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ALT ST. JOHANN: Milch und Bier im Zielraum

Am vergangenen Sonntag nahm Cony Lusti am 90 Kilometer langen Wasalauf in Schweden teil. Dieser ist der älteste, längste und traditionellste Langlaufwettkampf weltweit.
Christiana Sutter
Die Vorbereitung hat sich ausbezahlt: Cony Lusti absolvierte den legendären Wasalauf. (Bild: Christiana Sutter)

Die Vorbereitung hat sich ausbezahlt: Cony Lusti absolvierte den legendären Wasalauf. (Bild: Christiana Sutter)

Christiana Sutter

redaktion@wundo.ch

Cony Lusti sitzt zwei Tage nach dem Wasalauf entspannt in der Wohnküche ihres Hauses in Alt St. Johann. «Ich habe keinen Muskelkater und auch sonst keine Beschwerden», sagt die 47-Jährige. In sieben Stunden und sechzehn Minuten hat Cony Lusti den 90 Kilometer langen Wasalauf in der klassischen Langlauftechnik absolviert. Mit dieser Zeit wurde sie 228. von 2642 Frauen und gesamt 4858. von rund 16000 Langläufern.

90 Kilometer entsprechen ungefähr einer Strecke von Nesslau bis zum Flughafen Kloten. Bereits in der Woche vor dem Lauf reisten sie und ihr ältester Sohn Lars mit einer Gruppe, geleitet vom ehemaligen Schweizer Langläufer Daniel Sandoz, nach Schweden. Denn eigentlich wollte sie dieses Erlebnis mit Lars teilen. Diesen erwischte in Schweden die Grippe und er musste schweren Herzens forfait geben.

Zum ersten Mal im Leben Sportlernahrung gegessen

Cony Lusti war bis zum 19. Altersjahr Skirennfahrerin. Danach war sie eine Saison in Amerika als Profi-Skirennfahrerin unterwegs. Zum Langlauf hat sie erst etwas später gefunden. Damals, als sie die Skilehrerausbildung absolvierte, musste man auch noch die klassische Langlauftechnik erlernen. «Ich wurde zum Langlaufen gezwungen», sagt sie lachend. Das Laufen auf den schmalen Latten hat ihr Spass gemacht und sie blieb dabei. Dann vor rund 20 Jahren hat Cony Lusti sich entschieden später einmal den Wasalauf zu laufen. Bis es aber soweit war, hat die Ausdauerathletin mehrmals am Engadiner Skimarathon teilgenommen. Im Herbst 2017 hat sie sich entschieden, im März 2018 teilzunehmen.

Von diesem Moment an begann die gezielte Vorbereitung. Im Herbst absolvierte sie viele Kilometer auf den Rollski, «stossen mit den Armen war angesagt». Auch auf Bergtouren im Herbst holte sich Cony Lusti die Fitness. Sobald Schnee lag ging sie auf Skitouren, «und viele Kilometer auf den Langlaufskis». Vor allem auf der Sellamatt lief sie lange Strecken, bis vier Stunden in einem Training. Aber auch die richtige Ernährung während eines Wettkampfes musste sie trainieren. «Unglaublich, das erste mal im Leben habe ich begonnen Sportlernahrung zu essen.» Gels, Riegel und was es alles so gibt. Magenverträglich mussten sie sein. In zwei Wettkämpfen hat sie die Verpflegung getestet.

Ein Uni-Professor als Geschichtenerzähler

Nebst der sportlichen und ernährungstechnischen Vorbereitung ist das Material am Wettkampf ausschlaggebend. Vier paar Skis waren im Gepäck von Cony Lusti. Zwei Fellskis, ein Wachs- und ein Skatingski. In der Woche vor dem Wettkampf lief sie mit der Gruppe Teilstücke ab. Somit konnte sie auch den passenden Ski austesten. Sie entschied sich für den Wachsski. Noch in bester Erinnerung, beginnt die Langläuferin von ihren Eindrücken zu erzählen. «Kurz nach dem Start kommt eine enge Passage. Einer nach dem andern hat auf den Aufstieg gewartet», sagt Cony Lusti, «dabei kommt man ins Gespräch.» Neben ihr war ein Mann der wissen wollte, woher sie komme. Danach erzählte er in bestem Hochdeutsch was es mit dem Wasalauf auf sich hat. «So habe ich die Geschichte vom Deutsch- und Geschichtslehrer einer Uni erzählt bekommen.»

Dann folgte Kilometer um Kilometer. Was geht in einem Menschen vor, wenn man so lange alleine in Tausenden von Menschen unterwegs ist. «Studiert habe ich nicht viel, ich habe es einfach genossen», sagt die Ausdauersportlerin. «Ich habe mich gut gefühlt und gefreut, dass ich nach 50 gelaufenen Kilometern noch einen Marathon laufen darf.» Bei Kilometer 70 hatte Cony Lusti eine kleine Krise. Sie spürte langsam die Strecke. «Ich wusste, dass ich mich jetzt gut ernähren muss», sagt die Langläuferin. Auf der Strecke hatte es Verpflegungsposten. Bouillon, Blaubeersuppe und Schwedenbrötchen wurden angeboten.

Dann, nach 89 Kilometern, war der letzte Kilometer ein Schaulaufen durch die Zuschauer im Städtchen Mora. «Im Ziel ging es mir gut», sagt sie freudig. Die gute Vorbereitung hat sich ausbezahlt, «und ich hatte perfektes Material». Sie beginnt zu schmunzeln. Denn das erste was im Ziel angeboten wurde war Milch. «Unverständlich für uns», sagt Cony Lusti, «das Zweite war dann Bier.» Sie nahm das Bier.

Wie es kurzfristig auf den Langlaufski aussieht, weiss sie bereits. Nächsten Sonntag wird sie am 50. Engadiner Skimarathon teilnehmen, «mit meinem Sohn Julian.» Aber bereits hat Cony Lusti ein weiteres Worldloppet Rennen im Visier: Den legendären Birkebeiner in Norwegen.

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