ALTSTÄTTEN: Gras und Geld im Visier

Sechs Männer überfielen im Februar 2015 eine Hanfplantage in Altstätten. Demnächst beginnt der Prozess.

Drucken

Als die Polizei am Morgen des 18. Februars 2015 auf dem Industrieareal an der Alten Landstrasse in Altstätten eintraf, fand sie dort zwei durch Schüsse schwer- verletzte Männer vor und entdeckte eine riesige Indoor-Hanfanlage mit knapp 10 000 Pflanzen – bereit zur Ernte. Vor dem Kreisgericht Rheintal stehen ab dem 16. Januar sechs Männer, denen die Beteiligung am Überfall auf die Cannabisplantage vorgeworfen wird.

Gummigeschosse und andere Munition

Einer von ihnen hatte laut Anklage bereits im Dezember 2014 einen ersten Versuch unternommen. Danach habe er gewusst, dass die Anlage von bewaffneten Wächtern beschützt werde, die telefonisch Verstärkung herbeirufen könnten und dass es eine Videoanlage gebe, heisst es in der Anklageschrift. Zusammen mit fünf anderen Männern habe er einen zweiten Überfall geplant. Einer von ihnen hatte bereits Erfahrung in solchen Angelegenheiten: Er war an einem Postraub in Zürich beteiligt gewesen und dafür im Gefängnis gesessen. Alle Beteiligten sollten sich vermummen und Handschuhe tragen. Um die Gegner zu täuschen, wurden einige mit Polizeiwesten ausgerüstet. Mit einem «Jammer» wollten sie Mobilfunkverbindungen stören. Um die Cannabisblüten im Wert von mehreren hunderttausend Franken ernten zu können, besorgten sie sich eine batteriebetriebene Heckenschere.

Für den Überfall nahm einer eine Schrotflinte mit. Dafür soll er Gummigeschosse, aber auch andere Munition eingepackt haben. Doch dann lief die Aktion schief. Der «Jammer» funktionierte nicht ausreichend, die Bewacher telefonierten nach Verstärkung. Im Verlauf des Überfalls habe ein Angreifer mit der Schrotflinte gefeuert, die er laut Anklage mit Flintenlaufgeschossen geladen hatte, und damit beide Bewacher getroffen.

Die Männer seien gefesselt und ausgefragt worden, wo sich das Gras und das Geld befinde. Dann hätten die Angreifer realisiert, wie schwer die Bewacher verletzt waren, und den Überfall abgebrochen. Waffen und Mobiltelefone nahmen sie noch mit und flohen. Von der Autobahn aus riefen sie die Notnummer an und teilten mit, dass sich in der Halle zwei Schwerverletzte befänden. Der eine Bewacher überlebte die Schussverletzungen nur knapp. Er sei seither vollständig arbeitsunfähig und werde nie mehr gesund werden, heisst es in der Anklageschrift. Der andere kam mit Schussnarben davon.

Staatsanwaltschaft fordert mehrjährige Freiheitsstrafen

Die Staatsanwaltschaft hat die sechs Männer unter anderem wegen Raub, mehrfacher versuchter Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Nötigung oder Amtsanmassung angeklagt und fordert für sie mehrjährige Freiheitsstrafen. Ihnen werden teilweise noch andere Delikte zur Last gelegt. Die konkreten Anträge werden an der Verhandlung bekannt gegeben.

Das Kreisgericht Rheintal, das im Saal des Kantonsgerichts St. Gallen tagt, hat für den Prozess insgesamt sechs Tage vorgesehen. (sda)