Armes weisses Schwänlein

Ein weisses Schwanküken unter sechs grauen zu sein, ist nicht immer einfach. Der weisse Werdenberger Jungschwan schwimmt oft abseits, wird wahrscheinlich mehr von den anderen attackiert und früher von den Eltern vertrieben. Seine hellen Füsse könnten empfindlicher sein.

Alexandra Gächter
Merken
Drucken
Teilen
Schnabel und Füsse des weissen Jungschwans sind heller als die seiner Geschwister. Während der Schnabel später bei allen orange und das Federkleid weiss wird, behält das weisse Küken seine hellen Füsse. (Bilder: Corinne Hanselmann)

Schnabel und Füsse des weissen Jungschwans sind heller als die seiner Geschwister. Während der Schnabel später bei allen orange und das Federkleid weiss wird, behält das weisse Küken seine hellen Füsse. (Bilder: Corinne Hanselmann)

BUCHS. Der Werdenberger Schwanenvater ist Träger des «Weiss-Allels». Er hat aber nur eines dieser Farballele, sonst wären seine Füsse hell. So oder so: es ist möglich, dass Küken von ihm weiss anstatt wie normalerweise grau geboren werden. Genau dies war heuer der Fall. Einer der sieben Jungschwäne ist weiss.

Da die Schwanenmutter keine Trägerin des «Weiss-Allels» ist und der Vater nur eines dieser Allele hat, muss es sich beim weissen Schwänlein um ein Weibchen handeln. Denn männliche weisse Küken gibt es nur, wenn durch Vater und Mutter zwei dieser Farballele weitergegeben werden (vgl. Titelseite).

Füsse eventuell empfindlicher

Etwas auffallend ist, dass das weisse Schwänlein oft am Rande der Gruppe schwimmt. Ein Zufall? «Das kann man nicht mit Gewissheit sagen», sagt Biologin Sophie Jaquier von der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach.

Jedoch weisen verschiedene Quellen darauf hin, dass weisse Jungschwäne öfter von den anderen Schwänen attackiert werden.

Da die weissen Küken weniger Farbpigmente produzieren, haben sie auch helle Schnäbel und Füsse, während die grauen Küken sehr dunkle Schnäbel und Füsse haben. Der Schnabel wird später bei allen orange. Die hellen Füsse der weissen Küken bleiben hingegen Erkennungsmerkmal. «Es ist möglich, dass die hellen Füsse empfindlicher sind als die dunklen», so Jaquier.

Gescheckte Jungschwäne

Die Werdenberger Jungschwäne sind zweieinhalb Monate alt. Körperfedern haben sie bereits, nun beginnen die Flugfedern zu wachsen. Im September werden sie voraussichtlich alle Flugfedern haben. Mit fünf Monaten, also Anfang Oktober, sind sie so gut wie ausgewachsen und beginnen, unabhängig zu werden, sagt Jaquier.

Die ehemals grauen Küken werden zu diesem Zeitpunkt braune Federn haben. Über den Winter werden diese Schwäne nach und nach weiss und sind zwischenzeitlich gescheckt. Obwohl sie schon früher selbständig sind, werden die Jungschwäne oft erst vor der nächsten Brut im Frühling von den Eltern vertrieben.

Früher geschlechtsreif

Das weisse Schwänlein bleibt während des Federwechsels und auch danach weiss. «Schwaneneltern verhalten sich gegenüber weissen Jungschwänen meist aggressiver als gegen seine graubraunen Geschwister. Die weissen Jungschwäne werden auch früher aus dem elterlichen Territorium vertrieben», sagt Jaquier. Das hänge wohl damit zusammen, dass die weissen Jungschwäne früher geschlechtsreif sind. «Theoretisch sind die weissen Weibchen schon mit einem Jahr geschlechtsreif. Die anderen erst mit zwei Jahren, brüten aber meist noch nicht, weil sie oft noch keinen Partner haben.»

Population gleicht sich aus

Da die weissen Jungschwäne eher Opfer von Aggressionen werden und sie zudem früher vertrieben werden, ist die Sterberate bei ihnen höher, erklärt Jaquier. «Dadurch, dass die Weibchen aber früher geschlechtsreif sind, können sie ein Jahr früher Eier legen. Das gleicht vermutlich die Population wieder etwas aus.»

Der weisse Jungschwan schwimmt abseits der anderen. Zufall oder nicht, er wird vermutlich früher von den Eltern vertrieben und wohl öfters von den Geschwistern attackiert. (Bild: Corinne Hanselmann)

Der weisse Jungschwan schwimmt abseits der anderen. Zufall oder nicht, er wird vermutlich früher von den Eltern vertrieben und wohl öfters von den Geschwistern attackiert. (Bild: Corinne Hanselmann)