Auf der Suche nach dem Himmel

Nun haben sie wieder begonnen, die Sommerferien. Menschen ziehen aus, um Erholung oder Abenteuer zu finden, oder ganz einfach glückliche Momente. Und im Ausbruch aus dem Alltag sich selber besser wahrzunehmen und etwas vom gütigen Himmel über sich zu spüren.

Pfarrer Richard Aebi, Sevelen
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Nun haben sie wieder begonnen, die Sommerferien. Menschen ziehen aus, um Erholung oder Abenteuer zu finden, oder ganz einfach glückliche Momente. Und im Ausbruch aus dem Alltag sich selber besser wahrzunehmen und etwas vom gütigen Himmel über sich zu spüren.

Nach einer alten Legende begaben sich einst zwei Freunde auf eine weite Reise: «Es waren zwei Mönche, die lasen miteinander in einem alten Buch, am Ende der Welt gebe es einen Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren, einen Ort, wo Gott sei. Sie beschlossen, ihn zu suchen und nicht umzukehren, bevor sie ihn gefunden hätten. Sie durchwanderten die Welt, bestanden zahlreiche Gefahren, erlitten alle Entbehrungen, die eine Wanderung durch die ganze Welt fordert, und alle Versuchungen, die einen Menschen von seinem Ziel abbringen können. Eine Tür sei dort, so hatten sie gelesen, man brauche nur anzuklopfen und befinde sich bei Gott. Schliesslich fanden sie, was sie suchten. Sie klopften an die Tür, bebenden Herzens sahen sie, wie sie sich öffnete, und als sie eintraten, standen sie zu Hause in ihrer Klosterzelle. Da begriffen sie: Der Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren, befindet sich auf dieser Erde an der Stelle, wo Gott uns haben will, an der Stelle, wo wir leben.»

Wie die beiden Mönche kehren auch die Ferienreisenden wieder heim. Bereichert vom Erlebten sieht man das Altvertraute. Und man spürt, wie lieb und teuer einem das war und ist, auf das man oft gar nicht mehr besonders geachtet hatte. Ja, manchmal muss man in die Ferne schweifen, um den Wert des eigenen wieder neu zu entdecken.

Nun hat die Geschichte mit den beiden Mönchen noch eine tiefere Dimension. Sie suchen den Ort, wo Himmel und Erde sich berühren, wo Gott und Mensch einander nahe sind. Es geht um Religion, um Glauben. Auch da ziehen Menschen fort aus der vertrauten Heimat der Kindheit. Östliches ist im Trend. Und in der Natur wird Spiritualität erlebt. Ob es auch in den Angelegenheiten des Glaubens so ist, dass mancher Fremdes erleben muss oder ganz einfach Distanz braucht, um einst den Wert der eigenen Religion wieder zu entdecken?

Die beiden Mönche fanden den Ort, wo Himmel und Erde sich berühren, in ihrer Klosterzelle. Das bedeutet: Gott ist da, wo wir leben, in den Herausforderungen des Alltags, in den Höhen und Tiefen des Lebens. Da ist er nahe. – Und wenn wir ausziehen in die Sommerferien? Möge uns auch da der gütige Himmel begleiten!