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Auf Schmuggler- und Diebesjagd

Die Grenzwachtregion III umfasst einen Viertel der Schweizer Aussengrenze. Die Grenzwächter arbeiten eng mit der Kantonspolizei zusammen. Im Fokus stehen vor allem Diebesbanden.
Chris Gilb
Grenzwächter finden im Kofferraum des angehaltenen Fahrzeugs mehrere Einbruchwerkzeuge. (Bilder: Samuel Schalch)

Grenzwächter finden im Kofferraum des angehaltenen Fahrzeugs mehrere Einbruchwerkzeuge. (Bilder: Samuel Schalch)

Am Grenzübergang Schmitter zwischen Lustenau und Diepoldsau am Dienstagmorgen: Mitarbeiter der Grenzwachtregion III, deren Einsatzgebiet die ganze Südostschweiz ausser dem Thurgau umfasst, halten ein verdächtiges Auto an. Im Inneren sitzen zwei Rumänen auf dem Weg nach Österreich. Sie zeigen auf Geheiss ihre Papiere vor, dann wird der Kofferraum durchsucht. Die Grenzwächter finden Einbruchwerkzeuge.

«Viele Einbruchsdelikte im Kanton St. Gallen finden hier in der Rheintal-Bodensee-Region entlang der Grenze und der Autobahn statt», sagt Bruno Zanga, Kommandant der Kantonspolizei. Seit einigen Jahren arbeitet diese im Rahmen einer Verwaltungsvereinbarung bei Fahndungen, Patrouillen oder im Bereich Migration eng mit dem Grenzwachtkorps zusammen. Gerade jetzt, wenn die Nächte wieder länger würden, steige die Gefahr von Einbruchsdiebstählen durch Kriminaltouristen, sagt Zanga. Nachdem die Werkzeuge gefunden sind, kommt eine mobile Einheit zum Einsatz, die beim Grenzübergang Schmitter stationiert ist. Sie ist spezialisiert darauf, das Fahrzeug zu demontieren und allfälliges Diebesgut zu finden. Gleichzeitig wird eine Streife der Kantonspolizei angefordert, welche die weiteren Ermittlungen übernimmt.

«Rund 1039 Fälle im Bereich Fahndung, Diebstahl oder Drogenhandel haben wir seit Anfang Jahr an die Kantonspolizei übergeben», sagt Markus Kobler. Er ist Kommandant der Grenzwachtregion III, die über rund 220 Mitarbeiter verfügt und einen Viertel der Schweizer Aussengrenze bewacht. Nebst der Einreisekontrolle sei gerade eine solche Ausreisekontrolle wichtig, etwa, um Diebesgut zu sichern.

Banden observieren die Polizei

In einigen Bereichen ist ein Eingreifen der Kantonspolizei dank der Zusammenarbeit heute nicht mehr nötig. «Wenn früher jemand bei der Zollkontrolle seinen Führerausweis vergessen hatte, mussten wir die Kantonspolizei anfordern, die dann der Person eine Busse ausstellte. Heute kann das Grenzwachtkorps selbst Ordnungsbussen erheben, was zeitsparend ist.» Während die Grenzwächter gerade mit Hilfe einer kleinen Kamera in einem Versteck im Auto Uhren finden, holt eine Polizeistreife die beiden Verdächtigen ab und bringt sie zum Polizeistützpunkt Thal. «Wir dürfen sie jetzt 24 Stunden für Ermittlungen festhalten und später kann die Staatsanwaltschaft veranlassen, dass sie weitere 24 Stunden bleiben. Danach muss ein Gericht entscheiden», sagt Polizeisprecher Gian Andrea Rezzoli.

Von den Verdächtigen werden Fingerabdrücke und DNA-Proben genommen. «Der Abgleich der Fingerabdrücke mit der zentralen Kartei geht schnell, der DNA-Abgleich dauert jedoch einige Wochen. Es kommt nicht selten vor, dass wir Verdächtige wieder gehen lassen müssen, weil wir keine weiteren Beweise finden und uns nach einigen Wochen doch ein DNA-Treffer gemeldet wird und wir sie zur Fahndung ausschreiben müssen», sagt Rezzoli. In diesem Fall handelt es sich nicht um Verdächtige, sondern um Figuranten. Gemeinsam mit dem Grenzwachtkorps simuliert die Kantonspolizei einen typischen Einsatz, um Einblick in die gemeinsame Arbeit zu geben. Laut Kobler sind gerade Einbrecherbanden nicht einfach zu fassen. «Teilweise sind ehemalige osteuropäische Polizisten oder Geheimdienstmitarbeiter dabei, die professionell unsere Patrouillen observieren, bevor sie über die Grenze gehen.»

Grossteil der Waren wird nicht deklariert

Mit der Personenfreizügigkeit dürfen Einwohner von Schengen-Ländern frei einreisen, solange kein konkreter Verdacht gegen sie besteht. Als am Samstag mehrere 1000 Nazis ungehindert in die Schweiz einreisten, habe auch dieser Grundsatz eine Rolle gespielt, sagt Kobler. «Ausserdem haben wir im Voraus nicht gewusst, dass die Veranstaltung in der Schweiz stattfindet.» Auch seien die Grenzübergänge verteilt und nicht alle bewacht – solche Gruppen seien zudem gut organisiert. Bei der Rückreise hätten dann jedoch Nachkontrollen stattgefunden. Zur besseren Überwachung gerade im ländlichen Raum setzt die Grenzwacht auch eine Drohne ein. «Diese hat mehrfach zum Erfolg geführt, aber auch zu Lärmbeschwerden. Sie wird bald durch eine leisere ersetzt», sagt Kobler. Ein anderes Aufgabenfeld von Grenzwachtkorps und der Polizei ist die Migration. Diese sei im Osten auch durch die Schliessung der Balkanroute zurückgegangen. «Dafür sind jetzt Kapazitäten unseres Korps an der Südgrenze gebunden.»

Auch das Aufdecken von Schmuggel gehört zur Arbeit des Korps. 7020 Fälle wurden 2015 registriert – fast 3000 mehr als 2014. «Geschmuggelt wird auf viel befahrenen Übergängen, da Schmuggler dort in der Masse untertauchen können.» Wie viele Schmuggler nicht ertappt werden, sei schwer zu beziffern. «Wir wissen von österreichischen Kollegen, dass ein Grossteil der Personen, die sich die Mehrwertsteuer rückvergüten lassen, diese in der Schweiz nicht anmelden», sagt Kobler. Und wenn jemand seine neue Markenbrille beim Übertritt bereits trage, sei ihm der Schmuggel schlecht nachzuweisen.

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