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AUSTAUSCH: Geld bleibt in Liechtenstein

Vorbei die Zeiten, in denen Schweizer in Liechtenstein steuerlos Vermögen anhäufen konnten. Künftig meldet das Fürstentum automatisch alle Kundenvermögen an die schweizerischen Steuerbehörden.
Günther Meier
Die Liechtensteiner Banken sehen trotz des nun beschlossenen Austausches von Kontodaten mit der Schweiz keinen auffallenden Abfluss des Vermögens von Schweizer Kunden. (Bild: Arno Balzarini/Keystone)

Die Liechtensteiner Banken sehen trotz des nun beschlossenen Austausches von Kontodaten mit der Schweiz keinen auffallenden Abfluss des Vermögens von Schweizer Kunden. (Bild: Arno Balzarini/Keystone)

Günther Meier

redaktion@wundo.ch

Liechtenstein hat den Automa­tischen Informationsaustausch (AIA) mit der Schweiz beschlossen. Der Landtag hat gestern den entsprechenden Antrag der Regierung gutgeheissen. Nachdem vor einem Jahr mit 32 Staaten ausserhalb der EU ein AIA beschlossen wurde, kommen nun weitere 27 Staaten hinzu. Während bei Ländern wie Russland oder Brasilien gewisse Vorbehalte angebracht wurden, ergaben sich zum AIA mit dem Nachbarn Schweiz keine Wortmeldungen.

Das bedeutet, dass ab dem 1. Januar 2018 erste Steuerdaten gemeldet werden können. Der bevorstehende Austausch beflügelte offenbar mehrere hundert St. Gallerinnen und St. Galler, eine Selbstanzeige einzureichen, weil die Konten in Liechtenstein auf der Steuererklärung bis anhin nicht deklariert worden sind (der W&O berichtete). Der Informationsaustausch gilt auch in umgekehrter Richtung, wobei bisher nicht bekannt ist, ob Liechtensteinerinnen unversteuerte Vermögen in der Schweiz haben. Nicht ausgeschlossen ist, dass sich solche Vermögen unter den Selbstanzeigen befinden, die im Rahmen von zwei Steueramnestien eingereicht wurden.

Fürstentum wollte erst anderes Modell

Mit der Schweiz hätte das Fürstentum gerne eine Ausnahme vereinbart. 2013 zeigte sich Liechtenstein nach einem Treffen von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf und Regierungschef Klaus Tschütscher optimistisch, anstelle des AIA eine Abgeltungssteuer nach dem Vorbild des schweizerisch-österreichischen Modells einführen zu können. Die Absicht Liechtensteins, nach der Einführung einer Abgeltungssteuer mit Österreich auch mit der Schweiz eine ähn­liche Regelung zu treffen, zerschlugen sich aber bald.

Nachdem der Bundesrat am 1. Februar 2017 beschloss, mit einer Reihe von Partnerländern den AIA umzusetzen, darunter auch Liechtenstein, war die Sache gelaufen. Damals erschienen Berichte in schweizerischen Medien, «unzählige Schweizer» hätten den Finanzplatz Liechtenstein dazu benutzt, unversteuertes Geld vor dem Fiskus zu verstecken. Ein AIA, so wurde prognostiziert, hätte verheerende Auswirkungen auf den Finanzplatz Liechtenstein, wenn im Vorfeld des geplanten Austauschs die Schweizer Kunden ihre Vermögen abziehen würden.

Kontenkündigungen blieben aus

Eine derartige Welle von Kontenkündigungen und Vermögensabflüssen ist bei den drei grössten Banken bisher nicht erkennbar, wie eine Nachfrage ergibt. Christof Buri, Kommunikationschef der LGT Bank in Liechtenstein, sagt, dass die Bank die Steuersituation der Kunden nicht kenne und sich deshalb der Sachverhalt der Selbstanzeigen nicht überprüfen lasse. Aber offensichtlich hat der bevorstehende Automatische Informationsaustausch keine speziellen Spuren hinterlassen, wie Buri betont: «Wir ­hatten in den letzten Jahren bei Schweizer Kunden keine besonderen Abflüsse zu verzeichnen.»

Ähnlich sieht es laut Mediensprecherin Tanja Muster bei der VP Bank aus. Die grossen Vermögen seien bereits frühzeitig legalisiert worden, und der Bank sei es gelungen, einen Grossteil davon weiterhin in der VP Bank zu betreuen. «Seit der Ankündigung des AIA zwischen Liechtenstein und der Schweiz kann kein substanzieller Anstieg von Selbst­anzeigen festgestellt werden», unterstreicht Muster und fügt hinzu: «Es kam aber zu mehreren, kleineren Abflüssen, indem Schweizer ihr Konto aufgelöst und ihr Vermögen in die Schweiz transferiert haben.» Ob diese ­Abflüsse im Zusammenhang mit dem AIA erfolgt seien, sei der Bank nicht bekannt. Der Anteil der Abflüsse sei jedoch «vernachlässigbar» und habe sich nicht wesentlich auf die Netto-Neugeldentwicklung der VP-Bank- Gruppe ausgewirkt Auch Cyrill Sele, Leiter der Kommunikationsabteilung der Liechtensteinischen Landesbank, ist der Meinung, die Steuerdeklaration allenfalls in der Vergangenheit nicht versteuerter Vermögenswerte und Einkünfte liege in der Verantwortung und im Interesse der Kunden, sei aber kein Grund für die Auf­lösung eines Kontos. Aus seiner Antwort lässt sich ableiten, dass sich der Vermögensabfluss in Grenzen hält.

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