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Als Rüthi niederbrannte

Im Ortsmuseum ist zurzeit eine Sonderschau zu den verheerenden Bränden von 1887 im Büchel und von 1890 in Rüthi zu sehen. Sie berührt, weil man erkennt, dass Rüthi heute ist, was damals nach dem Brand entstand.
Max Tinner
Erschütternd: So sah Rüthi nach dem Grossbrand vom 21. September 1890 aus. 287 Häuser fielen den Flammen zum Opfer. 672 Frauen, Männer und Kinder waren vom einen Tag auf den anderen obdachlos. (Bild: Ortsmuseum Rüthi/Bilderarchiv Gemeinde Rüthi)

Erschütternd: So sah Rüthi nach dem Grossbrand vom 21. September 1890 aus. 287 Häuser fielen den Flammen zum Opfer. 672 Frauen, Männer und Kinder waren vom einen Tag auf den anderen obdachlos. (Bild: Ortsmuseum Rüthi/Bilderarchiv Gemeinde Rüthi)

Es dürfte ein wunderschöner Herbsttag gewesen sein, am 21. September 1890. Es war föhnig und darum wohl sichtig. Gut möglich, dass die Rüthnerinnen und Rüthner ein paar schöne Stunden genossen haben. Immerhin war Bettag. Man war aber auch wachsam: dreieinhalb Jahre zuvor, im April 1887, brannte bei Föhn das Dorf Büchel; und 1854 war Lienz abgebrannt.

Tatsächlich brach dann am Abend – kurz nach acht Uhr soll es gewesen sein – im Oberdorf trotz aller Achtsamkeit Feuer aus. Es habe sich rasend schnell ausgebreitet, heisst es in einem 1956 in der «Schweizerischen Zeitschrift für Vermessung, Kulturtechnik und Photogrammetrie» erschienen Artikel, in dem aus einem Bericht von 1892 zitiert wird.

Innert einer Viertelstunde brannten bereits 30 Häuser

Bei dem herrschenden Föhnsturm und den damaligen Mitteln der Feuerwehr war dem Brand nicht beizukommen. Innert einer Viertelstunde seien 30 Häuser in Brand gestanden. Mehr noch: Der Sturmwind wehte Funken über den Hirschensprung – bald brannte auch der Weiler Moos.

Der Weiler Rehag und das Rüthner Armenhaus am Hirschensprung konnten gerettet werden dank der über den Rhein herbeigeeilten Feuerwehren von Feldkirch, Altenstadt und Meiningen. Auch viele andere Feuerwehren aus dem ganzen Tal und sogar aus St. Gallen standen im Einsatz – was nur schon bemerkenswert ist, weil es damals ja noch keine Feuerwehrautos gab. Die Feuerwehr aus St. Gallen kam mit dem Zug.

Trotz des gewaltigen Aufgebots konnte die Feuerwehr insgesamt nur wenig ausrichten. Oberriet und Kobelwald blieben zwar verschont. Aber in Rüthi waren am andern Tag 216 Häuser nur noch Schutt und Asche; 71 waren es im Moos. Zwei Menschen kamen ums Leben. 126 Familien in Rüthi und 31 im Moos, insgesamt 672 Frauen, Männer und Kinder, waren obdachlos. Beim Brand drei Jahre zuvor im Büchel waren 93 Häuser niedergebrannt.

Verschont geblieben ist bei jenem Brand von 1887 das Büchler Schulhäuschen, in dem heute das Ortsmuseum untergebracht ist. Die Ausstellung, die darin und im Stall vis-à-vis zurzeit an die Dorfbrände erinnert, zeigt einige Fotografien, die in den Tagen nach dem Brand von 1890 in Rüthi aufgenommen worden sind. Sie ähneln solchen von zerbombten Städten in Kriegsgebieten: Ein Grossteil Rüthis war bis auf die Grundmauern niedergebrannt; nur Schutt und Asche waren übrig geblieben.

Rüthi wird neu aufgebaut

Die Ausstellung zeigt auch, mit wie wenig die damalige Feuerwehr gegen ein solches Feuer kämpfen musste. Sie zeigt aber ebenso die beeindruckende Solidarität, die man im ganzen Land und auch ennet dem Rhein den Leidtragenden in den Wochen und Monaten danach entgegen brachte. Ein weiterer Schwerpunkt der Sonderschau zeigt, wie die Rüthner neuen Mut fassten und das Dorf wieder aufbauten. Beim Betrachten der ausgestellten Pläne erkennt man: Rüthi ist heute, was damals nach dem Brand von 1890 entstand.

Zu sehen ist die Ausstellung im Ortsmuseum im Büchel noch bis 20. November jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei; Spenden sind willkommen.

Diese beim Brand vor 126 Jahren angekohlten Balken kamen letzten Frühling beim Abriss eines Rossstalls zum Vorschein. (Bild: Max Tinner)

Diese beim Brand vor 126 Jahren angekohlten Balken kamen letzten Frühling beim Abriss eines Rossstalls zum Vorschein. (Bild: Max Tinner)

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