und aufwendige Schritte sind nötig, bis die fertige Torte ausgeliefert werden kann. Wieder und wieder muss die werdende Torte zwischen den einzelnen Schritten kühl gestellt werden. Den zum Verzieren verwendeten Fondant kauft sie stets ungefärbt, also in Weiss. Durch ihrer Ausbildung als Keramikmalerin weiss sie genau, welche Farben sie in welchem Verhältnis mischen muss, damit die gewünschte Farbnuancen entstehen. Auch wenn die Torten mit Schriften dekoriert werden, kommt ihr ihre kreative Ausbildung in der Töpferei zugute. «Während ich Torten verziere, höre ich Musik. Immer und laut. Meistens ertönt Schlager, Rock aus den Achtziger Jahren oder Austropop wie STS oder Ludwig Hirsch aus meiner Anlage. Wenn ich im Nachhinein ein Bild meiner Torte zu Gesicht bekomme, weiss ich im ersten Moment vielleicht nicht mehr genau, für wen die Torte war. Doch welche Musik ich dabei gehört habe, das weiss ich noch haargenau.»

Dass sie bei BE-A-CAKE ihr eigener Chef ist, geniesst Bea Lippuner sehr. Und doch hat sie jemanden im Hintergrund, der ihr wenn nötig mitteilt, dass ein Röschen oder ein Legostein aus Fondant nicht ganz so ausschaut, wie es sein soll. «Mein Mann Remo lässt mir grösste Unterstützung zukommen, ist zugleich aber auch mein grösster Kritiker. Er teilt mir knallhart mit, wenn ihm etwas nicht hundertprozentig gefällt. Im ersten Moment bin ich sicherlich etwas betupft. Doch im gleichen Augenblick bin ich ihm dankbar.» Nebst dem Job des pingeligen Kritikers hat ihr Mann Remo noch eine weitere Aufgabe im Kleinunternehmen: Er ist Chauffeur beim Hochzeitstortenausliefern. Zudem muss er danach seine Bea zum Essen ausführen. «Nach den unzähligen Stunden in meinem kleinen Kellerraum, voller Zucker, Schokolade- und Vanilleduft überkommt mich jeweils ein Heisshunger auf Fleisch, dann braucht die Bea eine grosse Portion davon», erzählt Bea Lippuner von ihrem Tick.

Unzählige Torten durfte Bea Lippuner bereits fertigen. Ein Brautpaar reiste gar aus Deutschland an, um seine Hochzeitstorte persönlich in Balzers in Empfang zu nehmen.

Auf die Frage, welches ihr grösster Wunsch ist, muss die Tortenkünstlerin nicht lange überlegen: «Über einen Auftrag vom Fürstenhaus würde ich mich immens freuen. Das Schloss mit all den feinen und kleinen Details zu modellieren, würde mich enorm herausfordern und ebenso sehr freuen. Selbstverständlich muss es nicht unbedingt das Schloss Vaduz sein. Ihr Werdenberger habt ja euer hübsches Schloss am See. Auch das würde ich sehr gerne für euch kreieren.»

Sehr konzentriert ist Bea Lippuner bei der Arbeit. Dabei läuft immer laute Musik aus ihrer Stereoanlage. (Bild: Mareycke Frehner)

Sehr konzentriert ist Bea Lippuner bei der Arbeit. Dabei läuft immer laute Musik aus ihrer Stereoanlage. (Bild: Mareycke Frehner)

Bea Lippuner ist eine kreative Kuchenbäckerin aus Balzers. (Bild: Mareycke Frehner)

Bea Lippuner ist eine kreative Kuchenbäckerin aus Balzers. (Bild: Mareycke Frehner)

Bea Lippuner erfüllt die verschiedensten Kundenwünsche. (Bild: Mareycke Frehner)

Bea Lippuner erfüllt die verschiedensten Kundenwünsche. (Bild: Mareycke Frehner)

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