Autoknacker nutzen modernste Technologie für ihre «Spezialisten-Arbeit»

VADUZ. Über 15 Einbrüche in Fahrzeuge und ein Autodiebstahl innerhalb einer Woche wurden allein im Fürstentum Liechtenstein gemeldet. Dies deutet auf eine Autoknacker-Bande hin, welche offenbar die Funksignale abfängt, welche Autoschlüssel aussenden.

Patrick Schädler
Drucken
Teilen

VADUZ. Über 15 Einbrüche in Fahrzeuge und ein Autodiebstahl innerhalb einer Woche wurden allein im Fürstentum Liechtenstein gemeldet. Dies deutet auf eine Autoknacker-Bande hin, welche offenbar die Funksignale abfängt, welche Autoschlüssel aussenden. Die Liechtensteinische Landespolizei rät zu erhöhter Vorsicht.

Bei der Kantonspolizei St. Gallen liegt kein Autodiebstahl auf diese Art vor, aber diese Technik der High-Tech-Autoeinbrüche und -Autodiebstähle ist ihr bekannt (siehe Zweittext).

Vermutlich organisierte Bande

Zwischen Sonntag und Montag wurden diese Woche in Eschen und Mauren zehn Fahrzeugeinbrüche gemeldet. Am Donnerstag meldete die Landespolizei weitere Autoeinbrüche in Mauren, Eschen, Triesenberg und Balzers. In Balzers ist sogar ein Auto gestohlen worden.

Diese Welle von Fahrzeugeinbrüchen lässt auf eine organisierte Bande schliessen. Da die Ermittlungen noch laufen, wollte die Landespolizei auf Anfrage des «Liechtensteiner Vaterland» dazu keine weiteren Angaben machen. Gestohlen wurde bei den Einbrüchen vor allem Bargeld sowie vereinzelt elektronische Geräte. Sie laufen ohne Sachschaden am Fahrzeug ab, da die Einbrecher keine Scheiben eingeschlagen müssen, sondern die Türen mit Funksignalen öffnen.

Vor den Wohnhäusern

Die Fahrzeuge wurden nicht auf grossen Parkplätzen oder in öffentlichen Parkhallen aufgebrochen. «Es handelt sich um unverschlossene Autos, die vor den Wohnhäusern parkiert waren. Die Täterschaft sucht die Quartiere entsprechend ab», sagt Landespolizei-Pressesprecherin Sibylle Marxer.

Abgeschlossen oder nicht?

Ob die Fahrzeuge wirklich nicht abgeschlossen waren, wird von Geschädigten in Frage gestellt. Sie tippen darauf, dass der elektronische Schliessmechanismus geknackt wurde und die Täter so Zugang zu den Fahrzeugen erhielten, ohne Einbruchspuren zu hinterlassen. Von dieser Masche sind vor allem Fahrzeuge betroffen, die statt mit einem konventionellen Autoschlüssel mit der «Keyless Go»-Technik ausgestattet sind. Diese komfortable Technik macht es Dieben leicht, denn der Funk-Schlüssel sendet ständig Signale aus.

Diese Signale werden von einem Kriminellen beispielsweise vor der Haustüre abgefangen. Mit Hilfe eines Reichweitenverlängerers wird das Schlüssel-Signal zu einem zweiten Täter geschickt. Dieser kann innert weniger Sekunden die Tür damit öffnen. In Baden-Württemberg wurden so von Januar bis Mai 2016 mindestens 30 Fahrzeuge gestohlen. Auf diese Einbruchserie reagiert die Landespolizei laut Sibylle Marxer mit «präventiven Patrouillenfahrten sowie Personen- und Fahrzeugkontrollen in bewohnten Gebieten». Auch die Besitzer der Fahrzeuge können vorbeugen. Wer Wertsachen offen im Auto liegen lässt, macht das Knacken von Autos für Diebe interessant.