AZMOOS/GOSSAU: Vor Asbest in Klebern gewarnt

Bei einem Seminar des Schweizerischen Plattenverbands Sektion Ostschweiz standen gesundheitsgefährdende Baumaterialien im Zentrum. Präsident Marc Graf will so für das Thema sensibilisieren.

Hanspeter Thurnherr
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Präsident Marc Graf (rechts) trat in Gossau selber als Referent vor die Seminarteilnehmer. (Bild: PD)

Präsident Marc Graf (rechts) trat in Gossau selber als Referent vor die Seminarteilnehmer. (Bild: PD)

Hanspeter Thurnherr

hanspeter.thurnherr@wundo.ch

«Dass das Thema asbesthaltige Baumaterialien auch für unsere Branche wichtig ist, wurde mir bewusst bei einer Anfrage zur Renovation von 44 Wohnungen für neue Badezimmer, welche um die 1970er-Jahre gebaut wurden. Ich fragte die Bauherrschaft, ob die drei Mehrfamilienhäuser auf Schadstoffe, zum Beispiel bei den Plattenklebern Novilon, geprüft seien. Die Antwort hiess: «Nein, die Arbeiter spritzen doch einfach das alte Material herunter, das machen sie immer so.» Der Azmooser Marc Graf, der dieses Beispiel erzählt, ist Plattenleger – und Präsident der Sektion Ostschweiz des Schweizerischen Plattenverbandes (SPV).

Seine Antwort an die Bauherrschaft: «Nein, das stimmt nicht. Wir nehmen Materialproben und lassen diese durch ein Suva-anerkanntes Labor prüfen. Wenn diese Asbest oder andere Schadstoffe nachweist, wird eine Schadstoffsanierungsfirma diesen nach den gesetzlichen Vorschriften entfernen müssen.» Graf erinnerte den Bauherrn daran, dass Mieter auch schon auf Schadenersatz geklagt haben, wenn auf die «alte Methode» saniert wurde. Im konkreten Beispiel wurde Asbest gefunden – und Graf erhielt den Auftrag, dank seinem proaktiven Vorgehen, wie er es nennt.

Oft ist es Nichtwissen

Doch für ihn war der Vorfall ein Zeichen, dass in der Baubranche die Schadstoffthematik noch nicht in den Köpfen verankert ist. «Dabei geht es doch um die Gesundheit.» Während im öffentlichen Bau Proben und Analysen vorgelegt werden müssen, gebe es im privaten Umbaubereich eine Grauzone. «Man schaut halt auf die Kosten, aber oft ist es einfach Nichtwissen. Denn Schadstoffe in alten Plattenklebern, welche vor 1990 verbaut sind, können Asbestanteile aufweisen. Diese Erkenntnis ist noch nicht viele Jahre bekannt, daher sind Materialproben immer ein guter Schritt, um Erkenntnisse zu gewinnen. Vermutungen reichen nicht aus», weiss Marc Graf.

Doch das soll sich nun ändern. Vor wenigen Tagen organisierte Marc Graf zusammen mit dem Vorstand der Ostschweizer Sektion ein Weiterbildungsseminar in Gossau. Eingeladen dazu waren nicht nur die SPV-Mitglieder der Sektion Ostschweiz und Branchenpartner, sondern auch Nichtmitglieder gegen einen kleinen Unkostenbeitrag. «Denn auch sie sollen davon profitieren – und erfahren, was ihnen eine Mitgliedschaft bringen kann», erklärt Graf diesen Schritt.

Bereits das Motto «Die Gesundheit ist unbezahlbar, tragen wir Sorge dazu» zeigt die Richtung des Seminars an. Zwei der drei Themen hiessen: «Gesundheitsgefährdende Schadstoffe» und «Geprüfte und bewährte Staubschutzmassnahmen». Die Referenten zeigten anhand von Fällen aus der Ostschweiz die Konsequenzen unsachgemässer Ausführungen und mahnten nachdrücklich, dass Unwissenheit nicht vor Strafe schützt. Vor Strafe in Form von Folgekosten, notabene.

Digitalisierung auf dem Bau

Das Seminar zeigte den Teilnehmenden auch, bis wohin die Kompetenzen und die Verantwortung der Branche gehen und dass es besser ist, das Thema proaktiv anzugehen, statt unter den Teppich zu kehren. «Wir sind es unseren Mitarbeitenden, Lernenden und den Bauherrschaften, aber auch den anderen Baubeteiligten schuldig», verdeutlicht Graf. Im Zeitalter der Digitalisierung könnten sich Bauherren ohne Fachwissen schnell über dieses Thema informieren. Marc Graf weiss aber auch: «Oft sind unsere Kunden dankbar, wenn wir ihnen aufzeigen, wie eine sachgemässe Renovation vor sich geht.»

Das vierte Thema «Proaktive Unternehmens- und Personalführung» stand ebenfalls im Zusammenhang mit dem Schadstoffthema: Allerdings legte Marc Graf als Referent den Schwerpunkt auf einen anderen für die Branche wichtigen Aspekt. Die Digitalisierung und deren Auswirkungen auf den Bau. Unter anderem verwies er darauf, dass für die Arbeitsbeschaffung das Internet immer wichtiger wird, aber auch zeitsparende und professionelle Baustellenführungsinstrumente etwa in Form von Tablets mit dazugehörigen Apps.

Graf erhielt viele erfreuliche Rückmeldungen. «Es hat mir klar gemacht, wo meine Kompetenzen sind», sagte ein Unternehmer. «Die Themeninhalte waren für alle Anwesenden professionell und sehr lehrreich orga­nisiert», lobte ein anderer Teilnehmer. «Ich habe heute Abend durch diesen Anlass die Struk­turen und Weitsichtigkeit der Sektion Ostschweiz in eindrücklicher Weise kennen gelernt», sagte ein Teilnehmer, der bis zum Anlass noch nicht Mitglied war.