Anleger von Ex-Kaufmann um Millionen betrogen

ST. GALLEN. Einem ehemaligen Kaufmann aus dem Kanton St. Gallen droht eine fünfjährige Freiheitsstrafe. Er soll 331 Anleger um 30 Millionen Franken betrogen haben.

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ST. GALLEN. Einem ehemaligen Kaufmann aus dem Kanton St. Gallen droht eine fünfjährige Freiheitsstrafe. Er soll 331 Anleger um 30 Millionen Franken betrogen haben.

Beim Prozess handle es sich um einen der grössten Betrugsfälle im Kanton, sagte der Staatsanwalt gestern vor dem Kreisgericht St. Gallen. Ein ehemaliger Matrose mit Weiterbildung zum Kaufmann soll 331 Anleger um 30 Millionen Franken betrogen haben. Mitangeklagt sind seine 16 Jahre ältere Ex-Freundin und ein 64jähriger Buchhalter. Der Prozess dauert drei Tage. Das Urteil wird voraussichtlich im August gefällt.

Geld im Plastiksack übergeben

Der Hauptangeklagte rekrutierte seine Kunden vor allem in der Seglerszene am Bodensee, wie er vor Gericht zugab. Nach Regatten habe er im Bekanntenkreis seiner damaligen Partnerin jeweils potenzielle Kunden kontaktiert und ihnen ein «professionelles Money-Managing» angeboten.

Mit Hilfe der Freundin gründete er eine Aktiengesellschaft namens E-Brokerline. Zwischen 2001 und 2009 soll der Angeklagte mit dieser Einzelfirma ein schneeballartiges Betrugssystem aufgezogen haben. Dabei sei er systematisch und geschickt vorgegangen, sagte der Staatsanwalt. Er habe den Kunden den Eindruck eines seriösen Geschäftsmannes vorgegaukelt und ihnen versprochen, sie könnten ihr Geld jederzeit zurückverlangen. Vielen Anlegern schüttete er zuerst Gewinne aus, obwohl die spekulativen Börsengeschäfte nur Verluste einbrachten. Das Geld dafür kam von neuen Kunden, die ihm zum Teil Beträge in der Höhe von mehreren hunderttausend Franken anvertrauten.

«Geld auf den Tisch geschüttet»

«Die Leute haben mir ihr Geld auf den Tisch geschüttet, ohne zu prüfen, ob meine Firma seriös arbeitet», sagte der Angeklagte. Ein Beispiel machte sein mitangeklagter Treuhänder, ein Buchhalter aus dem Kanton St. Gallen: Ein Kunde aus Österreich habe dem Geschäftsführer der Brokerfirma einen Plastiksack mit 500 000 Euro übergeben.

Hauptangeklagter ist vorbestraft

Statt die Kundengelder an der Börse arbeiten zu lassen, verwendete der Beschuldigte den grössten Teil, um früher angehäufte Schulden zurückzuzahlen und seinen aufwendigen Lebensstil zu finanzieren. Er und seine Lebenspartnerin kauften teure Autos, eine Segelyacht und drei Eigentumswohnungen.

Mit dem Erlös aus dem Verkauf der beschlagnahmten Vermögenswerte sollen die Prozesskosten finanziert und geprellte Kunden entschädigt werden. Der Staatsanwalt verlangt für den Hauptangeklagten wegen gewerbsmässigen Betrugs, Veruntreuung, Urkundenfälschung und weiterer Delikte eine Freiheitsstrafe von 60 Monaten. Der 53jährige Schweizer ist bereits vorbestraft, weil er schon einmal auf kriminelle Weise eine Brokerfirma in den Sand gesetzt hatte.

Geprellte gehen leer aus

Forderungen der geprellten Anleger in der Höhe von rund 12 Millionen Franken anerkennt der Angeklagte. Die Chance, dass die Geschädigten ihr Geld erhalten, sei jedoch klein, sagte er. Er lebe mit seiner Frau und den beiden Kindern in Polen, wo er als Selbständiger im Wassersport arbeite. Das Einkommen von 2000 Franken pro Monat reiche zusammen mit dem Einkommen seiner Frau knapp, um den Lebensunterhalt der vierköpfigen Familie zu bestreiten.

Die Exfreundin des Hauptangeklagten erschien nicht vor Gericht. Sie wurde aus gesundheitlichen Gründen dispensiert. Für die 69-Jährige, die jahrelang Verwaltungsratspräsidentin der E-Brokerline war, verlangt die Anklage eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten mit einer Probezeit von zwei Jahren. Der ehemalige Treuhänder soll mit einer bedingten Geldstrafe von 360 Tagessätzen à 400 Franken bestraft werden. (sda)

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