Alte Handwerkskunst live erlebt

Die leider etwas wenigen Besucher zeigten sich am speziellen Handwerksmarkt in Gams erfreut über die alte Handwerkskunst, die gestern Sonntag gezeigt wurde. Das eine oder andere – fast vergessene – Handwerk blüht wieder auf, wie man beeindruckt feststellen durfte.

Heidy Beyeler
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Heidi und Patrik Stäger gaben am Handwerksmarkt einen interessanten Einblick in die Geheimnisse der an sie überlieferten Kunst des Schindelmachens. (Bild: Heidy Beyeler)

Heidi und Patrik Stäger gaben am Handwerksmarkt einen interessanten Einblick in die Geheimnisse der an sie überlieferten Kunst des Schindelmachens. (Bild: Heidy Beyeler)

GAMS. Zum zweitenmal fand gestern der Gamser Handwerksmarkt bei der Alten Mühle statt. Wie vor zwei Jahren hat auch dieses Jahr Gabriela Liebrand, Wollcafé Gams, den Markt organisiert. Die Besucher hatten die Gelegenheit, den Handwerkern bei der Arbeit über die Schultern zu schauen und sich mit ihnen zu unterhalten.

Die Kunst fordert Geduld

Insgesamt gab es 13 Stände, an denen gearbeitet oder die von Hand geschaffene Ware feilgeboten wurde. Die Land-Handwerkerin Sonja Weichelt-Huggenberger aus Chur spann aus gekardeter Wolle ganz ruhig und bedächtig Wollfäden, die später zum Stricken Verwendung finden. Ein weitere Handarbeiterin zeigte, wie das Filetknüpfen geht. Eine Technik, die aussergewöhnlich viel Geduld abverlangt. So kam denn auch aus dem Staunen kaum mehr heraus, wer beispielsweise eine feine, äusserst aparte Tischdecke auf einem runden Tisch entdeckte.

Die junge Bildhauerin Barbara Willax aus Wangs brachte für den Handwerksmarkt kleinere Skulpturen aus Marmor mit – schöne, elegante, weisse Figuren. Im Moment trifft man sie an verschiedenen Handwerks- und Mittelaltermärkten an, wo sie gerne über ihre Arbeit spricht, die ihr grosse Freude bereitet.

Schindelmacher im Aufwind

Wer am Stand von Patrik Stäger aus Untervaz vorbeigehen wollte, hielt augenblicklich inne. «Was riecht hier so gut?», mag sich der eine oder andere gefragt haben. Ein Duft von Lärchenholz strömte einem entgegen. Der Schindelmacher und seine Frau Heidi bereiteten dünne Holzblätter, Schindeln eben. Die beiden zeigten Interessierten, wie Schindeln akkurat von Hand gefertigt werden. Es ist aber nicht nur das Handwerk, sondern auch das überlieferte Wissen, das die Zaungäste geradezu in den Bann zog.

Auch hier ist Langmut gefragt. Für Schindeln, die das Haus während mindestens hundert Jahren vor Wind und Wetter schützen müssen, sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen, erklärt Patrik Stäger. Er übt das Handwerk des Schindelmachers bereits in fünfter Generation aus und hat es von seinen Vorfahren authentisch übermittelt bekommen.

So ist es wichtig, darauf zu achten, zu welchem Zeitpunkt (Mondphase) der Baum gefällt wird. Sein Grundsatz: «Man muss das rechte Holz am rechten Ort und zur rechten Zeit fällen.» Die Marktbesucher waren fasziniert, als Heidi und Patrik Stäger von ihrem seltenen Handwerk sprachen, dem man momentan eine gute Zukunft voraussagt.

Qualitativ sehr hochstehend

Für die Besucher waren die Begegnungen mit den verschiedenen Handwerksleuten äusserst interessant. Die Organisatoren und die Marktleute hätten einen etwas regeren Betrieb erhofft – der sicher auch wegen der grossen Hitze nicht so ausfiel, wie man es sich gewünscht hätte. «Qualitativ war der heutige Tag sehr zufriedenstellend», sagte Mitorganisator Helmut Koch motivierend – im Hinblick auf den 3. Handwerksmarkt, der in zwei Jahren stattfinden soll.