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AUSSTELLUNG: Die steinernen Schätze des Alpsteins

Seit 200 Jahren werden Alpstein-Fossilien gesammelt, seit zwanzig Jahren forscht die Universität Zürich an den steinernen Zeugen. Die fossilen Schätze ermöglichen im Naturmuseum St. Gallen eine Zeitreise in die Tier- und Pflanzenwelt der Kreidezeit.
Bruno Knellwolf
Ein grosses Wandbild des Alpsteins von Marcel Steiner, das in der Ausstellung im Naturmuseum St. Gallen zu sehen ist. (Bild: Kn.)

Ein grosses Wandbild des Alpsteins von Marcel Steiner, das in der Ausstellung im Naturmuseum St. Gallen zu sehen ist. (Bild: Kn.)

Bruno Knellwolf

bruno.knellwolf@tagblatt.ch

«Der Alpstein ist das vermutlich schönste Gebirge der Welt», sagte nicht etwa ein Ostschweizer Touristiker, sondern der Zürcher Geologieprofessor Albert Heim. Er war einer der ersten Forscher, der sich im frühen 20. Jahrhundert den Fossilien im Alpstein widmete und die Schönheit dieser Berge auch aufgrund ihrer Geologie betrachtete. Tatsächlich erzählt der Alpstein die ganze Erdgeschichte über Jahrmillionen auf gut sichtbare und eindrückliche Weise. Mit den Versteinerungen von Pflanzen und Tieren zeigt sich das Entstehen der Erde, die zwischenzeitliche Katastrophe mit dem Aussterben von Dreivierteln aller Tiere und Pflanzen und dem Wiederauferstehen vor 66 Millionen Jahren.

In den Gesteinsschichten, den Hügeln und Bergen sowie den Geröllhalden darunter finden sich die Zeugen längst vergangener Zeiten, die ab heute in der Sonderausstellung «Fossilien im Alpstein» im Naturmuseum St. Gallen zu sehen sind. Die meisten der versteinerten Funde stammen aus der Kreidezeit. In den tropischen, seichten Meeren über der heutigen Ostschweiz lagerten sich die Leichen von Tieren und Pflanzen ab, wurden überschwemmt, dem Sauerstoff entzogen und unter dem Gesteinsdruck mineralisiert zu Fossilien. «Dass es solche viele Millionen Jahre alten Versteinerungen gibt, ist erstaunlich. Denn eigentlich arbeitet die Natur im Kreislauf», sagt der Direktor des Naturmuseums, Toni Bürgin. Will heissen, stirbt ein Lebewesen, machen sich Heerscharen von Organismen darüber her und zerlegen die Leiche. Versteinerungen sind somit ein Bruch im natürlichen Kreislauf und in der normalen Vergänglichkeit.

Viele Fossilien im Alpstein

Solche Zeugen der Erdgeschichte finde man viele im Alpstein, häufig seien die Fossilien aber in Bruchstücken zu finden. Das, weil die durch die Kontinentalverschiebung verursachte Alpenfaltung, welche den Meeresboden auf die Höhe von Schwägalp und Säntis gehievt hat, einen riesigen Druck auf die versteinerten Tiere und Pflanzen ausgeübt habe. Es braucht somit ein geübtes Auge, um die Bruchstücke dieser Zeitzeugen zu finden. Dieses hat der Uzwiler Peter Kürsteiner, der seit 15 Jahren nach Fossilien ausschliesslich im Alpstein sucht. Aus seiner Sammlung stammen denn auch die meisten Fossilien, die jetzt in der erstmals vorgeführten Wanderausstellung gezeigt werden. Vor 15 Jahren hat Kürsteiner eine versteinerte Muschel gefunden am Abhang der Fäneren, jetzt wird sein bester Fund seinen Namen tragen: Eoscaphites kuer­steineri. Ein Ammonit mit einer sehr speziellen Form, der noch nirgends auf der Welt gesehen worden ist. Gefunden hat er den Ammoniten in Oberriet, denn häufig mache er seine Funde nicht im Alpstein selber, sondern im vorgelagerten Rheintal. Fündig wird er oft im Geröll, das unter den Felswänden liegt. Die Verteilung der Fossilien sei abhängig von den Gesteinsschichten und laufe wie diese quer durch den Alpstein. Sehr fossilienreich sei das Gebiet um den Altmann, den Säntis, während rund um den Hohen Kasten weniger zu finden sei, sagt Kürsteiner.

Seine Funde sowie die hauseigenen Objekte des Naturmuseums werden in der Ausstellung systematisch gezeigt und erklärt. Die Szenografie stammt von der Thurgauer Firma Ecocell, welche Wabenplatten aus Recyclingpapier herstellt, die hier die Ketten des Alpsteins in abstrakter Form nachbilden, sonst aber für einen neuartigen Leichtbau von Häusern eingesetzt werden sollen, wie Fredy Iseli erklärt. Eigentlich sei ihr entwickeltes Baumaterial eine Versteinerung von Karton.

Bis zu den Wirbeln grosser Fischsaurier

In dieser stimmigen Szenografie sind in Vitrinen die Schätze des Alpsteins ausgestellt. Das geht von versteinerten Einzellern bis zu den Wirbeln grosser Fischsaurier. Oder über die ersten Vielzeller – Schwämme, Korallen, Nesseltiere – bis zur grössten Tiergruppe, den Weichtieren. «Die Stars der Ausstellung sind die Kopf­füsser, die schon vor 400 bis 500 Millionen Jahren gelebt haben», sagt Bürgin. Das sind zum einen Perlboote, die es heute noch gibt, und vor allem die Ammoniten. Tiere, die sich mit einem Rückstossantrieb fortbewegt haben. Die Ammoniten sind vor 66 Millionen Jahren mit den Dinosauriern ausgestorben.

Hinweis

Ausstellung: Fossilien im Alpstein, Naturmuseum St. Gallen, noch bis am 14. Oktober 2018

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