Aus für den Minikiosk in der Post

Die Post testet ein neues Berufsbild und überprüft die Produkte, die sie in ihren Filialen verkauft. Die Gewerkschaften befürchten einen Lohnabbau beim Personal. Und dass in ländlichen Regionen noch mehr Poststellen verschwinden.

Sina Bühler
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Die Post mistet ihren Gemischtwarenladen aus – die Gewerkschaften befürchten, dass die Straffung des Sortiments nicht ohne Folgen bleibt. (Bild: ky/Christian Beutler)

Die Post mistet ihren Gemischtwarenladen aus – die Gewerkschaften befürchten, dass die Straffung des Sortiments nicht ohne Folgen bleibt. (Bild: ky/Christian Beutler)

Die Kritik kam von allen Seiten: Die Filialen der Schweizer Post seien zum Gemischtwarenladen verkommen. Man werde regelrecht zum Kauf von Abfallsäcken oder Süssigkeiten genötigt, reklamierten Kundinnen und Kunden. Man stehe immer mehr unter Druck, den Verkaufsumsatz aktiv zu steigern, klagten die Mitarbeitenden. Selbst die nationalrätliche Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen befand, die Grenzen für den Verkauf von Drittprodukten seien etwas gar weit gesetzt. Allerdings macht die Post damit einen Gewinn von 500 Millionen Franken im Jahr, während das postalische Geschäft letztes Jahr ein Defizit von 110 Millionen Franken einfuhr.

Folgen noch nicht abschätzbar

Im vergangenen Jahr hat die Post dieses Angebot in verschiedenen Modellfilialen überprüft und Alternativen getestet: beispielsweise die Einführung eines gestrafften Sortiments, angepasste Öffnungszeiten oder getrennte Beratungs- und Verkaufsschalter für Post- und Fremdprodukte. Damit möchte sie ihr Filialnetz «à jour» halten, wie Mediensprecher Oliver Flüeler erklärt. Das Resultat ist zurzeit noch offen: «Die entsprechenden Auswertungen, Abklärungen und Abwägungen sind im Gang», sagt Flüeler. Erst wenn das konkrete Projekt vorliege, könne er sagen, ob dies auch Konsequenzen für das Personal habe. «Wir haben versprochen, dies nach der Sommerpause zu kommunizieren.»

Die Gewerkschaft Syndicom befürchtet jetzt schon, dass die Schalterangestellten deswegen Änderungskündigungen erhalten und sich danach neu für die Verkaufs- und Beratungsstellen bewerben müssten. Deswegen haben die Betroffenen bei der Post eine Petition eingereicht, in der sie Transparenz und Mitspracherecht fordern und sich gegen einen möglichen Lohnabbau wehren. Für die St. Galler Syndicom-Sekretärin Angelika D'Alessandro sind das Mass und das Tempo, in welchem diese möglichen Abbaumassnahmen vor sich gehen sollen, besorgniserregend. In den Jahren, in welchen dem Personal immer zusätzliche Aufgaben und noch mehr Druck aufgehalst wurden, seien die Arbeitsverträge nicht verbessert worden. «Wir fürchten, dass es zu Lohnkürzungen kommt, wenn zwei neue Jobprofile eingeführt werden», sagt D'Alessandro. Es gibt Signale, dass neu zwischen Postberaterinnen und -verkäufern unterschieden werden soll.

Angst vor weiterem Abbau

Ausserdem könne der Abbau in einem solch ländlichen Gebiet wie St. Gallen und Umgebung zu einem noch grösseren Poststellen-Sterben führen, als das bisher schon der Fall war. In den vergangenen Jahren ist hier eine Poststelle nach der anderen geschlossen worden, in der ganzen Schweiz sind es jedes Jahr etwa 100 Filialen. Einige wurden durch den sogenannten Hausdienst ersetzt, bei welchem die Pöstlerin oder der Pöstler gewisse Aufgaben mobil übernimmt. Andere wurden in Agenturen umgewandelt. «Werden in den verbliebenen Poststellen weiter Dienstleistungen abgebaut, werden sie unattraktiver für die Bevölkerung. Wenn dann die Frequentierung abnimmt, drohen weitere Schliessungen.»

Die Post betont zwar immer wieder, der Service bleibe genau gleich, aber eine Zahl aus dem Jahresbericht lässt anderes vermuten: Seit 2011 hat die Post fast 2000 Arbeitsplätze in «peripheren Regionen» gestrichen. Das hat auch damit zu tun, dass bei den Agenturen kein Postpersonal mehr arbeitet. Diese werden meist von selbständigen Unternehmern geführt.

Drittprodukte in Agenturen

Von den Evaluationen der Pilotprojekte seien die Agenturen nicht betroffen, sagt CVP-Kantonsrat Felix Bischofberger. Er führt seit 2014 die Postagentur in Altenrhein: «Bei uns ist der Verkauf von Drittprodukten ja im jeweiligen Konzept der Agenturen vorgesehen.» Agenturen sind Poststellen mit einem reduzierten postalischen Angebot, die in bestehenden Läden oder Treffpunkten integriert sind. In Altenrhein gehört die Tourist-Info dazu, ein Fahrradverleih, Lebensmittel und Papeterie-Artikel. Was verkauft wird, entscheidet jede Agentur selber – sie schliesst auch die entsprechenden Verträge ab

Was sich Bischofberger und seine immer zahlreicher werdenden Kollegen allerdings vorgenommen haben, ist eine gemeinsame Vertretung, um ihre Anliegen bei der Post selber anbringen zu können. Dazu haben sie vor einem Jahr den Postagenturen-Verband gegründet, den Bischofberger präsidiert.

Gespräche mit der Post

Inzwischen haben sich 25 Mitglieder angeschlossen, bald seien erste Gespräche mit der Postleitung vorgesehen. «Wir haben einige postalische Änderungsvorschläge», sagt Bischofberger. Dazu gehört beispielsweise, dass auch sperrige Pakete angenommen werden könnten oder der Verkauf von Einzelbriefmarken erlaubt werde. Dahinter steckten nicht nur unternehmerische Überlegungen: «Wir zielen damit auch auf die Wiederbelebung der Dorfgemeinschaften.»

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