Alte Sperren gegen den Feind

In der Ostschweiz und im Werdenberg gibt es Armeebauten, die ausgedient haben – etwa Panzersperren oder Bunker. Manche werden aufgehoben oder direkt abgebrochen, andere werden beispielsweise zum Verkauf angeboten.

Samuel Koch
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Unscheinbares Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges: Panzersperre auf der Autobahn A13 bei Sevelen. (Bild: Benjamin Manser)

Unscheinbares Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges: Panzersperre auf der Autobahn A13 bei Sevelen. (Bild: Benjamin Manser)

OSTSCHWEIZ/SEVELEN. Täglich rollen an Spitzentagen über 60 000 Fahrzeuge auf der Autobahn A13 südlich der Ausfahrt Sevelen über eine rund sieben Meter lange Betonplatte. Sie zieht sich wie ein Teppich quer über die ganze Autobahn. Vielen Autofahrern dürfte nicht bewusst sein, wozu die Installation früher diente. Es ist eine Panzersperre der Schweizer Armee, bestehend aus über 20 Schächten im Beton. Werden die Schachtdeckel entfernt, öffnen sich über einen Meter tiefe Löcher. Im Ernstfall liesse sich die Autobahn mit Hilfe von eingelassenen Eisenbahnschwellen auf der ganzen Breite sperren.

«Auch für den Grenzschutz»

Ursprünglich dienten die Panzerbarrikaden dazu, bei militärischen Angriffen die Weiterfahrt für Panzer zu verhindern oder zu erschweren. Die Armasuisse, das Zentrum für den Einkauf von Rüstungsgütern des Bundes, schreibt jedoch auf Anfrage: «Panzerbarrikaden sind nicht nur für die Landesverteidigung, sondern können auch dem Grenzschutz oder der Polizei behilflich sein.»

Standorte bleiben geheim

Heute befinden sich in der Ostschweiz noch mehrere Dutzend Panzersperren – auch ausserhalb der Grenzgebiete. Neben den drei Panzersperren auf der Autobahn bei Sevelen, Sargans und Oberriet existieren gemäss Armasuisse noch weitere 41 auf öffentlichen Strassen des Kantons St. Gallen. Zu den genauen Standorten der 85 Panzersperren in der Ostschweiz gibt die Armasuisse keine Auskunft. «Die Sperrstellen unterstehen weiterhin den Informationsvorschriften des VBS.»

Genauso wenig will sie sich dazu äussern, welche Schächte früher mit Sprengstoff als Waffe gegen feindliche Truppen ausgerüstet waren. Fakt ist, dass die Schweizer Armee noch bis Ende 2014 Grenzbrücken über den Rhein nach Deutschland – und andere strategisch wichtige Orte – mit Sprengfallen armiert hatte (siehe Zweittext).

Mittlerweile bettet die Armee keine neuen Panzersperren mehr in die Strassen ein. Vielmehr werden die bestehenden in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Strassen sukzessive zurückgebaut. «Wir bauen die Sperren aber erst im Zusammenhang mit Strassen- oder Werkleitungssanierungen ab», so die Armasuisse. Dies vor allem, um keine zusätzlichen Kosten zu verursachen.

Sperrstelle für 40 000 Franken

Werden militärische Sperrstellen wie Panzersperren, Bunker oder Festungsanlagen nicht abgebaut, werden sie verkauft. So passiert 2010, als die Gemeinde Thal militärische Anlagen von der Sperrstelle Halten-Thal übernahm. Mehrere Hindernisse für Geländepanzer, ein Infanteriewerk, drei Bunker und sechs Unterstände hatte die Armee dort in den 1930er-Jahren gebaut.

Halten-Thal erschwerte während des Zweiten Weltkriegs den Zugang von der östlichen Landesgrenze in Richtung Rorschach und St. Gallen.

Schützenswerte «Toblerone»

Die Armasuisse plant, weitere Objekte zu verkaufen, die sonst «stillgelegt, mit geringstem Aufwand gehütet oder zurückgebaut» würden. Panzersperren wie diejenigen auf der A13 seien jedoch nicht erwerbbar. Gerade Hindernisse für Geländepanzer – sogenannte Toblerone – seien zudem teilweise «militärhistorisch erhaltenswert». An einigen Stellen sind sie laut Armasuisse auch ökologisch wertvoll. «Wir suchen mit Kantonen und Gemeinden aktiv das Gespräch über die potenzielle Verwendung von ehemaligen militärischen Anlagen.»

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