Angst auf dem Bankenplatz Liechtenstein

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Bern/Vaduz Bereits im Oktober wurde bekannt, dass der Bankenplatz Liechtenstein sich vor dem Automatischen Informationsaustausch mit der Schweiz fürchtet (W&O vom 28. Oktober 2016). Viel lieber hätte die Branche eine Abgeltungssteuer zwischen Liechtenstein und der Schweiz gehabt. Mit dieser wären Schweizer Kunden, welche ihr Geld auf Bankkonten im Fürstentum horten, anonym geblieben. Seit gestern ist bekannt, dass der Schweizer Bundesrat den Automatischen Informationsaustausch (AIA) in Steuersachen mit weiteren Partnerländern will, darunter ist auch Liechtenstein. Den entsprechenden Vorschlag schickt die Landesregierung nun in die Vernehmlassung.

Schätzungsweise ein Viertel aller verwalteten Kundengelder in Liechtenstein stammen aus der Schweiz. Der AIA würde bedeuten, dass der Schweizer Fiskus über diese Bankbeziehungen seiner Steuerzahler automatisch informiert wird. Darum wird im Fürstentum befürchtet, dass viele Schweizer Kunden ihr Schwarzgeld abziehen werden. Der AIA hat seine Schatten bereits geworfen: 2016 wurden im Kanton St. Gallen rund 72 Mio. Franken eingenommen – als nachträgliche Steuern für Vermögen, das im Kanton wohnhafte Steuerzahler auf dem Bankenplatz Liechtenstein parkiert haben. Eine Selbstanzeige bleibt straflos, verpflichtet aber zur nachträglichen Versteuerung. (ts)