Armut in der Region Werdenberg

Allein im Werdenberg leben etwa 3000 Menschen am Existenzminimum, knapp 700 Betroffene beziehen Sozialhilfe. Es kann davon ausgegangen werden, dass 2300 Menschen am Existenzminimum leben und auf sich alleine gestellt sind. Sie kämpfen monatlich mit ihrem Budget und gegen Vorurteile.

Lorenz Bertsch
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Lorenz Bertsch Leiter Regionalstelle Sargans Caritas St. Gallen-Appenzell (Bild: pd)

Lorenz Bertsch Leiter Regionalstelle Sargans Caritas St. Gallen-Appenzell (Bild: pd)

Allein im Werdenberg leben etwa 3000 Menschen am Existenzminimum, knapp 700 Betroffene beziehen Sozialhilfe. Es kann davon ausgegangen werden, dass 2300 Menschen am Existenzminimum leben und auf sich alleine gestellt sind. Sie kämpfen monatlich mit ihrem Budget und gegen Vorurteile. Die Regionalstelle Sargans der Caritas St. Gallen-Appenzell setzt sich für in Not geratene Menschen aus unserer Region ein. Seit ihrer Gründung vor knapp fünf Jahren ist der Zulauf an Hilfesuchenden stetig gestiegen.

Die Mittelschicht muss gestärkt werden, die Reichen sind Abzocker und die Sozialhilfeempfänger werden regelmässig als Schmarotzer bezeichnet. Parolen, die immer wieder in der Politlandschaft ertönen. Oft vergessen geht die als «Armutsschicht» oder «unterste Schicht» bezeichnete Gruppe.

Das sind hauptsächlich «Working Poor». Menschen, die arbeiten, aber trotzdem nur so viel verdienen, dass sie knapp am Existenzminimum leben müssen. Sie arbeiten vielfach im Tieflohnsegment, haben vielleicht keine Ausbildung absolviert, sind alleinerziehend oder leben getrennt/geschieden und zahlen Alimente für ihre Kinder.

Schicksalsschlag

Vielfach rutschen sie auch durch einen Schicksalsschlag in die Armut. Ein Beispiel: In einer Familie ist der Vater an Krebs erkrankt. Der Lohn reduziert sich auf 80 Prozent (Aus 5100 werden 4080 Franken). Zur lebensbedrohlichen Krankheit kommen finanzielle Sorgen, die Betroffenen werden mit ihrem Schicksal alleine gelassen. Ein Beispiel, wie es sich in unserer unmittelbaren Nachbarschaft abspielen kann.

Menschen, die armutsbetroffen sind, beziehen keine Sozialhilfe und tragen alle Kosten selber. Wenn eine ausserordentliche Rechnung wie beispielsweise für eine Zahnbehandlung oder eine Brille anfällt, ist die Situation fast nicht mehr zu bewältigen. Das Kartenhaus bricht zusammen, die Schuldenfalle droht.

Gesellschaftlicher Ausschluss

Armutsbetroffenen Menschen fehlt aber noch weit mehr: Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Sie können sich keine Ferien leisten, ihnen fehlt das Geld für einen Kinobesuch oder für einen Vereinsbeitrag und auch das Jahresabonnement für das Schwimmbad ist für ihre Verhältnisse zu teuer. Dies alles führt zum gesellschaftlichen Rückzug und Ausschluss aus der Gesellschaft. Sie sind sozial und kulturell ausgegrenzt.

Kosten steigen

Wir alle erleben, dass die Krankenkassenprämien jährlich steigen und die Mietpreise nach oben angepasst werden. Armutsbetroffene Menschen sind vielfach schlechter versichert und müssen somit mehr Selbstkosten tragen. Die Mietkosten sind in einigen Regionen so hoch, dass sie 35 bis 50 Prozent des Einkommens auffressen. Wir bewegen uns langsam aber sicher in Richtung Zweiklassengesellschaft.

Projekte für Armutsbetroffene

Die Regionalstelle Sargans der Caritas St. Gallen-Appenzell setzt sich mit Beratungen und Projekten für armutsbetroffene, ausgegrenzte und in Not geratene Menschen ein. Caritas leistet schnelle und unbürokratische Überbrückungshilfen, sie arbeitet mit betroffenen Menschen Massnahmen aus, um ihre Lebenssituation zu verbessern und unterstützt bei Fragen zur sozialen Existenzsicherung.

Selbstverständlich ist die Regionalstelle Sargans auch auf Spenden angewiesen. Wenn Sie für armutsbetroffene Menschen in der Region spenden möchten, können Sie sich gerne bei der Regionalstelle Sargans melden, oder Sie spenden direkt auf unser Konto: 90-155888-0, IBAN: CH57 0078 1011 0356 4620 7, Caritas St. Gallen-Appenzell, Zürcherstrasse 45, 9013 St. Gallen, Vermerk: «Sozialdienst Sargans».