AOP-«Bloderchäs» ist «Bloderchäs»

Der im Jahr 2010 eingetragene Schutz für die Toggenburger Käsespezialität greift. Nur wer sein Produkt AOP-zertifizieren liess, darf den Namen noch verwenden. Dies nicht zur Freude bäuerlicher Produzenten, welche auf die Zertifizierung verzichten.

Adi Lippuner
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Der frisch produzierte Bloderkäse – eine Toggenburger Spezialität – wird in die vorbereiteten Formen gefüllt. (Bild: Adi Lippuner)

Der frisch produzierte Bloderkäse – eine Toggenburger Spezialität – wird in die vorbereiteten Formen gefüllt. (Bild: Adi Lippuner)

REGION. Die Geschichte des «Bloderchäs» beginnt vor mehreren hundert Jahren. Gemäss Überlieferung haben nomadisierende Völker des Ostens die ursprüngliche Käsefabrikation ohne Lab gepflegt. Diese Art der Käseproduktion konnte sich über Jahrhunderte erhalten und wurde in der Region Toggenburg und Werdenberg sowie im Fürstentum Liechtenstein perfektioniert. Funde beweisen, dass es vor 2000 Jahren auf den Hochalpen bereits Sennereien gab, welche die Milch ohne Lab haltbar machen konnten.

Schutz seit 2010

Im Jahr 2005 wurde der Verein «Bloderchäs-Suurchäs» gegründet. Auf Initiative des leider verstorbenen Reinhard Kobelt nahmen sich innovative Produzenten aus dem Toggenburg, Werdenberg und Liechtenstein dem Anliegen an, der regionalen Spezialität zu mehr Bekanntheit zu verhelfen. Gleichzeitig wurde der Schutz von Bloder- und Sauerkäse angestrebt.

Mit der Verleihung der geschützten Ursprungsbezeichnung im Jahre 2010 konnte das erklärte Ziel des Vereins erreicht werden. Wie Präsident und Geschäftsführer Hans Oppliger aus Frümsen auf Anfrage erklärte, wurden sämtliche Schritte mit den Produzenten abgesprochen. «Es gab Versammlungen, an denen das Pflichtenheft, welches mit dem Eintrag der geschützten Ursprungsbezeichnung verbunden ist, genau erläutert wurde.» Käser Hans Stadelmann, Nesslau, selbst Vorstandsmitglied des Vereins Sauerkäse-Bloderkäse, habe den gesamten Prozess als Fachmann begleitet.

«Es war immer klar, dass der Name <Bloderchäs> mit Inkrafttreten der geschützten Ursprungsbezeichnung AOP (Appellation d'Origine Protégée) nur noch von zertifizierten Betrieben verwendet werden darf», reagiert Hans Oppliger auf Kritik aus dem Toggenburg.

Während die beiden Käser Hans Stadelmann, Nesslau, und Thomas Stadelmann, Unterwasser, die AOP-Zertifizierung durchgeführt haben, ist dies für kleinere Produzenten offenbar keine Option. Dass sie nun ihren «Bloderchäs» nicht mehr unter dem gewohnten Namen verkaufen dürfen, stösst sauer auf. Offiziell wollte sich niemand äussern, aber der Unmut ist gross. Ein Produkt, welches seit Jahren als «Bloderchäs» im Handel ist, muss nun, gemäss geltender Vorschrift, als «frischer Sauerkäse» angeschrieben werden.

Geschützt ist auch die Bezeichnung «Toggenburger Sauerkäse», «Werdenberger Sauerkäse» und «Liechtensteiner Sauerkäse». Gemäss Hans Oppliger ging es beim Eintrag der Schutzmarke darum, das Wort «Bloderchäs» zu schützen, um Nachahmer auszuschalten, beim Sauerkäse bestehe der Schutz nur in Verbindung mit der regionalen Bezeichnung.

Fettgehalt als Streitpunkt

Und wo ist nun der Knackpunkt genau? Gemäss Hans Stadelmann geht es um den Salz- und Fettgehalt des «Bloderchäs». Letzterer ist genau definiert und darf maximal 14,9 Prozent in der Trockenmasse enthalten, um als Magerkäse mit hohem Eiweissgehalt zu gelten. «Und genau daran scheiden sich die Geister. Während die einen Käser überzeugt sind, dass sich diese Rezeptur bewährt, hätten andere gern einen höheren Fettgehalt, und dies entspricht nicht der Vorschrift.» Problemlos eingehalten werden könne dagegen der Salzgehalt, so der Fachmann.

Und dann wäre da auch noch die Sache mit dem Geld: Die AOP-Zertifizierung kostet alle zwei Jahre 500 Franken. Im Gegenzug konnte beim Bundesamt für Landwirtschaft erreicht werden, dass auch «unterfette Käse» wie «Sauer- und Bloderchäs» sowie der Glarner Schabziger die 15 Rappen Verkäsungszulage pro Kilo Milch erhalten. «Wer also rund 1300 Kilo Milch pro Jahr verarbeitet, hat damit ein Nullsummenspiel» so Hans Oppliger.

Zudem weiss der politisch aktive Kantonsrat, dass hinter den Kulissen Diskussionen laufen, um in nicht allzu ferner Zukunft nur noch für AOP-Käse die Zulage zu bezahlen. «Ein AOP-Schutz ist also mittel- bis langfristig durchaus im Interesse unserer Produzenten», so Hans Oppliger.

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