Auch die BDP will ins Stöckli

Die beiden St. Galler Ständeräte Karin Keller-Sutter und Paul Rechsteiner werden herausgefordert – von CVP, SVP und seit gestern auch von Richard Ammann von der BDP.

Regula Weik
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BDP-Präsident Richard Ammann will die politische Mitte verstärken. (Bild: Philipp Stutz)

BDP-Präsident Richard Ammann will die politische Mitte verstärken. (Bild: Philipp Stutz)

ST. GALLEN. Die BDP habe bewiesen: «Sie ist keine Eintagsfliege. Sie ist heute eine etablierte Partei, die ernst zu nehmen ist», sagt Richard Ammann. Der Parteipräsident und Kantonsrat – er schaffte die Wahl vor drei Jahren – steigt denn auch mit einem klaren Ziel in den Ständeratswahlkampf: Er will die politische Mitte stärken; diese habe Mühe, «in der zunehmenden Polarisierung zwischen links und rechts» wahrgenommen und im «Links-Rechts-Wahlkampfgetöse» gehört zu werden.

Den Mittelstand fördern

In Bern angekommen, will sich Ammann für «den Mittelstand, die Familienförderung und die KMU» einsetzen. «Der Mittelstand wurde in den vergangenen 20 Jahren von den linken und rechten Parteien vergessen und vernachlässigt. Sie haben ihre Politik auf einkommensschwache und vermögende Gesellschaftsschichten ausgerichtet.» Wenn diese Entwicklung noch einmal 20 Jahre andauert, werde der Mittelstand «erodieren»; dagegen will Ammann ankämpfen. St. Gallen sei ein mittelständischer Kanton – «es ist daher wichtig, dass der Mittelstand dieses Kantons wieder mit einem Vertreter aus der Mitte im Ständerat vertreten ist.»

Heute ist die BDP mit nur einem Ständerat in Bern vertreten, dem Berner Werner Luginbühl. Ammann weiss um die starke Konkurrenz im eigenen Kanton. Die Chance, gewählt zu werden, sei «realistischerweise» nicht allzu gross. Er steige als Aussenseiter ins Rennen, doch aus seiner Sportlervergangenheit weiss der 56-Jährige: «Jedes Spiel beginnt bei 0:0. Erst nach dem Abpfiff zeigt sich, wer wo steht.»

Ammann ist auf dem (Glatt-)Eis zu Hause: Er spielte zwölf Jahre Eishockey in der Nationalliga, war dreizehn Jahre als Eishockey-Trainer tätig, von 2002 bis 2005 schliesslich als Fussball-Nachwuchstrainer.

Seit Abschluss seiner Sportlerkarriere hat der Sekundarlehrer und Vater dreier erwachsener Töchter Zeit für die Politik. Seit zwei Jahren präsidiert er die BDP St. Gallen – die Turbulenzen um seine Partei in den letzten nationalen Wahlen hat er nicht miterlebt (Rückzug des umstrittenen Kandidaten Jürg Gehrig, Bruch der Listen-Absprache mit der FDP). Er stehe für den «Neuanfang», sagt der in Abtwil wohnhafte Ammann. Heute zählt die St. Galler BDP gut hundert Mitglieder. «Sie ist für eine Überraschung gut», attestierte ihr kürzlich der nationale Parteichef Martin Landolt.

Weitere in den Startlöchern?

Vor vier Jahren traten sechs Kandidaten zur St. Galler Ständeratswahl an. Fünf sind es aktuell; ob die Grünen wieder dabei sind, ist offen. Auch die Grünliberalen halten sich bedeckt. Die CVP will den vor vier Jahren an die SP verlorenen Sitz mit Thomas Ammann, Gemeindepräsident von Rüthi und Fraktionschef im Kantonsparlament, zurückgewinnen. Zum dritten Mal Anlauf nimmt die SVP; die stärkste Partei im Kanton ist bislang beim Sturm aufs Stöckli stets gescheitert. Nun soll es Thomas Müller, Nationalrat und Rorschacher Stadtpräsident, richten. CVP wie SVP haben den Sitz von Paul Rechsteiner im Visier.

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