Ansichten prallen aufeinander

Der Circus Royal wurde wegen der Löwennummer in seinem Programm angezeigt. Die Anklage wegen Tierquälerei wurde von der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen.

Carmina Wälti
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Gemäss TIR sieht man unter anderem an den angelegten Ohren und dem Fauchen, dass die Löwen keinen Spass daran haben. (Bild: PD)

Gemäss TIR sieht man unter anderem an den angelegten Ohren und dem Fauchen, dass die Löwen keinen Spass daran haben. (Bild: PD)

Die Tierschutzorganisation Tier im Recht (TIR) forderte mit der Klage die sofortige Absetzung der Löwennummer. Das Tierschutzgesetz schützt Tiere auch vor Erniedrigungen und übermässigen Instrumentalisierungen, also auch vor Belastungen, die nicht zwingend mit körperlichen Schmerzen oder Leiden verbunden sind. «Wird die Tierwürde verletzt, muss dies durch gewichtige Gründe gerechtfertigt werden. Die Haltung und Dressur von Wildtieren in Zirkusbetrieben dient einzig der Unterhaltung des Publikums», schreibt TIR. Ein solcher Zweck könne die schweren Belastungen, die den Tieren zugemutet werden, jedoch keinesfalls rechtfertigen.

Gemäss Staatsanwaltschaft keine Tierquälerei

Die St. Galler Staatsanwaltschaft gab bekannt, keine Strafuntersuchung zu eröffnen. Der Zirkus habe eine Bewilligung vom Veterinäramt erhalten und es bestehe kein Tatbestand der Tierquälerei oder Tierwürde-Verletzung. Zirkusdirektor Oliver Skreinig wehrt sich gegen die Vorwürfe der Tierschützer: «Die Löwen stellen einen persönlichen, aber auch einen finanziellen Wert dar. Wir sind daher aus beiden Sichten bestrebt, sicherzustellen, dass es den Tieren gut geht.» Sie würden die Löwen tiergerecht halten und individuell schauen, was die Tiere brauchen. Ein artgerechtes Leben sei allerdings nur in der freien Natur möglich. Der Schutz der Tierwürde besagt, dass Tiere einen Eigenwert haben und nicht beliebig für die Interessen des Menschen, sondern in erster Linie um ihrer selbst willen existieren. «Wenn man das Gesetz so auslegt, müsste man sich generell die Frage stellen, ob in einer Mensch-Tier-Beziehung nicht immer die Würde verletzt wird. Dann müsste man auch allen Menschen verbieten, auf Pferden zu sitzen», so Skreinig. TIR betont, dass eine gewisse Instrumentalisierung zwar mit jeder Tiernutzung einhergehe, sie aber übermässig sei, wenn ein Tier vorwiegend als Werkzeug für menschliche Zwecke betrachtet wird, wie zum Beispiel die Löwen im Zirkus.

Gemäss TIR missachtet die Nummer in massiver Weise den Eigenwert der betroffenen Löwen, die gleichermassen erniedrigt und instrumentalisiert würden. Skreinig stimmt dem nicht zu: «Die Tiere machen nur, was sie auch in der Natur in irgendeiner Form machen.» Das einzig Unnatürliche sei der bestimmte Zeitpunkt, zu welchem sie die Kunststücke in der Manege machen müssen. «Zweifellos und ohne weiteres erkennbar bereiten die Kunststücke den Tieren weder Freude noch Stimulanz», so TIR. Die Löwinnen würden nämlich ein deutliches Meide- und Drohverhalten zeigen. TIR kritisiert an der Löwennummer ausserdem, sie impliziere, dass der Mensch als herrschende Spezies alles unterwerfen und beliebig dominieren könne und dürfe. Anstatt das Publikum für die Bedürfnisse und den Schutz der Tiere zu sensibilisieren, werde ein fatales Mensch-Tier-Verhältnis zementiert. «Wenn ich als Mensch nicht das Alphatier in der Manege bin, funktioniert die Beziehung gar nicht», argumentiert der Zirkusdirektor dagegen.

Verbot für bestimmte Tiere im Zirkus

Tierschützer setzen sich dieses Jahr besonders stark gegen die Durchführung der Löwennummer ein: Zum Beispiel wurden Werbeplakate überklebt oder es wurden Zirkustransporter besprayt. Anfang 2016 hat die TIR gemeinsam mit Pro Tier und Vier Pfoten eine Petition für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus lanciert. Mehr als 30 Länder weltweit haben Verbote für alle oder bestimmte Tierarten im Zirkus bereits erlassen, die Schweiz zählt nicht dazu.