Auf Albert Schweitzers Spuren

Bettina Isler ist am Grabserberg aufgewachsen, wurde Krankenschwester und hilft seit einem Jahr mit ihren beruflichen Erfahrungen den Menschen im ländlichen Tansania. Ein neuer Verein im Werdenberg unterstützt sie künftig dabei.

Hanspeter Thurnherr
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Bettina Isler erzählt vom Alltag in «ihrem» Dorf Bumilo im Nordwesten von Tansania. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Bettina Isler erzählt vom Alltag in «ihrem» Dorf Bumilo im Nordwesten von Tansania. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

GRABSERBERG. Albert Schweitzer ist «schuld», dass Bettina Isler heute als Krankenschwester in Afrika wirkt. Am Grabserberg war der berühmte, in Afrika wirkende deutsch-französische Arzt ein Thema in der Schule. Was die Zehnjährige über ihn hörte, beschäftigte, faszinierte sie – «und es liess mich nicht mehr los», erinnert sie sich. Helfen in Afrika wurde zum Lebenstraum. Nach der Sekundarschule in Grabs absolvierte Bettina Isler Praktika im Pflegeheim Werdenberg und in der Heilpädagogischen Schule in Trübbach. Anschliessend besuchte sie die Vorschule für Krankenpflege in St. Gallen.

Erster Kontakt mit Tansania

Dann packte sie das Reisefieber, das sie mit einem viermonatigen Aufenthalt in Australien zu «kurieren» versuchte. «Damals war für mich die Vorstellung, während der drei- oder vierjährigen Ausbildungszeit nicht für längere Zeit ins Ausland gehen zu können, fast unerträglich», erzählt Bettina Isler und ergänzt: «Trotzdem wurde die dreijährige Ausbildung zur Krankenschwester in Sargans für mich eine schöne, lehrreiche Zeit.»

Anschliessend arbeitete sie im Pflegeheim Werdenberg und wechselte später zur Spitex in Buchs. Dort wurde sie Teamleiterin und erwarb gleichzeitig den Abschluss als Pflegefachfrau in der höheren Fachschule und schloss ein Nachdiplomstudium mit Schwerpunkt «Kinaesthetics» ab.

2013 reiste die heute 30-Jährige zweimal nach Tansania, zuerst für Ferien, dann für einen Freiwilligen-Einsatz. In Dar es Salam lernte sie die Familie Rwizile kennen. Diese Familie startete damals mit dem Aufbau einer Schule in ihrem Heimatdorf Bumilo, das im Nordwesten Tansanias am Viktoriasee liegt. Als die Schweizerin von ihrem Traum erzählte, in Afrika zu leben und zu arbeiten, bekam sie zu hören: «Geh nach Bumilo und schau, ob es dort was zu tun gibt.»

Zurück in der Schweiz überlegte sie sich diese Worte und kam zum Schluss: «Ja, das wäre es.» Im März 2014 reiste sie abermals nach Tansania «für eine Zeit lang», wie sie ihrem Umfeld erzählte. «Aber innerlich war ich mir bewusst, dass es wohl länger sein würde», erzählt sie.

Die weisse Krankenschwester

In Bumilo, einem ländlichen Dorf ohne Wasser und Strom, leben die Menschen überwiegend von der Fischerei und vom Ackerbau. «Obwohl dank viel Regen und milden Temperaturen gute Voraussetzungen für den Ackerbau gegeben sind, scheinen die Menschen perspektivenlos zu sein und resigniert zu haben», stellte Bettina Isler fest. Die Jungen wandern ab, und viele können die Schule aus finanziellen Gründen gar nicht besuchen.

Rasch sprach sich im Dorf und der Umgebung herum, dass die Mzungu (Weisse) eine Krankenschwester ist. So wurde ihr Begleiter und Übersetzer Audax oft gefragt, ob sie nicht helfen könnte. Mit dem Töff fuhren sie bald von Haus zu Haus und halfen, wo es möglich war. Um mehr Wissen über Tropenkrankheiten zu erhalten, arbeitete die Schweizerin einen Monat in einem Spital.

Wunsch «Krankenstation»

Zurück im Dorf stieg die Zahl der Patienten, die nun zum Haus der Krankenschwester kamen und dort stundenlang geduldig bis zur Behandlung warteten. Behandlungsraum war das Gästezimmer. Immer länger wurden auch die Arbeitstage der weissen Schwester, die oft von 8 bis 19 Uhr dauerten. «Einmal in der Woche fahren Audax und ich mit dem Töff ins nächste grosse Dorf, um die dorthin gelieferten Medikamente abzuholen. Die Rückreise auf dem Töff ist mit dem riesigen Paket auf den Sandpisten jeweils abenteuerlich», schmunzelt Bettina Isler.

Der Wunsch nach einer funktionell eingerichteten Krankenstation wurde immer grösser. «Doch die staatlichen Vorschriften sind happig. Erste Pläne und Kostenberechnungen zeigen, dass es rund 30 000 Franken braucht, um diese erfüllen zu können.» Zum Glück kann die Grabserbergerin auf Freundinnen und Freunde in ihrer Heimat zählen. Vor wenigen Tagen ist der Verein Maisha Mema Foundation Tansania gegründet worden. Maisha Mema bedeutet «Gutes Leben» in der Landessprache Suaheli. Dieser hat sich als erstes Ziel gesetzt, die Krankenstation zu finanzieren.

Vortrag von Bettina Isler: 24. April, 19.30 Uhr, Kirchgemeindesaal Räfis www.maisha-mema-tza.ch Spendenkonto: PK 90-862-2

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